Ein Arzt impft in einer Hausarztpraxis eine Patientin gegen das Coronavirus. | dpa

Kreuzimpfung gegen Corona Hausärzte klagen über Mehraufwand

Stand: 03.07.2021 08:54 Uhr

Zwei verschiedene Impfstoffe gegen das Coronavirus - das ist laut Gesundheitsminister Spahn "besonders wirksam". Umsetzen müssen diese neue STIKO-Empfehlung vor allem Hausärzte. Die klagen über die neue Belastung.

Die von der STIKO empfohlenen Kreuzimpfungen stellen Hausärzte vor enorme Herausforderungen: "Patientinnen und Patienten sind verunsichert, erfragen, welchen Impfstoff sie nun bei der Zweitimpfung erhalten werden und wollen auch ihren Termin entsprechend vorziehen", sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die Anpassung der Empfehlung habe bereits am ersten Tag in vielen Praxen für einen "enormen Mehraufwand" gesorgt.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) fürchtet einen neuen Run auf Praxen, wie KBV-Chef Andreas Gassen sagte. "In den nächsten Wochen stehen in den Praxen über drei Millionen AstraZenca-Zweitimpfungen an." Alle Betroffenen schnell mit mRNA-Impfstoffen zu versorgen, könnten "nicht die Praxen ausbaden", mahnte KBV-Vizechef Stephan Hofmeister.

Höherer Beratungsaufwand

Der Hausärzteverband bemängelt, dass die neue STIKO-Empfehlung die Ärzte überrascht habe: Natürlich sei es Aufgabe der Wissenschaft, Empfehlungen dem aktuellen Erkenntnisstand anzupassen, sagte Weigeldt. "Das spricht aber nicht gegen eine klare Kommunikation und die frühzeitige Einbindung derer, die letztlich die Empfehlungen umsetzen. Wenn wir ins Schlingern kommen, dann auch die gesamte Impfkampagne." Ärzte und Praxisteams stünden von einem Tag auf den anderen vor enormen logistischen Herausforderungen. Schließlich seien die mRNA-Impfstoffe "nur begrenzt verfügbar", sagte Weigeldt. Auch der Beratungsaufwand sei deutlich höher.

Die Impfkommission hatte am Donnerstag überraschend mitgeteilt, dass Menschen, die eine erste Dosis des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca erhalten haben, künftig unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff wie den von BioNTech/Pfizer oder Moderna erhalten sollen.

Unsicherheit über Abstand der Impfungen

Die Mitteilung der STIKO wirft laut Weigeldt zudem viele Fragen auf, etwa was die Empfehlung für bereits zweimal mit AstraZeneca geimpfte Patientinnen und Patienten bedeute und was bei der Kreuzimpfung mit zwei verschiedenen Vakzinen der maximale Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung sei. Den Mindestabstand hatte die STIKO in ihrer jüngsten Empfehlung auf vier Wochen verkürzt.

Für die Patientinnen und Patienten mache es natürlich - gerade mit Blick auf die anstehenden Sommerferien - einen großen Unterschied, "ob sie neun bis zwölf Wochen auf ihre Zweitimpfung warten oder nur vier".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nannte die Kreuzimpfung "besonders wirksam". Sie biete einen "sehr, sehr hohen Impfschutz". Es sei auch ausreichend Impfstoff vorhanden, um die Empfehlung umzusetzen, so Spahn. Die Kreuzimpfung sei prinzipiell ab sofort möglich - je nach Verfügbarkeit von Impfstoffen und logistischen Voraussetzungen. Die Bundesländer hatten am Freitag zugesagt, die am Vortag veröffentlichte neue STIKO-Empfehlung sofort umzusetzen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Juli 2021 um 20:00 Uhr und am 03. Juli 2021 um 09:50 Uhr.