Projekt @ichbinsophiescholl auf Instangram | BR/SWR

Instagram-Serie von BR und SWR Mehr als 450.000 folgen "@ichbinsophiescholl"

Stand: 06.05.2021 18:49 Uhr

Freude über das Leben, Fotos, Videos - und bald immer mehr Entsetzen über das, was um sie herum geschieht: Auf dem Instagram-Kanal "@ichbinsophiescholl" werden die letzten Lebensmonate der Widerstandskämpferin erzählt - mit großem Erfolg.

"Stell Dir vor, es ist 1942 auf Instagram ..." - so beginnt die Geschichte eines ganz besonderen Kanals in dem sozialen Netzwerk. Unter "@ichbinsophiescholl" können Nutzer seit Dienstag die zehn letzten Lebensmonate Sophie Scholls verfolgen. In der Serie werden die Geschehnisse im Leben der Münchner Studentin, die wegen ihres Widerstands gegen die Nationalsozialisten am 22. Februar 1943 hingerichtet wurde, aus ihrer Sicht nacherzählt.

Für das Projekt ist die 21-jährige Schauspielerin Luna Wedler in die Rolle der gleichaltrigen Sophie Scholl geschlüpft, Max Hubacher ist als ihr Bruder Hans zu sehen. Für Instagram filmt Sophie ihr Leben, sie teilt Fotos, Zeichnungen, Dokumente und schreibt über das, was sie denkt und fühlt. In "nachempfundener Echtzeit" nimmt sie ihre Follower mit in die Jahre 1942 und 1943.

Mehr als 400.000 Follower

Es ist ein Mammutprojekt, mit dem SWR und BR derzeit für Aufsehen sorgen. Vor allem junge Leute sollen so mehr über die junge Frau erfahren, deren 100. Geburtstag am Sonntag (9. Mai) gefeiert wird. Und das Projekt findet viel Zuspruch: Mittlerweile verfolgen schon mehr als 450.000 Follower die Geschehnisse um die 1921 geborene Sophie Scholl, die Mitglied der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose" gegen die Naziherrschaft war.

"@ichbinsophiescholl" zeigt die Studentin als freche und auch widersprüchliche, junge Frau, die sich mit Neugier ins Leben stürzt, mit ihrem Verlobten Fritz Hartnagel Briefe schreibt und auch mal mit der Liebe hadert. Bei aller Lebenslust ist sie entsetzt über die grausamen Verbrechen der Nationalsozialisten - und will nicht länger tatenlos zusehen.

Quellen sind vor allem Tagebuch- und andere Aufzeichnungen Sophie Scholls. Akribisch hat das Team um Regisseur Tom Lass in den historischen Dokumenten recherchiert. Manches ist auch fiktional, etwa wenn Sophie in die Kamera spricht. Die szenischen Teile wurden in Berlin und München gedreht.

"Darf man das?"

Sophie-Scholl-Darstellerin Wedler sagt, es sei für sie "die größte Ehre", die Widerstandskämpferin spielen zu dürfen. Sie hat sich durch deren Tagebuchaufzeichnungen gelesen, ihre Bilder angesehen und Dokumente wie die Briefe an ihren Verlobten gelesen. "Sie haben mir ermöglicht, dass ich in ihren Kopf gucken konnte. Sie war nicht nur im Widerstand, sondern auch eine junge Frau mit vielen Facetten und Widersprüchen - dieses Kämpfen ist sehr berührend - besonders wenn man weiß, wie es ausgeht."

Das Projektteam sei "überglücklich" über den starken Start, sagte Annette Gilcher vom SWR. Ziel sei es, Sophie Scholl in die Gegenwart zu holen. Lydia Leipert, die für den BR im Redaktionsteam des Projekts ist, zeigt sich überwältigt, "wie Sophie geliebt wird in den Kommentaren". Sie sei sehr glücklich über die positive Resonanz im Dialog mit den Followern.

Ulrich Herrmann vom SWR, der Dritte im Redaktionsteam des Projekts, berichtet, dass sich alle Beteiligten anfangs fragten: "Darf man das?" - nämlich die Geschichte einer realen Person in dieser Form nachträglich aufbereiten. Jetzt zeige sich, dass aufgrund der vielen Quellen gelungen sei, einen Charakter zu erzählen. Dies komme im Instagram-Format offensichtlich an und "scheint einen Kern zu treffen in diesen Zeiten".

Letzter Post am 18. Februar 2022

Am 4. Mai 2021 war der Start der Serie. Am 4. Mai 1942 reiste Sophie Scholl von Ulm nach München, um Philosophie und Biologie zu studieren. Endlich raus aus der Provinz: "Studieren in der Großstadt, ich freu mich, auf alles was kommt", jubelt sie in die Kamera. Alles ist aufregend - eine Überraschungsparty, die ihr Bruder Hans zu ihrem 21. Geburtstag für sie schmeißt. Das Einleben in München. Und über Hans der Kontakt zu Alexander Schmorell und anderen aus der Weißen Rose, die in Flugblättern die Verbrechen der Nazis anprangern.

Am 18. Februar 2022 soll es den letzten Instagram-Post geben - genau 79 Jahre nach dem schicksalhaften 18. Februar 1943, als Sophie Scholl und ihr Bruder verhaftet wurden, während sie im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität in München Flugblätter verteilten. Vier Tage später wurden sie hingerichtet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Mai 2021 um 12:00 Uhr.