Ein Mann lässt sich in Johannesburg  freiwillig einen Corona-Impfstoff injizieren. | AP

Vermögensabgabe gefordert Superreiche sollen Impfungen finanzieren

Stand: 12.08.2021 08:48 Uhr

In vielen ärmeren Ländern der Welt geht es mit den Impfungen gegen Corona nur langsam voran. Hilfsorganisationen werben nun für eine einmalige Vermögensabgabe für Superreiche, um die Impfkampagnen weltweit voranzubringen.

Angesichts der schleppenden Impffortschritte in armen Ländern fordern Oxfam und andere Hilfsorganisationen eine stärkere finanzielle Verpflichtung von Superreichen im Kampf gegen die Pandemie.

99 Prozent auf Gewinne während der Pandemie?

Konkret schlagen sie eine einmalige Vermögensabgabe von 99 Prozent auf Gewinne vor, die Milliardärinnen und Milliardäre während der Pandemie gemacht haben. Dies würde demnach weltweit rund 5,4 Billionen Dollar (4,6 Billionen Euro) für öffentliche Kassen bringen. Damit "ließen sich Covid-19-Impfungen für alle Menschen finanzieren".

Die Hilfsorganisation stellte die Berechnungen gemeinsam mit dem Bündnis Fight Inequality, dem Institute for Policy Studies und der Initiative Patriotic Millionaires auf. Selbst nach einer solchen Abgabe wären die rund 2700 Milliardäre in der Welt noch reicher als vor der Pandemie, erklärte Oxfam in Berlin.

Kritik an Amazon-Gründer Bezos

"Regierungen lassen es zu, dass eine Handvoll Superreicher obszönen Reichtum anhäuft, während Milliarden Menschen um ihre Existenz kämpfen und keinen Zugang zur rettenden Covid-19-Impfung haben", kritisierte Oxfam-Entwicklungsfinanzierungsexperte Tobias Hauschild. Das Vermögen von Amazon-Gründer Jeff Bezos beispielsweise sei während der Pandemie um 79,4 Milliarden auf 192,4 Milliarden Dollar gestiegen, rechnete der Zusammenschluss der Nichtregierungsorganisationen vor.

Bezos "könnte mit seinem Reichtum persönlich dafür sorgen, dass ausreichend Impfstoff für alle Menschen auf der Welt vorhanden ist. Doch er gibt sein Geld lieber für einen aufregenden Flug ins All aus", sagte Hauschild mit Blick auf den jüngsten Weltraumflug des Amazon-Gründers.

Auch in Deutschland müsse mehr getan werden, damit sehr Vermögende ihren fairen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise leisten, forderte Oxfam. Die Vermögensungleichheit in Deutschland sei eine der höchsten in Europa. Die nächste Bundesregierung müsse daher die Wiedereinführung der Vermögenssteuer für sehr Reiche vereinbaren und eine Vermögensabgabe für Millionen- und Milliardenvermögen prüfen, so der Oxfam-Experte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. August 2021 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.