Ein Polizist steht vor einer Tankstelle | dpa

Tödlicher Angriff in Idar-Oberstein GdP warnt vor Radikalisierung

Stand: 22.09.2021 10:32 Uhr

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Tankstellen-Mitarbeiter in Idar-Oberstein hat die Polizeigewerkschaft GdP vor einer Radikalisierung der Corona-Leugner-Szene gewarnt. Die Ermittler überprüfen unterdessen Social-Media-Profile des Verdächtigen.

Die Polizeigewerkschaft GdP warnt nach dem tödlichen Schuss auf einen Tankstellen-Mitarbeiter in Idar-Oberstein im Streit um die Maskenpflicht vor einer Radikalisierung von Corona-Leugnern. "Das ist der erste Fall einer Tötung in Verbindung mit Corona", sagte GdP-Vize Jörg Radek den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir nehmen seit letztem Jahr eine Radikalisierung von Corona-Gegnern wahr."

Die schwere Straftat sei bislang ein Einzelfall. Bei Demonstrationen gebe es aber immer mehr Angriffe auf Medienschaffende und Übergriffe gegen Polizisten, sagte Radek. "Es ist wichtig, dass die Sicherheitsbehörden radikale Kräfte in den Blick nehmen. Sei es von links, rechts oder aus der Querdenker-Szene."

Viele Hinweise auf Twitter-Profil des Mannes

Die Polizei in Rheinland-Pfalz prüft unterdessen die Aktivität des Tatverdächtigen in sozialen Medien. Es seien sehr viele Hinweise eingegangen, unter anderem auf das Twitterprofil des Mannes, teilten die Beamten in Trier mit.

Nach Recherchen des "Spiegel" und des auf Verschwörungsideologien spezialisierten Thinktanks CeMAS war der mutmaßliche Schütze bereits vor zwei Jahren auf Twitter mit Gewaltfantasien aufgefallen.

Staatsanwaltschaft geht von langen Ermittlungen aus

Der 49-Jährige soll am Samstagabend in einer Tankstelle in Idar-Oberstein einem 20 Jahre alten Verkäufer in den Kopf geschossen haben, nachdem dieser ihn auf die Einhaltung der Maskenpflicht hingewiesen hatte. Woher der Tatverdächtige die Waffe hatte, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft geht von langwierigen Ermittlungen zu den Hintergründen aus.

Nach seiner Festnahme habe der mutmaßliche Schütze den Ermittlern gesagt, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne. Die Pandemie habe ihn stark belastet, er habe ein Zeichen setzen wollen. Der zuvor nicht polizeibekannte Verdächtige sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Die Tat löste bundesweit großes Entsetzen und Anteilnahme aus.