Stephan B. | Bildquelle: RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

Anschlag in Halle Stephan B. in Untersuchungshaft

Stand: 11.10.2019 08:01 Uhr

Nach dem Anschlag von Halle sitzt Stephan B. in Untersuchungshaft. Für die Ermittler ist klar: Er plante ein Massaker mit weltweiter Wirkung. In der Politik mehren sich die Forderungen nach besserem Schutz für jüdische Einrichtungen.

Nach dem Terrorangriff auf eine Synagoge in Halle sitzt der mutmaßliche Todesschütze in Untersuchungshaft. Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof erließ am Donnerstagabend Haftbefehl gegen den 27-jährigen Deutschen Stephan B. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm zweifachen Mord und versuchten Mord in mehreren Fällen vor.

Gab es Mitwisser?

Nach Einschätzung der Ermittler wollte der mutmaßliche Attentäter ein Massaker anrichten und Nachahmer zu ähnlichen rechtsextremistischen und antisemitischen Taten anstiften. Im Fokus der Ermittlungen steht nun, "ob Personen in die Vorbereitung oder Durchführung des Anschlags eingebunden waren oder im Vorfeld Kenntnis hiervon hatten", wie die Bundesanwaltschaft am Donnerstagabend erklärte.

Bisher fehlten "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte" dafür, dass der Beschuldigte an eine rechtsterroristische Vereinigung angebunden gewesen sei oder ein sonstiger Zusammenhang mit einer solchen Vereinigung bestehe. Die Ermittlungsbehörden sprechen bislang von einem Einzeltäter. Inzwischen übernahm das Bundeskriminalamt die Ermittlungen.

Stephan B. war am Mittwoch festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, vor der Synagoge eine 40-Jährige aus Halle und in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss ein 20 Jahre alter Mann aus Merseburg erschossen zu haben. Zuvor hatte der mutmaßliche Täter vergeblich versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen. 51 Menschen hielten sich zu dem Zeitpunkt in dem Gotteshaus auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur.

Auf der Flucht verletzte der Täter zudem eine 40 Jahre alte Frau und deren 41 Jahre alten Mann mit Schüssen. Das Paar wird im Krankenhaus behandelt.

Wie die Anleitung zu einem Computerspiel

Ein Bekennervideo in sozialen Netzwerken zeigt den Ablauf der Tat aus der Perspektive des Attentäters - von der vergeblichen Erstürmung der Synagoge über die tödlichen Schüsse bis zur Flucht. Das Video diente den Ermittlern auch zur Rekonstruktion des Ablaufs der Tat. Zudem legte der Täter in einem elf Seiten langen "Manifest" seine Gedanken dar. Der Text liest sich stellenweise wie die Anleitung zu einem Computerspiel, in dem Dokument wimmelt es vor antisemitischen Begriffen. Der mutmaßliche Attentäter war nach Angaben der Sicherheitsbehörden zuvor nicht durch andere kriminelle Handlungen aufgefallen.


Bei dem Angriff führte der Täter nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank vier Schusswaffen mit sich. Es sei zumindest eine vollautomatische Schusswaffe dabei gewesen, zudem habe er auf der Fahrt zur Synagoge mehrere Sprengsätze im Auto gehabt. In Speziallaboren werde nun untersucht, um was für Chemikalien es sich handele, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Geklärt werden soll auch, ob der Sprengstoff selbst zusammengerührt wurde und woher etwaige Kenntnisse dafür stammen. Unklar ist bislang auch, woher die Einzelteile stammen, aus denen der mutmaßliche Täter die Waffen zusammenbaute. Laut Medienberichten soll er bei seiner Tat auch Waffen bei sich getragen haben, die teilweise mit 3D-Druckern hergestellt worden waren. Dafür gab es bislang keine Bestätigung.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht im Interview
tagesthemen 22:15 Uhr, 10.10.2019

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Mehr Schutz für jüdische Einrichtungen gefordert

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Oktober 2019 um 09:00 Uhr.

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