Menschen auf dem Marktplatz bei einer Schweigeminute in Halle anlässlich des Jahrestags des Anschlags auf die Synagoge  | REUTERS

Gedenken an Anschlag Halle hält inne

Stand: 09.10.2020 13:46 Uhr

Glockenläuten, Schweigeminute, Gebete - zum Jahrestag des Anschlags von Halle finden in Halle mehrere Gedenkveranstaltungen statt. Auch ein Jahr danach stehen die Menschen noch unter Schock.

In Halle haben die Gedenkveranstaltungen zum ersten Jahrestag des Anschlags auf die jüdische Gemeinde begonnen. Eine Minute nach zwölf - dem Zeitpunkt des ersten Schusses auf die Tür der Synagoge - läuteten für zwei Minuten alle Kirchenglocken der Stadt. Das öffentliche Leben stand kurz still. Hunderte Menschen versammelten sich auf dem Marktplatz, unter ihnen auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein. Einige Teilnehmer hatten Transparente mit Aufschriften wie "Nein zu Rassismus und Antisemitismus" dabei. Viele hielten sich an den Händen oder hatten Tränen in den Augen.

"Die Wunde ist noch nicht verheilt"

Der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Krämer sagte im Anschluss bei einem Mittagsgebet in der Marktkirche: "Die Wunde ist noch spürbar und nicht verheilt, auch wenn wir rasch wieder zum Tagesgeschäft übergegangen sind." Er entzündete zwei Kerzen für die beiden Todesopfer des Anschlags.

Am Nachmittag wollen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand sowie der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Max Privorozki, an der Synagoge ein Mahnmal einweihen. Darin ist auch die massive Holztür eingearbeitet, durch die der Täter damals eindringen wollte, aber scheiterte.

Tür der Synagoge in Halle | dpa

Die Synagogentür hielt den Schüssen des Attentäters stand. Bild: dpa

Auch an dem Döner-Imbiss, in dem der Täter einen jungen Mann erschoss, soll eine Gedenktafel enthüllt werden. Die zentrale Gedenkveranstaltung ist für 17 Uhr in der zur Konzerthalle umgewidmeten Ulrichskirche geplant. Dort will Steinmeier eine Rede halten. Wegen der während der Corona-Pandemie geltenden Abstandsregeln wird die Veranstaltung an rund einem Dutzend Orten in Halle übertragen.

Täter zeigt keine Reue

Am 9. Oktober 2019 hatte Stephan B. schwer bewaffnet versucht, in die Synagoge einzudringen, um ein Blutbad anzurichten. Als ihm dies nicht gelang, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin und danach einen 20 Jahre alten Mann in einem Döner-Imbiss. Auf seiner Flucht mit einem Auto verletzte der Attentäter in einem Ort bei Halle mehrere Menschen, ehe er von der Polizei gestellt wurde.

Seit Juli läuft vor dem Oberlandesgericht Naumburg der Prozess gegen den 28-Jährigen. Er hat die Taten eingeräumt, Reue zeigte er bisher nicht. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, "aus einer antisemitischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Gesinnung heraus einen Mordanschlag auf Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens" geplant zu haben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Oktober 2020 um 14:00 Uhr.