Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens bereitet im Krankenhaus Severo Ochoa in Madrid eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von Pfizer/BioNTech vor. | dpa

Kampf gegen Delta-Variante Sollte der Impfabstand verkürzt werden?

Stand: 25.06.2021 19:26 Uhr

Wer nur eine Erstimpfung erhalten hat, ist kaum gegen die Delta-Variante des Coronavirus geschützt. Weil sich aber gerade diese Mutante schnell ausbreitet, wird über kürzere Abstände zwischen den Impfungen diskutiert.

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Deutschland und Europa schnell aus. Sie ist hochansteckend und könnte die bisherigen Erfolge im Kampf gegen die Corona-Pandemie gefährden. Zudem warnen Forscher: Nur eine vollständige Impfserie scheint vor der Mutante zu schützen - eine Erstimpfung reicht also nicht aus.

Vor diesem Hintergrund ist eine Diskussion darüber entbrannt, ob die Abstände zwischen den Impfungen verkürzt werden sollten, um den Anteil der Menschen mit vollständigem Impfschutz schnell zu erhöhen. Diese Frage sei nicht trivial, sagte Thomas Mertens, Leiter der Ständigen Impfkommission (STIKO), der Nachrichtenagentur dpa. Es gebe verschiedene Pro- und Contra-Argumente, so der Ulmer Virologe. "Wir versuchen derzeit die notwendige Evidenz zu schaffen."

Bislang lange Abstände empfohlen

Die STIKO empfiehlt bislang längere Zeitabstände zwischen den zwei Impfungen, als es gemäß Zulassung der jeweiligen Impfstoffe möglich wäre. Das hat mehrere Gründe: Bei AstraZeneca etwa steigt die Wirksamkeit bei längerem Abstand. Zudem sprach die Impfstoffknappheit dafür, zunächst möglichst viele Menschen mit der Erstimpfung zu versorgen.

Bei AstraZeneca lautet der bisherige Rat des Expertengremiums, zwölf Wochen zwischen erster und zweiter Dosis verstreichen zu lassen. Für die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna beträgt der empfohlene Abstand sechs Wochen. Laut Zulassung wären allerdings schnellere Impfserien möglich: zwei BioNTech-Spritzen im Abstand von drei Wochen, bei Moderna und AstraZeneca im Abstand von vier Wochen.

Spahn gegen Verkürzung der Abstände

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plädierte dafür, mit der Zweitimpfung im Rahmen des in der Zulassung vorgesehenen Intervalls zu bleiben. "Innerhalb des Intervalls entscheiden das am Ende der Arzt und der zu Impfende", sagte der CDU-Politiker. Es sei absehbar, dass in vier bis sechs Wochen weit über 50 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft seien.

Auch der Impfexperte Leif Erik Sander von der Charité sagte, angesichts der niedrigen Infektionszahlen könne man "mit Ruhe einfach so weitermachen", wie es bisher gut und empfohlen sei. Man wolle etwa bei AstraZeneca keinen Wirksamkeitsverlust risikieren. Ähnlich hatte sich zuvor der Immunologe Carsten Watzl auf Twitter geäußert.

Braun will zunächst Erstimpfung für alle

Kanzleramtsminister Helge Braun sagte im ARD-Morgenmagazin auf die Frage, ob die Abstände verkürzt werden sollten, um schneller Menschen vor Delta zu schützen: Die Herausforderung sei zunächst einmal, dass jeder - mit Ausnahme von Kindern unter 12 - eine Chance zur Erstimpfung bekomme. Bei der Zweitimpfung gehe es weniger um die Frage der Bequemlichkeit des Abstands, sondern mehr um die Wirksamkeit, so der CDU-Politiker. "Wir wissen eben, dass ein gewisser Abstand die Wirksamkeit der Impfung verbessert." Er verneinte die Frage, ob eine Verkürzung der Rat der Stunde sei.

"Die aktuellen Impfintervalle, insbesondere bei BioNTech, zu verkürzen, macht natürlich Sinn, um möglichst schnell eine vollständige Impfwirkung zu erreichen", erklärte hingegen der Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. "Die maximale Spreizung der Impfintervalle bei BioNTech hat ja lediglich im Mangel der Impfstoffe ihre Begründung."

Delta-Variante dürfte bald dominieren

Der Virologe Christian Drosten weist schon länger darauf hin, dass gerade die erste Impfung gegen Delta noch nicht so viel hilft. Auch der Immunologe Carsten Watzl hatte der dpa kürzlich gesagt: "Die Zweitimpfung ist dringend notwendig, um auch die Mutanten gut abwehren zu können."

Auch in Deutschland werden mittlerweile wachsende Anteile der in Indien entdeckten Delta-Variante verzeichnet. Die Fallzahlen durch die Mutante wachsen bislang aber nur relativ leicht, während der Trend bei den Ansteckungen durch die noch dominierende Mutante Alpha stärker zurückgeht. Perspektivisch wird damit gerechnet, dass Delta auch hier das Infektionsgeschehen dominieren wird.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 25. Juni 2021 um 08:10 Uhr.