Polizisten führen den Attentäter von Halle ab | Bildquelle: AFP

Anschlag in Halle Haftbefehl gegen Stephan B.

Stand: 10.10.2019 21:29 Uhr

Kampfmontur, vier Schusswaffen, mehrere Kilo Sprengstoff: Stephan B. hatte den Anschlag in Halle akribisch vorbereitet. Nun hat der Ermittlungsrichter Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof hat Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter von Halle, Stephan B., erlassen. Das bestätigte die Bundesanwaltschaft. Es sei U-Haft angeordnet worden.

Waffen aus dem 3D-Drucker?

B. hat nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank bei der Tat vier Schusswaffen mit sich geführt. Es sei mindestens eine vollautomatische Schusswaffe dabei gewesen, zudem habe er mehrere Sprengsätze im Auto gehabt, als er zu der Synagoge in Halle gefahren sei, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Laut einem ZDF-Bericht wurden die Waffen teilweise mit 3D-Druckern hergestellt. Das Magazin "Frontal 21" berichtete, Stephan B. habe die aus Kunststoff bestehenden Teile hergestellt und 3D-Anleitungen unter anderem für Magazine und andere Waffenteile ins Internet gestellt. Nach ARD-Informationen bestellte er die Bausätze im Darknet.

Generalbundesanwalt Frank beantragte Haftbefehl gegen Stephan B. wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes in mehreren Fällen. B. war am Mittwoch festgenommen worden und wurde gestern nach Karlsruhe gebracht. Trotz seiner Verletzung, die er wahrscheinlich beim Schusswechsel mit der Polizei vor dem Döner-Imbiss erlitt, soll er vernehmungsfähig sein.

"Was wir gestern erlebt haben, war Terror"

"Der Beschuldigte wollte sich zu dem Gotteshaus Zutritt verschaffen und möglichst viele Personen jüdischen Glaubens töten", teilte der Generalbundesanwalt mit. Zum Zeitpunkt der Attacke hätten sich in der Synagoge 51 Gläubige zur Feier des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur aufgehalten.

Nachdem es ihm nicht gelungen war, die Tür der Synagoge aufzuschießen, erschoss er eine "zufällig vorbeikommende Passantin" mit der vollautomatischen Schusswaffe. Weiter heißt es in der Mitteilung, der Täter habe aus Frust über sein Scheitern an der Tür der Synagoge den Entschluss gefasst, "Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund zu töten". Daraufhin sei er zu dem Döner-Imbiss gefahren und habe einen Mann erschossen.

Nach Angaben des Generalbundesanwalts wollte der Täter mit seinem Video und einem Manifest weltweite Wirkung erzielen. Ein Vorbild des Mannes sei der Attentäter von Christchurch gewesen. "Was wir gestern erlebt haben, war Terror", sagte Frank.

Noch sei unklar, wie sich der Tatverdächtige radikalisierte und warum er sich zu der Tat entschloss. Auch werde ermittelt, ob er Unterstützung bei der Beschaffung von Waffen und Sprengstoff bekam. Seine Wohnung war bereits durchsucht und Beweismittel sichergestellt worden.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht im Interview
tagesthemen 22:15 Uhr, 10.10.2019

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Bundesjustizministerin Christine Lambrecht räumte Versäumnisse der Sicherheitsbehörden im Kampf gegen Rechtsextremismus eingeräumt. Im tagesthemen-Interview sagte sie: "Ich bin der Meinung, dass wir vieles in diesem Land nicht in dieser Dramatik, in dieser Bedeutung, wahrgenommen haben und dass es umso wichtiger ist, jetzt tatkräftig, entschlossen und konsequent als Rechtsstaat zu handeln". Politik, Justiz und Sicherheitsbehörden müssten sich jetzt dazu verpflichten, "dass wir jüdische Bürgerinnen und Bürger in diesem Land besser schützen", sagte Lambrecht.

Mit Blick auf den von einigen Politikern erhobenen Vorwurf der indirekten Mitverantwortung der AfD, sagte Lambrecht: "Ich glaube, es bringt wenig, jetzt in Richtung einzelner Parteien zu schauen, sondern es ist ein Nährboden, der sich hier ausbreitet. Es gebe eine "widerliche Entwicklung (...) zu diffamieren, zu drohen, zu mobben". Dieser Stimmung müsse deutlicher entgegen getreten werden.

Mitschuld der AfD?

Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte zuvor einigen AfD-Politikern im Zusammenhang mit dem Anschlag geistige Brandstiftung vorgeworfen.

Auch Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht kritisierte mit Blick auf die AfD die politischen Auseinandersetzungen im Parlament. Diese gleiche zum Teil im Duktus dem NS-Sprachgebrauch.

Gedenken in Halle

Mindestens 900 Menschen gedachten vor der Pauluskirche in Halle der Opfer. "Wir sind hier, weil wir erschrocken sind über das, was in unserer Nachbarschaft passiert ist", sagte Pfarrer Christoph Eichert zu Beginn der Veranstaltung. Weil nicht alle Besucher einen Sitzplatz gefunden hatten, standen zahlreiche Menschen dicht gedrängt in den Gängen.

Viele Besucher zündeten Kerzen an. Im Anschluss zogen die Menschen in einem Gedenkmarsch - teils mit Kerzen in den Händen - zu der Synagoge, in die der mutmaßliche Täter eindringen wollte. Auch an dem Döner-Imbiss, in der ein Mensch erschossen worden war, soll der Marsch vorbeiführen.

Anschlag in Halle: Trauer und Ermittlungen
tagesthemen 22:15 Uhr, 10.10.2019, Markus Spieker, MDR

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Oktober 2019 um 20:00 Uhr.

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