Ein Kinder- und Jugendarzt impft eine Jugendliche mit dem Corona-Impfstoff von BioNTech-Pfizer. | dpa

Corona-Pandemie Sachsen empfiehlt Impfung ab zwölf Jahren

Stand: 30.07.2021 16:12 Uhr

Die STIKO empfiehlt eine Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche nur in Ausnahmefällen - doch Sachsen weicht nun von dieser Linie ab: Die Landes-Impfkommission rät generell zur Impfung ab zwölf Jahren.

Die Sächsische Impfkommission (SIKO) emfiehlt Corona-Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren künftig generell. Dies gelte ab Sonntag, teilte die SIKO in Dresden mit. Bisher entsprach das Vorgehen in Sachsen der bundesweit gültigen Maßgabe: Impfungen in der Regel erst für Jugendliche ab 16 Jahren. Für Jüngere ab zwölf Jahren wurde sie lediglich bei Vorliegen von Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf empfohlen. Alle anderen sollten die Spritze nur nach einer ausführlichen Aufklärung erhalten.

"Hier überwiegt der Nutzen eindeutig das Risiko"

Die Sächsische Impfkommission begründete die Änderung ihrer Impfempfehlung mit der "überaus dynamischen Entwicklung der Coronavirus-Pandemie" und dem wachsenden Wissensstand zu Impfungen. In die generelle Impfempfehlung bei Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 15 Jahren seien Daten aus den USA und Israel eingeflossen. "Hier überwiegt der Nutzen eindeutig das Risiko adverser Reaktionen", erklärte die SIKO. Bei adversen Reaktionen handelt es sich um mögliche Nebenwirkungen.

Besonderes Augenmerk legte die SIKO demnach auf das Auftreten von Herzmuskelentzündungen in Verbindung mit Corona-Impfungen. Bei männlichen Jugendlichen in der Altersgruppe von zwölf bis 17 Jahren sei hier mit einer Häufigkeit von bis zu 70 pro einer Million vollständig Geimpfter zu rechnen. Gleichzeitig würden in dieser Altersgruppe zwei Todesfälle und 71 Intensivbehandlungen aufgrund von Covid-19 sowie 5700 Corona-Infektionen verhindert. Bei weiblichen Geimpften liege die Häufigkeit von Herzmuskelentzündungen bei etwa zehn von einer Million vollständig Geimpfter bei Verhinderung eines Todesfalls und von 38 Intensivbehandlungen sowie 8500 Infektionen, erklärte die SIKO.

Abweichung von STIKO-Empfehlung

Die Sächsische Impfkommission ist die einzige Impfkommission auf Länderebene in Deutschland. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt Corona-Impfungen zwischen zwölf und 17 Jahren bislang nur für Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen oder auf Wunsch nach individueller ärztlicher Beratung. Die STIKO verweist dabei auf die bislang dünne Datenlage.

Aus der Politik waren allerdings immer wieder Forderungen laut geworden, die Corona-Impfung für alle Jugendlichen ab zwölf Jahren zu empfehlen, unter anderem von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat bisher die Corona-Impfstoff der Firma BioNTech/Pfizer und des US-Herstellers Moderna für Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren freigegeben.

Schüler- und Studierendenverbände fordern Impfungen

Angesichts der hohen Corona-Inzidenzen bei jüngeren Menschen forderten Schüler- und Studierendenverbände unterdessen mehr Impfangebote für diese Bevölkerungsgruppe. Der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, es gebe eine hohe Impfbereitschaft bei jungen Menschen. Aber die Angebote reichten noch nicht aus. "An Orten, an denen sich vor allem Jüngere aufhalten, müsste es verstärkt entsprechende Impfangebote geben."

Auch Schramm beklagte, dass die STIKO noch immer keine generelle Empfehlung für eine Impfung der 12- bis 16-Jährigen ausgebe. Dies führe im Herbst dazu, dass sehr viele ungeimpfte Kinder an die Schulen zurückkehrten. "Das ist schade", sagte der Schülervertreter. "Viele Jüngere hätten es sich bestimmt gewünscht, geimpft ins neue Schuljahr zu starten."

Paul Klär, Vorstand des freien Zusammenschlusses von Studentenschaften, kritisierte, dass junge Bevölkerungsgruppen viel später die Möglichkeit gehabt hätten, sich impfen zu lassen. Daher gingen dort jetzt die Inzidenzen nach oben. Grundsätzlich sei die Impfbereitschaft unter Studierenden hoch. Zahlreiche Universitäten hätten bereits deutlich gemacht, "dass Impfungen eine Voraussetzung sind für mehr Präsenz im kommenden Semester."