Eine Ärztin impft im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden einen Arztkollegen mit der dritten Impfung mit dem Wirkstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer gegen das Coronavirus.  | dpa

Debatte um Corona-Booster Hausärzte warnen vor Verteilungskampf

Stand: 17.11.2021 03:00 Uhr

Die Hausärzte warnen vor einem Verteilungskampf bei den Booster-Impfungen und plädieren für eine Vorrangprüfung für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Gesundheitsminister Spahn macht derweil Druck bei der Booster-Kampagne.

Die Deutschen Hausärzte warnen vor einem Verteilungskampf bei den Auffrischungsimpfungen. "Vor allem bei weniger gefährdeten jüngeren gesunden Menschen ist es nach den bisherigen medizinischen Erkenntnissen nicht erforderlich, auf den Tag genau nach sechs Monaten eine Booster-Impfung durchzuführen", sagt der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Schutz insbesondere vor schweren Verläufen bestehe auch darüber hinaus.

Beim Wunsch nach einer raschen Auffrischung sei zu berücksichtigen, "dass dies möglicherweise zu Lasten von vulnerablen Patienten erfolgen würde". Auch bei der dritten Impfung gelte es, die Gefährdeten besonders im Auge zu behalten. Zudem hätten viel zu viele Menschen noch nicht einmal die Erstimpfung erhalten. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, fordert daher auch bei den Boostern eine Vorrangprüfung für bestimmte Bevölkerungsgruppen ähnlich wie zu Beginn der Impfkampagne. "Eine Priorisierung nach Alter, Krankheit sowie Berufsgruppe muss erneut in Betracht gezogen werden", sagt Brysch den Zeitungen.

Spahn empfiehlt Booster-Impfung auch vor Sechs-Monatsfrist

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) empfiehlt den Ärzten in Deutschland dagegen, allen Erwachsenen schon vor Ablauf der Sechs-Monatsfrist eine Covid-Auffrischungsimpfung zu geben. "Der gemäß Zulassung vorgesehene Abstand von sechs Monaten zur vollständigen Immunisierung bei Personen ab 18 Jahren ist als zeitliche Richtschnur zu verstehen, der natürlich nicht tagesgenau einzuhalten ist", heißt es in einem Schreiben des geschäftsführenden Ministers und des des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, an alle Vertragsärzte in Deutschland, das dem Berliner "Tagesspiegel" vorliegt.

"Sie können daher jede Patientin und jeden Patienten ab 18 Jahren, auch wenn sie nicht zu den Risikogruppen gemäß der aktuellen Stiko-Empfehlung wie ältere Personen, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie medizinisches und pflegerisches Personal gehören, zeitnah und auch vor Ablauf der sechs Monate im eigenen Ermessen impfen", betonen Spahn und Gassen. Aufgrund vieler Impfdurchbrüche war zuletzt der Druck gewachsen, trotz der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission schon deutlich vor Ablauf von sechs Monaten grünes Licht für Booster-Impfungen zu geben.

Bundesärztekammer fordert klaren Fahrplan für Erst-, Zweit- und Drittimpfungen

Die Bundesärztekammer dringt bei Bund und Ländern auf einen klaren Fahrplan für Millionen Erst-, Zweit- und Drittimpfungen in diesem Herbst und Winter. Voraussetzung für die Beschleunigung der Impfkampagne sei es, "dass Bund und Länder jetzt geeignete Rahmenbedingungen für eine gleichermaßen sichere, unbürokratische und barrierearme Impfkampagne schaffen", heißt es in einem Schreiben von Ärztepräsident Klaus Reinhardt an die 16 Länderchefs, das Kanzleramt und den Bundesgesundheitsminister, aus dem die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten.

Vor der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag fordert Reinhardt zur Entlastung der in der Grippesaison stark beanspruchten Praxen zusätzliche Impfangebote "durch Reaktivierung vorhandener Impfzentren, durch Schaffung von Popup-Impfstellen zum Beispiel in Wohngebieten und in Einrichtungen des öffentlichen Lebens, durch Impfstellen an ausgewählten Krankenhausstandorten sowie durch Impfmobile insbesondere für den ländlichen Raum". Die Kommunen sollten zudem zentrale Terminvergabestellen für Auffrischimpfungen einrichten und insbesondere vulnerable Gruppen per Brief zur Booster-Impfung einladen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. November 2021 um 07:30 Uhr in den Nachrichten.