SEK-Beamte sind in der Nähe eines Tatorts im Einsatz.  | dpa

Schüsse in Hessen Mutmaßlicher Täter von Hanau ist tot

Stand: 20.02.2020 08:55 Uhr

Nach einer Großfahndung in der Nacht hat die Polizei die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen von Hanau in seiner Wohnung entdeckt. Zuvor soll er mehrere Menschen in und vor zwei Shisha-Bars erschossen haben.

Nach tödlichen Schüssen auf neun Menschen in Hanau ist der mutmaßliche Täter tot aufgefunden worden. Er soll gestern Abend an zwei Orten in Hanau neun Menschen getötet haben.

Nach Zeugenaussagen zu einem Fluchtfahrzeug seien Spezialkräfte der Polizei in ein Reihenhaus im Stadtteil Kesselstadt eingedrungen, sagte ein Behördensprecher. Dort seien die Leiche des mutmaßlichen Täters und eine weitere tote Person gefunden worden. Nach Angaben der Polizei gibt es keine Hinweise auf weitere Täter.

Bekennerschreiben gefunden?

Zuvor war die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz. Zu den Hintergründen gebe es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Ein Sprecher sagte, es könne sich um "eine Beziehungstat oder eine wahllos begangene Tat" handeln.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass ein Bekennerschreiben und ein Video gefunden worden. Zuerst hatte "Bild" dies berichtet.

Schüsse in und vor zwei Shisha-Bars

Am Mittwochabend um etwa 22.00 Uhr waren in und vor zwei Hanauer Shisha-Bars Schüsse gefallen. In der Innenstadt, im Bereich des Heumarkts, wurden der Polizei zufolge drei Menschen getötet und mindestens eine Person schwer verletzt. Von dort sei ein dunkler Wagen davongefahren.

Ein weiterer Tatort liegt nach Polizeiangaben am Kurt-Schumacher-Platz. Er befindet sich etwa zweieinhalb Kilometer vom Heumarkt entfernt im Stadtteil Kesselstadt - also dort, wo die Leiche des mutmaßlichen Täters gefunden wurde. Laut Polizei wurden dort fünf Menschen getötet.

Ein verformtes Projektil liegt in der Nähe des Tatorts am Heumarkt in Hanau. | dpa

Ein verformtes Projektil liegt in der Nähe des Tatorts am Heumarkt. Bild: dpa

Gerüchte über dritten Tatort

Die Polizei sperrte die Gegend um die beiden Tatorte weiträumig ab. Beamte mit Maschinenpistolen sicherten die Umgebung. Bilder aus Hanau zeigten in der Nacht mehrere abgesperrte Bereiche, die von bewaffneten Beamten bewacht wurden. Ein Polizeihubschrauber kreiste über der Stadt. Die Polizei forderte neugierige Passanten auf, den Bereich zu verlassen und sich in ihre Wohnungen und die Lokalitäten vor Ort zu begeben.

Schüsse im Stadtteil Lamboy bestätigten sich nicht. Die Polizei war zwar auch dort mit einem Großaufgebot vor Ort. Laut eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wurde dort aber niemand getötet. Hanau liegt im Main-Kinzig-Kreis etwa 20 Kilometer östlich von Frankfurt/Main und hat etwa 100.000 Einwohner.

"Ein furchtbarer Abend"

Die Bundesregierung reagierte bestürzt auf das Gewaltverbrechen. "Die Gedanken sind heute morgen bei den Menschen in Hanau, in deren Mitte ein entsetzliches Verbrechen begangen wurde", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. "Tiefe Anteilnahme gilt den betroffenen Familien, die um ihre Toten trauern", fügte er hinzu. Seibert äußerte die Hoffnung, dass die Verletzten bald wieder gesund werden.

Auch Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky zeigte sich erschüttert. "Das war ein furchtbarer Abend, der wird uns sicherlich noch lange, lange beschäftigen und in trauriger Erinnerung bleiben", sagte er bei einer Sondersendung von "Bild live". Den Verletzten wünschte er alles Gute.

Eine Schule sowie zwei Kinderbetreuungseinrichtungen bleiben geschlossen, wie der Bürgermeister mitteilte. Grund seien gesperrte Zufahrten wegen der noch laufenden Ermittlungen.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 20. Februar 2020 um 06:10 Uhr.