Ein küssendes Männerpaar | Bildquelle: AP

Homosexualität Spahn will umstrittene Therapien verbieten

Stand: 15.02.2019 16:03 Uhr

In Deutschland sind angebliche Behandlungen gegen Homosexualität nach wie vor erlaubt. Das will Gesundheitsminister Spahn ändern und die sogenannten Konversionstherapien per Gesetz verbieten lassen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will sogenannte Konversionstherapien gegen Homosexualität gesetzlich verbieten lassen. Der CDU-Politiker kündigte an, gemeinsam mit dem Justizministerium bis zum Sommer einen Entwurf für die Regelungen ausarbeiten zu wollen. Diese Pseudotherapien zielen darauf ab, Schwule und Lesben zu einer heterosexuellen Orientierung zu bewegen.

Spahn betonte gegenüber der "tageszeitung": "Homosexualität ist keine Krankheit, und deswegen ist sie auch nicht therapiebedürftig." Und er fügte hinzu:

"Ich halte nichts von diesen Therapien, schon wegen meines eigenen Schwulseins. Ich sage immer, der liebe Gott wird sich was dabei gedacht haben."

Gesundheitsminister Jens Spahn spricht im Bundestag. | Bildquelle: dpa
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Gesundheitsminister Jens Spahn: "Homosexualität ist keine Krankheit."

Geldstrafe reicht Spahn nicht aus

Spahn will zunächst eine Studie bei der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld in Auftrag geben. Diese soll untersuchen, wie andere Länder mit Konversions- oder auch Reorientierungstherapien umgehen. Anschließend soll geklärt werden, welche rechtlichen Regelungen in Deutschland verankert werden sollen.

Laut Spahn sollte künftig etwa das ärztliche Berufsrecht Konsequenzen für diejenigen vorsehen, die die vermeintliche "Heilung" anbieten. Das Sozialrecht müsse Vergütung für Konversionstherapien verbieten. Und auch ein rechtliches Strafmaß will Spahn einführen, allerdings ist noch nicht klar, wie dieses aussehen soll. Die Grünen hätten bereits eine Geldstrafe von 500 Euro vorgeschlagen - für Spahn nicht genug. Eine solche Geldstrafe sei nicht "übermäßig abschreckend".

In zahlreichen Ländern schon verboten

Zahlreiche Länder weltweit verbieten die Pseudotherapien bereits: In den USA sind sie in elf Bundesstaaten komplett verboten, ebenso etwa in Malta oder Ecuador. Bereits 2013 forderte der Weltärztetag per Beschluss ein internationales Verbot dieser angeblichen Behandlungsmöglichkeiten. Auch die deutsche Bundesärztekammer unterzeichnete den Beschluss.

Doch nach wie vor prangern bundesweit Organisationen und Vereine Homosexualität als Fehler und Makel an. Das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft etwa stellt sich auf seiner Internetseite klar dagegen, dass jegliche sexuelle Identität im Grundgesetz gleichgestellt sein soll. Als Begründung heißt es etwa, Jugendlichen werde damit das wichtige Leitbild einer monogamen Ehe zwischen Mann und Frau genommen. Und es wird die Frage aufgeworfen, was das für Religionsgemeinschaften bedeuten solle, "die aus ethisch-moralischen Gründen bspw. homosexuelle oder bisexuelle Lebensformen ablehnen?"

Informieren statt Verbieten

Die politische Debatte um das Thema wird bereits seit Längerem geführt. 2017 stellten etwa die Grünen eine Anfrage an die Bundesregierung zu dem Thema, im vergangenen Jahr auch die Linksfraktion. In ihrer Antwort betonte die Bundesregierung zwar, dass sie sich für die Gleichheit jeder sexuellen Identität einsetze, im Einklang mit dem Weltärztebund und der Bundesärztekammer. Ein Verbot kam bislang jedoch nicht zur Sprache.

Stattdessen setzt die Regierung, wie sie in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Linksfraktion vom Juli 2018 ausführt, bisher auf Information und die Zusammenarbeit und Förderung von Organisationen, die Aufklärung und Beratung vor allem von Jugendlichen anbieten:

"Die Bundesregierung setzt beim Schutz junger Menschen vor unangemessenen und gegebenenfalls für sie schädlichen Therapie- und Beratungsangeboten insbesondere auf die frühzeitige sachgerechte Aufklärung und Information. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unterstützt dies im Auftrag der Bundesregierung durch die Bereitstellung verschiedenster Informationen, die junge Menschen in ihrem Selbstwertgefühl und in der Entwicklung ihrer sexuellen Identität stärken."

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 15. Februar 2019 um 19:30 Uhr.

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