Die Kabarettistin Idil Baydar steht bei einem Auftritt in Köln auf der Bühne. | picture alliance / Geisler-Fotop

Hessen Weitere Datenabfrage von Polizeirechner

Stand: 14.07.2020 09:03 Uhr

Von einem Rechner der hessischen Polizei sind persönliche Daten der Kabarettistin Baydar abgerufen worden. Sie wird von Rechtsextremisten seit Monaten mit Drohschreiben überzogen, die früheren Fällen ähneln.

In Hessen geht die Polizei weiteren Fällen rechtsextremer Bedrohungen nach, die möglicherweise aus den eigenen Reihen stammen.

Von einem Rechner der hessischen Polizei sind persönliche Daten der Kabarettistin Idil Baydar abgerufen worden, die seit Monaten massiv Schmäh- und Drohbriefen von Rechtsextremisten ausgesetzt ist, sagte die Staatsanwaltschaft Frankfurt dem HR und bestätigte damit Berichte der "Frankfurter Rundschau".

Parallelen zu Wissler und Basay-Yildiz

Baydar ist die dritte Prominente, der rechtsextreme Drohbriefe zugehen, nachdem ihre persönlichen Daten von einem Polizeicomputer aus abgefragt wurden. Die Botschaften waren mit "NSU 2.0" unterzeichnet.

Die Daten der Linken-Politikerin Janine Wissler, die ebenfalls rechtsextreme Drohungen erhält, waren von Wiesbaden aus eingesehen worden.

Die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz, die Opfer der Rechtsterroristen "NSU" vertreten hatte, erhielt ebenfalls Drohschreiben, die nach Ansicht der Psychologen des hessischen Landeskriminalamtes (LKA) auf Insiderwissen aus der hessischen Polizei hindeuteten. Ihre Daten wurden von Frankfurt am Main aus abgefragt.

Nach Berichten der "taz" hatten neben Basay-Yildiz und Wissler auch zwei weitere Linken-Politikerinnen mit "NSU 2.0" gezeichnete Schreiben mit Todesdrohungen erhalten.

Die Datenabfrage über Baydar erfolgte nach Informationen des HR von einem Rechner in einem Wiesbadener Polizeirevier. Um welches Revier es sich handelt, ist unklar. Auch der genaue Zeitpunkt der Abfrage ist unbekannt.

Sonderermittler zu Drohmails eingesetzt

Hessens Innenminister Peter Beuth sieht keine Belege, hat aber den Verdacht, dass es ein rechtes Netzwerk in der hessischen Polizei geben könnte.

Er hatte in der vergangenen Woche einen Sonderermittler zu den Drohmails eingesetzt: Der Direktor der Kriminaldirektion im Frankfurter Polizeipräsidium, Hanspeter Mener, übernahm federführend die Ermittlungen.

Die 1975 in Celle geborene Kabarettistin Idil Baydar thematisiert in ihrem Programm häufig die Situation von Deutschen mit Migrationshintergrund. Eine Zeit lang trat sie als Kunstfigur "Jilet Ayse" auf, die nach eigener Beschreibung eine "Ghettobraut aus Berlin Neukölln" darstellt. Baydar sprach sich auch bei Kundgebungen und als Talkshowgast häufig gegen Rechtsextremismus und Rassismus in der Gesellschaft aus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2020 um 09:00 Uhr.