Straßensperrungen auf Wegweisern und Sandsäcke an einer Kreuzung bei Aachen | dpa

Nach Unwettern Schäden auf fast zwei Milliarden geschätzt

Stand: 20.07.2021 07:19 Uhr

Straßen, Bahngleise, Brücken, Mobilfunkmasten, Strom- und Gasleitungen sind in den Hochwassergebieten zerstört. Erste Schätzungen aus dem Bundesverkehrsministerium gehen laut Medienberichten von Schäden in Höhe von fast zwei Milliarden Euro aus.

Die Schäden durch die Hochwasser-Katastrophe liegen Medienberichten zufolge nach ersten Schätzungen des Bundesverkehrsministeriums bei fast zwei Milliarden Euro. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa und der "Bild"-Zeitung sollen allein im Schienennetz der Deutschen Bahn und an den Bahnhöfen Schäden von rund 1,3 Milliarden Euro entstanden sein. Es seien viele Strecken betroffen und teils bis zu 25 Kilometer Länge von den Wassermassen unterspült worden.

Doch auch auf den Straßen und Autobahnen gebe es große Zerstörungen. Auch dort gingen die Schäden den internen Erhebungen zufolge in den Bereich von mehreren hundert Millionen Euro.

Taskforce im Verkehrsministerium

Einem Sprecher von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zufolge arbeite eine Taskforce im Ministerium, das bereits bestehende Lagebild zu vervollständigen. Gleichzeitig solle, soweit bereits möglich, eine Schadensermittlung erfolgen, um die voraussichtlichen Kosten für die Schadensbeseitigung zu ermitteln und den Wiederaufbau der zerstörten und beschädigten Infrastrukturen umgehend in Gang zu setzen. Dazu werde in einzelnen Arbeitsgruppen für Straße, Schiene, Wasserstraße und digitale Infrastrukturen der weitere Handlungsbedarf ermittelt und priorisiert.

Bis Montag war die Zahl der Todesopfer auf mindestens 164 gestiegen: Aus Rheinland-Pfalz wurden 117 und aus NRW 47 Unwetter-Tote bestätigt. In beiden Bundesländern wurde nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Opfer gefunden werden könnten.

Bahnverkehr weiter eingeschränkt

Vermutlich noch längere Zeit andauern werden auch die Beeinträchtigungen im Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Nach Angaben der Deutschen Bahn sind Gleise auf mehr als 600 Kilometern Länge betroffen. Demnach ergab ein erstes Lagebild "massive Beschädigungen an mehr als 80 Stationen und Haltepunkten, Gleisen auf mehr als 600 Kilometern Länge, Weichen, Signaltechnik, Stellwerken, Brücken sowie Fahrzeugen des Regional-, S-Bahn- und Güterverkehrs". Nach wie vor gebe es jedoch kein umfassendes Lagebild.

Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, alle Schäden zu erfassen. Erst in den kommenden Tagen könne hierzu eine erste Bilanz gezogen werden - denn immer noch müsse an vielen Stellen Wasser abfließen, im Anschluss müssten Schlamm und Geröll abgetragen werden.

Auch die Autobahnen sind weiter betroffen. Die A1 in Fahrtrichtung Koblenz ist zwischen dem Autobahnkreuz Köln-West und dem Autobahndreieck Erfttal voll gesperrt. Ebenfalls voll gesperrt ist die A1 in Fahrtrichtung Dortmund zwischen dem Autobahndreieck Erfttal und der Anschlussstelle Hürth.

Ein Engpass besteht auch weiterhin auf der A1 in Fahrtrichtung Koblenz zwischen den Anschlussstellen Köln-Lövenich und Köln-Bocklemünd. Auf der A61 gibt es eine Vollsperrung in beiden Fahrtrichtungen zwischen den Autobahnkreuzen Kerpen und Meckenheim in nahezu allen Abschnitten. Womöglich könnten die Sperrungen noch monatelang nötig sein.

Funkstationen vom Netz abgeschnitten

Auch das Mobilfunknetz ist in den betroffenen Gebieten noch immer lückenhaft. Der Mobilfunkanbieter Vodafone erklärte, dass noch ein Sechstel der Funkstationen vom Netz abgeschnitten sei. Viele Standorte seien vom Hochwasser stark beschädigt oder völlig zerstört worden. Vodafone äußerte sich hoffnungsvoll, dass eine Grundversorgung im gesamten Katastrophengebiet noch in der laufenden Woche wiederhergestellt werden könne.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Juli 2021 um 06:22 Uhr.