Anwohner und Ladeninhaber in Altenahr versuchen, ihre Häuser vom Schlamm zu befreien und unbrauchbares Mobiliar nach draußen zu bringen.  | dpa

Bilanz der Versicherer Bisher fünf Milliarden Euro für Flutopfer

Stand: 06.07.2022 13:28 Uhr

Nach der Flutkatastrophe vor einem Jahr sind noch gut ein Viertel der Versicherungsfälle offen. Nach Angaben des Gesamtverbands wurden bislang fünf Milliarden Euro ausgezahlt - mehr als drei Milliarden stehen noch aus.

Ein Jahr nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben die Versicherer nach Angaben ihres Verbandes fünf Milliarden Euro der 8,5 Milliarden Euro Gesamtschaden ausgezahlt. Auch in noch offenen Fällen hätten Versicherte vielfach große Teile des Schadens bereits ersetzt bekommen, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. Knapp drei Viertel aller Versicherungsfälle seien abgeschlossen. 

"Für die Schadenregulierung ziehen wir insgesamt eine positive Bilanz, doch jetzt hängt die Regulierung am Tempo des Wiederaufbaus", sagte Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). In den noch offenen Fällen hätten Versicherte vielfach große Teile des Schadens bereits ersetzt bekommen.

In jedem vierten Versicherungsfall dauern der Wiederaufbau und Instandsetzung noch an, wie Sabine Krummenerl vom GDV sagte. In den noch offenen Fällen stünden Instandsetzungen und damit Zahlungen von 3,5 Milliarden Euro aus. "Es fehlt häufig Material, es fehlen noch immer Handwerker", sagte Krummenerl. Die Hochwasserkatastrophe habe für besonders viele, besonders teure und besonders komplexe Schäden gesorgt,

Höchster je gemessener Schadensdurchschnitt

Im am schlimmsten von der Flut betroffenen Kreis Ahrweiler betrug der durchschnittliche Schaden pro Wohngebäude 210.000 Euro. Das sei der höchste jemals gemessene Schadensdurchschnitt bei Wohngebäuden, teilte der GDV mit. Im Kreis Euskirchen war jedes vierte Haus beschädigt. 

Insgesamt verzeichneten die Versicherer 213.000 Schadensfälle - darunter 40.000 beschädigte Autos, 54.000 Versicherungsfälle in der Hausratversicherung, 91.000 beschädigte Wohngebäude und 28.000 Firmen, die durch die starken Regenfälle Sachschäden und Betriebsunterbrechungen meldeten. In den Katastrophengebieten mussten über 2000 Einfamilienhäuser mit versicherten Schäden jenseits der 100.000 Euro wieder in Stand gesetzt werden.

Am 14. Juli 2021 hatte ein durch sintflutartige Regenfälle ausgelöstes verheerendes Hochwasser große Gebiete in beiden Ländern verwüstet, viele Gemeinden wurden zerstört. In Rheinland-Pfalz starben 135 Menschen, in Nordrhein-Westfalen gab es 48 Tote.

"Pflichtversicherung verhindert keinen Schaden"

Als Konsequenz der Flut debattiert die Politik über eine Pflichtversicherung, die die Branche allerdings skeptisch sieht. Die Versicherer fordern vielmehr größere Anstrengungen zur Schadenvermeidung - etwa durch Bauverbote in hochwassergefährdeten Gebieten.

"Eine Pflichtversicherung allein verhindert keinen Schaden", sagte Asmussen. "Wenn wir Prävention und Klimafolgenanpassung vernachlässigen, wird der Klimawandel eine Spirale aus steigenden Schäden und steigenden Prämien in Gang setzen." Manchmal reiche es etwa, "wenn Gebäude nicht ebenerdig, sondern auf einem kleinen Sockel gebaut werden", so der GDV-Hauptgeschäftsführer.

Die Versicherer hatten im Oktober 2021 ein Konzept vorgestellt. Sie schlagen neben einer Ergänzung aller Gebäudeversicherungsverträge mit der sogenannten Elementarschadenversicherung Neubauverbote in hochwassergefährdeten Lagen vor, bessere bauliche Anpassungen und weniger Versiegelung. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juni 2022 um 14:11 Uhr.