Bundestagspräsident Schäuble, der Historiker Friedländer und Bundespräsident Steinmeier | Bildquelle: REUTERS

Holocaust-Gedenken Für "die wahre Demokratie" kämpfen

Stand: 31.01.2019 11:34 Uhr

Zum Jahrestag der Auschwitz-Befreiung hat der Holocaust-Überlebende Friedländer vor Nationalismus gewarnt. Er hoffe, dass Deutschland die moralische Standfestigkeit besitze, gegen die Gefährdung der Demokratie zu kämpfen.

Der Holocaust-Überlebende und Historiker Saul Friedländer hat die Deutschen aufgerufen, sich weltweit gegen Hass auf Minderheiten und gegen Nationalismus zu wehren.

"Antisemitismus ist nur eine der Geißeln, von denen jetzt eine Nation nach der anderen schleichend befallen wird", sagte der 86-Jährige während der Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Holocausts. "Der Fremdenhass, die Verlockung autoritärer Herrschaftspraktiken und insbesondere ein sich immer weiter verschärfender Nationalismus sind überall auf der Welt in besorgniserregender Weise auf dem Vormarsch."

Deutschland habe sich dank seiner langjährigen Wandlung seit dem Krieg zum starken Bollwerk gegen diese Gefahren entwickelt, sagte Friedländer. Er hoffe, dass Deutschland die moralische Standfestigkeit besitze, für Toleranz und Inklusivität, Menschlichkeit und Freiheit - "kurzum für die wahre Demokratie" - zu kämpfen.

NS-Gedenken: Historiker Saul Friedländer mahnt gegen das Vergessen
tagesschau 12:00 Uhr, 31.01.2019, Tamara Anthony, ARD Berlin

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Gründung Israels "lebensnotwendig"

Friedländer, der 1948 nach Israel auswanderte, beklagte zunehmenden Antisemitismus aufseiten der extremen Rechten und Linken in Form einer Infragestellung des Existenzrechts Israels. "Für Juden wie mich und für Juden überall, die einen eigenen Staat brauchten und ersehnten, war dessen Erschaffung lebensnotwendig", sagte er. Das Existenzrecht des Staates zu verteidigen, sei eine grundsätzliche moralische Verpflichtung.

Der 1932 geborene Friedländer schilderte vor dem Bundestag bewegend die Geschichte seiner Familie. Er überlebte den Holocaust versteckt in einem katholischen Internat in Frankreich, während seine Eltern im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurden. Das Parlament würdigte seine Rede mit stehenden Ovationen.

Schäuble fordert bessere Erinnerungskultur

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hatte zuvor gefordert, die Verbrechen der Nazis nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Eine wesentliche Lehre der Nazi-Verbrechen sei die Achtung der Würde jedes Einzelnen, sagte er. Das Grundgesetz stelle die Würde des Menschen über alles andere, sagte Schäuble. Das beschreibe nicht nur eine Realität, es sei "die Antwort auf die Erfahrung, dass die Würde des Menschen millionenfach verletzt, geschändet wurde".

Der Parlamentspräsident sagte, er verneige sich vor dem Schicksal jedes einzelnen Opfers. Die Täter in den Konzentrationslagern hätten die Häftlinge mit Nummern gerufen. Die Namen sollten getilgt werden, sagte Schäuble: "Der einzelne Mensch zählte nichts."

Aus der deutschen Schuld erwachse die Verantwortung, "nicht vergessen zu dürfen", sagte Schäuble. Erinnerungskultur sei Aufgabe der Zivilgesellschaft und des Staates. Wer daran rütteln wolle, lege Hand an eine Grundfeste der Republik, sagte er. Der emotionale Zugriff auf den Holocaust brauche Wissen, sagte Schäuble. Er beklagte, dass bei jungen Menschen das Wissen schwinde.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble | Bildquelle: AFP
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Schäuble beklagte, dass das Wissen über die NS-Zeit schwinde.

Gegenwehr gegen Antisemitismus und Rassismus

Der Bundestagspräsident rief alle Bürger dazu auf, sich gegen Antisemitismus und Rassismus einzusetzen. Es gebe in der Gesellschaft noch immer "gefährliche Stereotype und Vorurteile, Ausgrenzung und Diskriminierung, Antisemitismus". Beides, der "alte" und der "neue zugewanderte" Antisemitismus seien inakzeptabel, "erst recht in Deutschland".

Schäuble nannte es beschämend, dass Juden heute wieder mit dem Gedanken spielten auszuwandern, "weil sie sich in unserem Land nicht sicher fühlen", weil sie angefeindet oder gar tätlich angegriffen würden, weil ihre Kinder in der Schule angepöbelt oder gemobbt würden. "Aber Scham allein reicht nicht." Neben der Härte der Gesetze brauche es vor allem im Alltag "unsere Gegenwehr gegen Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung aller Art".

Der Bundestag gedenkt traditionell zum Holocaust-Gedenktag der Millionen Opfer des Nazi-Regimes. Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee das Vernichtungslager Auschwitz. Allein dort wurden mehr als eine Million Menschen getötet.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Januar 2019 um 11:00 Uhr.

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