Hubertus Heil im Morgenmagazin

Arbeitsminister Heil "Langfristige Perspektiven für Flüchtlinge"

Stand: 30.03.2022 09:05 Uhr

Die Bundesregierung will ukrainische Flüchtlinge langfristig in den Arbeitsmarkt integrieren. Dafür will sie vor allem die Anerkennung von Berufsabschlüssen beschleunigen, erklärte Arbeitsminister Heil in der ARD.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hält längerfristige Perspektiven für Ukrainer auf dem deutschen Arbeitsmarkt für unabdingbar. "Das ist eine Frage der Humanität, aber das ist auch eine Frage der Vernunft", sagte Heil im ARD-Morgenmagazin. Die Zerstörungen und die Länge des Krieges seien nicht vollständig absehbar. Daher würden viele Menschen längere Zeit in Deutschland bleiben.

Schnellere Anerkennung von Abschlüssen

Heil trifft sich heute mit Arbeitgebern und Gewerkschaften, um über praktische Fragen der Arbeitsmarktintegration ukrainischer Flüchtlinge zu beraten. Dabei geht es auch um die Anerkennung von Qualifikationen und Abschlüssen: "Es kommen sehr, sehr viele Menschen zu uns, die auch eine gute Ausbildung haben. Die Ausbildungssysteme sind nicht eins zu eins vergleichbar - da müssen wir schneller werden", sagte Heil. Ziel sei es, dass die Menschen nicht in Hilfstätigkeiten gedrängt werden.

Der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, Ulrich Lilie, sagte: "In der Ukraine erworbene Kompetenzen müssen zügiger geprüft und anerkannt werden." Für gute Chancen auf eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt müssten aber vor allem die grundlegenden Bedürfnisse wie Wohnen sichergestellt sein: "Kinder müssen gut versorgt sein in Kita und Schule."

Genügend Sprachkurse

Ein weiteres wichtiges Thema sei der Spracherwerb. Dazu erklärte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, es gebe ausreichend Möglichkeiten, an entsprechenden Kursen teilzunehmen. "Derzeit sind knapp 1500 Kursträger bundesweit zugelassen sowie mehr als 50.000 Lehrkräfte, von denen zuletzt mehr als 12.000 aktiv waren", sagte ein Sprecher dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". Da die finanzielle Förderung durch das Bundesamt von der Zahl der jeweiligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer abhänge, könnten die Träger jederzeit mehr Teilnehmer aufnehmen und mehr Kurse anbieten.

Hunderttausende Flüchtlinge

Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine sind nach Angaben der Bundespolizei rund 280.000 Menschen aus der Ukraine nach Deutschland geflohen. Die tatsächliche Zahl könnte aber höher liegen, da die Vertriebenen derzeit nicht lückenlos registriert werden. Ukrainer und Ukrainerinnen mit biometrischem Pass dürfen zudem ohne Visum einreisen und sich für 90 Tage frei innerhalb der EU bewegen. Sie müssen sich erst registrieren, wenn diese Zeit abgelaufen ist oder wenn sie staatliche Leistungen beantragen.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 30. März 2022 um 07:10 Uhr.