Ministerpräsident Bouffier und sein Stellvertreter Al Wazir | Bildquelle: AFP

Ergebnis der Hessen-Wahl Hauchdünne Mehrheit für Schwarz-Grün

Stand: 29.10.2018 02:04 Uhr

Schwarz-Grün kann nach der Wahl in Hessen mit der hauchdünnen Mehrheit von einem Sitz weiterregieren. Laut vorläufigem Ergebnis wurde die CDU stärkste Kraft, verlor aber ebenso wie die SPD massiv. Die Grünen erreichten ein Rekordergebnis.

Die CDU ist trotz massiver Verluste bei der Landtagswahl in Hessen erneut stärkste Kraft geworden. Ihr Spitzenkandidat Volker Bouffier wird voraussichtlich Ministerpräsident in einer Neuauflage der schwarz-grünen Koalition bleiben können. Laut dem vorläufigen amtlichen Ergebnis kam die CDU auf 27,0 Prozent. Das bedeutete einen Verlust von 11,3 Prozentpunkten gegenüber der Wahl 2013 und zugleich das schlechteste Ergebnis in Hessen seit 1966.

SPD sackt auf Rekordtief ab

Die SPD erreichte mit 19,8 Prozent - ein Minus von 10,9 Prozentpunkten. Sie lag damit nach Prozenten und Sitzen gleichauf mit den Grünen. Mit einem hauchdünnen Rückstand von landesweit 94 Zweitstimmen (570.166 gegenüber 570.260) fiel die SPD aber nach Stimmen denkbar knapp hinter die Grünen auf den dritten Platz zurück. Für die Sozialdemokraten von Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel war es das schlechteste Ergebnis in Hessen überhaupt. Er sprach von einem "schweren, bitteren Abend". Die SPD sei gegen den Bundestrend hilflos und machtlos gewesen.

Parteichefin Andrea Nahles gabe der Bundespolitik eine erhebliche Mitschuld am Abschneiden ihrer Partei in Hessen. "Der Zustand der Regierung ist nicht akzeptabel", sagte sie und forderte einen verbindlichen "Fahrplan" für die Regierungsarbeit.

Auch CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer forderte als Konsequenz des Wahlergebnis eine "neue Arbeitskultur" in der Großen Koalition. "Es muss Schluss sein mit der Debatte, ob wir zusammen regieren oder nicht".

Grüne feiern ihr bestes Ergebnis in Hessen

Die Grünen erreichten ein Rekordergebnis von 19,8 Prozent. "So grün war Hessen noch nie", sagte Parteichefin Annalena Baerbock in der ARD.

Der hessische Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir erklärte, das Wahlergebnis sei ein Auftrag an seine Partei, die Energie-, Agrar- und Verkehrswende fortzusetzen und die offene Gesellschaft zu verteidigen. Für die mögliche Fortsetzung der bisherigen Koalition hat Schwarz-Grün nach dem vorläufigen Ergebnis im neuen Landtag eine hauchdünne Mehrheit von einem Sitz.

AfD jetzt in allen Landesparlamenten vertreten

Erstmals in den hessischen Landtag zog die AfD ein. Sie erzielte die stärksten Zugewinne aller Parteien und kam auf 13,1 Prozent. Damit ist sie in allen 16 Landesparlamenten sowie im Bundestag und im Europaparlament vertreten. Parteichef Jörg Meuthen zeigte sich "sehr zufrieden" und erklärte, das Ziel eines deutlich zweistelligen Ergebnisses sei erreicht worden.

Die FDP verbesserte ihr Ergebnis von 2013 spürbar und erreichte 7,5 Prozent der Stimmen. Parteichef Christian Lindner bezeichnete das Ergebnis als "Misstrauensvotum" für die Große Koalition. Zugleich stellte er klar, dass seine Partei immer zur Verfügung stehe, wenn es um eine Regierungsbeteiligung gehe. "Die einzige Voraussetzung ist: Es muss ein partnerschaftliches Miteinander sein."

Auch Die Linke zog erneut in den Hessischen Landtag ein und verbesserte ihr Ergebnis leicht auf 6,3 Prozent. Spitzenkandidatin Janine Wissler sagte in der ARD, für ihre Partei sei es ein großartiges Ergebnis - insbesondere für ein westdeutsches Flächenland. Dass das Ergebnis nicht besser ausgefallen sei, habe möglicherweise an der starken Polarisierung in den letzten Tagen gelegen

Über die Ergebnisse und Folgen der Wahl in Hessen werden die Parteigremien im Laufe des Tages beraten. Die erste Sitzung des neu gewählten Landtags findet erst am 18, Januar 2019 statt.

Über dieses Thema berichtete tagesthemen extra am 28. Oktober 2018 um 21:45 Uhr.

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