Impfstoff Corona | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie Impfstoff-Test startet in Hamburg

Stand: 02.10.2020 14:29 Uhr

An etwa 200 Corona-Impfstoffen wird derzeit weltweit geforscht. Nun wird ein weiterer Kandidat aus Deutschland an Menschen getestet - ein Vektor-Impfstoff des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung.

Von Oda Lambrecht, Christian Baars, NDR

Ein weiterer Impfstoff gegen das neue Coronavirus darf nun in Deutschland an Menschen getestet werden. Das teilte die zuständige Bundesbehörde, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), mit. Der Impfstoff-Kandidat wurde von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) entwickelt. An dem Projekt beteiligt sind die Universitäten in München und Marburg sowie das Universitätsklinikum in Hamburg (UKE).

Es sei "eine besondere Freude darzustellen, dass auch akademische Forscher-Teams die Covid-Impfstoff-Entwicklung vorangetrieben haben", sagte der Leiter des PEI, Klaus Cichutek bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den beteiligten Wissenschaftlern.

Erste Impfungen ab Mitte Oktober

Marylyn Addo.
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Marylyn Addo leitet die klinische Studie in Hamburg.

Das Mittel soll ab Mitte Oktober zunächst an 30 gesunden freiwilligen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern im Alter von 18 bis 55 Jahren getestet werden. Dabei geht es vor allem darum zu sehen, ob sie den Impfstoff gut vertragen und ob ihr Immunsystem reagiert. "Wir freuen uns über die Genehmigung", sagte die Infektiologin Marylyn Addo. Sie leitet diese erste klinische Phase am UKE.

Mitte Oktober soll der erste Proband beziehungsweise die erste Probandin mit dem Impfstoff in einer niedrigen Dosis geimpft werden. Aus Sicherheitsgründen werde zunächst nur ein Teilnehmer geimpft und erst 24 Stunden später die nächsten zwei, teilte das UKE mit. Die Hälfte der Probanden bekommt den Impfstoff in einer niedrigen Dosis, die andere in einer höheren Dosis.

An den Tagen nach den Impfungen sowie im Verlauf der folgenden sechs Monate müssen die Studienteilnehmer regelmäßig zu ambulanten Nachuntersuchungen kommen, damit die Verträglichkeit des Impfstoffs, mögliche Nebenwirkungen sowie die Immunantwort anhand von Blutuntersuchungen und Befragungen überprüft werden können.

Zweite Studienphase soll noch dieses Jahr starten

Eine weitere größere klinische Studie sei für Ende des Jahres geplant, wenn die erste Testphase gute Ergebnisse zeige, so Addo. In dieser zweiten Studienphase würden sie dann weitere Probandengruppen, darunter auch ältere Menschen, in die Tests einschließen.

Bei dem Impfstoff handelt es sich um einen sogenannten Vektor-Impfstoff. Er basiert auf einem veränderten Pockenvirus, das für den Menschen nicht schädlich ist. Mit ihm - dem sogenannten Vektor oder Trägervirus - kann Erbinformation eines Oberflächen-Proteins des neuen Coronavirus in den Körper eingeschleust werden. Dort bauen einige Körperzellen dieses Virus-Protein nach. Das Immunsystem soll dann darauf reagieren und unter anderem Antikörper entwickeln, die gegen eine Erkrankung schützen können.

Träger schon fürs MERS-Impfstoff verwendet

Dieser neue Impfstoff baut auf ältere Forschungen auf. Das genutzte Trägervirus wurde schon vor mehr als 30 Jahren an der Universität München als sicherer Impfstoff gegen Pocken entwickelt und bereits für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das MERS-Coronavirus - ein anderes bereits bekanntes Coronavirus - verwendet.

Hergestellt wird der Impfstoff in Dessau. Das Unternehmen IDT Biologika hat die Produktion und Abfüllung der Impfstoffdosen dort für die erste klinische Prüfung am Menschen bereits abgeschlossen.

Über dieses Thema berichtet NDR Info am 2.10.2020 um 14 Uhr.

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