Szene aus der Fernsehserie ''Holocaust'' | Bildquelle: picture alliance/dpa

40 Jahre TV-Serie "Holocaust" Bilder, die im Kopf bleiben

Stand: 22.01.2019 11:59 Uhr

Vor 40 Jahren wurde erstmals der amerikanische Vierteiler "Holocaust" im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Die Serie führte zu gemischten Gefühlen bei den deutschen Zuschauern.

Von Silke Lahmann-Lammert, NDR

Nie zuvor in der Fernsehgeschichte der Bundesrepublik hat eine Serie so heftige Reaktionen ausgelöst. Im Januar 1979 riefen Tausende aufgewühlter Zuschauer in den Sendern an: Einige weinten, andere schimpften, wieder andere wollten sich rechtfertigen für das, was sie zwischen 1933 und 1945 getan oder gelassen hatten. Ausgelöst hat den Aufruhr der Gefühle die Ausstrahlung des amerikanischen Vierteilers "Holocaust".

Die Serie erzählt die fiktive Geschichte der Berliner Familie Weiss. Vater Josef ist Arzt und erlebt am eigenen Leib, wie die Schikanen der Nationalsozialisten den Juden immer mehr die Luft abschnüren.

Parallel dazu schildert die Serie die Karriere von Erik Dorf, der vom arbeitslosen Juristen zum hocheffizienten Organisator der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie aufsteigt. Josef Weiss und seine Familie werden nach Polen deportiert und sterben schließlich in den Gaskammern von Auschwitz.

Plötzlich Teil der deutschen Geschichte

Fernsehzuschauer, die 1979 die Serie sahen, sind die Filmbilder bis heute im Kopf geblieben: "Ich habe in der Schule viel erfahren davon, aber trotzdem das zu sehen, war noch noch mal viel näher." Ein anderer Mann erzählt, dass es für ihn eine Überraschung gewesen sei, denn seine Eltern hatten ihm nie etwas davon erzählt: "Plötzlich stand es im Raum, mit der Frage, die die Kinder ihren Eltern gestellt hatten: Was habt ihr eigentlich in der Zeit gemacht? Plötzlich war diese Frage für mich auch in der Familie präsent. Plötzlich war das ein Teil meiner Geschichte, dass in Deutschland massenhaft Juden vernichtet wurden."

Szene aus der Fernsehserie ''Holocaust'' | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Die Serie "Holocaust" erzählt die fiktive Geschichte der Familie Weiss.

Interessant ist, dass es vor 1979 keinen Mangel an Ausstellungen, Unterrichtsmaterialien und Fernsehdokumentationen über die Verbrechen der Nationalsozialisten gab. Diejenigen, die sich jahrelang vergeblich bemüht hatten, eine öffentliche Diskussion über die Schuld der Täter und die Verantwortung der Mitläufer in Gang zu bringen, reagierten mit harscher Kritik auf die Serie: Zu viel Kitsch, zu viel Gefühl. Der Film bringe die Leute zum Weinen, nicht zum Nachdenken.

Filmemacher hielten sich an Fakten

Wer "Holocaust" heute noch einmal sieht, kann sich über solche Vorbehalte nur wundern. Trotz sentimentaler Details halten die Filmemacher sich an die Fakten und versuchen die historischen Ereignisse so genau wie möglich abzubilden.

Fernsehserie "Holocaust" konfrontierte die Deutschen mit ihrer Vergangenheit
Silke Lahmann-Lammert, NDR
22.01.2019 09:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Januar 2019 um 09:05 Uhr.

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