An dieser Tankstelle in Idar-Oberstein wurde der Student von einem Maskenverweigerer erschossen. | dpa

Streit über Maske in Idar-Oberstein Entsetzen nach Tötung von 20-Jährigem

Stand: 21.09.2021 17:37 Uhr

Die Tötung eines 20-Jährigen in einer Tankstelle in Rheinland-Pfalz hat in der Politik für Bestürzung gesorgt. Der thüringische Verfassungsschützer Kramer sieht die Tat als Konsequenz von Verschwörungsfantasien.

Aus Ärger über die Maskenpflicht in einer Tankstelle soll ein Mann einen 20-jährigen Tankstellenkassierer erschossen haben. Die Tat sorgt weit über das rheinland-pfälzische Idar-Oberstein hinaus für Entsetzen. Mehrere Politiker zeigten sich tief betroffen.

"Mich erschüttert der furchtbare Mord an einem jungen Mann, der nur darum bat, die geltenden Regeln zu befolgen, umsichtig und solidarisch zu sein", erklärte Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Sie sprach der Familie des Opfers ihr Mitgefühl aus. "Die Radikalisierung des Querdenkermilieus bereitet mir große Sorgen", erklärte sie weiter. Alle seien gefordert, sich gegen den zunehmenden Hass zu stellen.

Forderungen nach harter Bestrafung

Auch Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet positionierte sich mit scharfen Worten gegen die Querdenker-Bewegung: "Dieser Hass in unserer Gesellschaft muss ein Ende haben." Die Pandemie dürfe nicht banalisiert werden, wie dies von einigen Gruppen getan werde.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz erklärte, der Täter müsse "hart bestraft werden". Er zeigte sich erschüttert, "dass jemand getötet wird, weil er sich und andere schützen wollte". Die Gesellschaft müsse sich dem Hass entschlossen entgegenstellen, forderte er. "Meine Gedanken sind bei den Angehörigen des Mordopfers." 

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer forderte die Aufklärung der Tat und die Bestrafung des Täters. Corona-Leugner, die die Tötung im Netz für sich instrumentalisierten, würden genau beobachtet. "Wir verfolgen Hass und Hetze konsequent und ziehen alle zur Verantwortung, die Hass säen", erklärte sie.

Tatverdächtiger flüchtete zunächst

Das 20-jährige Opfer soll nach Angaben der Ermittler in der Tankstelle in Idar-Oberstein den Tatverdächtigen auf die Einhaltung der Maskenpflicht hingewiesen haben. Es sei zu einer Diskussion gekommen. Der Mann habe demnach die Tankstelle daraufhin wieder verlassen.

Etwa eineinhalb Stunden später habe der Tatverdächtige erneut die Tankstelle betreten und dieses Mal eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen. Als er an der Kasse gewesen sei, habe er die Maske heruntergezogen, worauf es erneut einen Wortwechsel gegeben habe. Der Verdächtige habe dann einen Revolver aus der Hosentasche gezogen und einen tödlichen Schuss auf den Kassierer abgegeben.

Anschließend flüchtete der Täter zu Fuß. Eine Großfahndung in der Nacht habe zunächst keine Ergebnisse gebracht, hieß es weiter. Am Sonntagmorgen sei der Verdächtige dann in Begleitung einer Frau vor der Dienststelle der Polizeiinspektion Idar-Oberstein erschienen, wo er von Spezialkräften festgenommen worden sei. In seiner Vernehmung habe der 49-Jährige angegeben, die Corona-Schutzmaßnahmen abzulehnen.

Thüringer Verfassungsschutz warnt vor Verschwörungstheorien

Für den Präsidenten des thüringischen Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, ist die Tat eine Konsequenz rechtsextremistischer Verschwörungsfantasien. "Der kaltblütige Mord an dem Studenten, der als Tankstellenkassierer arbeitete, ist furchtbar, aber für mich keine Überraschung angesichts der steten Eskalation der letzten Wochen", sagte Kramer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Er habe seine Kollegen vor der Eskalation gewarnt. "Bedauerlich ist, dass es immer erst Tote geben muss, bevor die Gefahr ernst genommen wird."