Polizeifahrzeuge stehen vor der Synagoge in Hagen. | dpa

Hagen Festnahmen nach Einsatz vor Synagoge

Stand: 16.09.2021 12:28 Uhr

Nach dem Polizeieinsatz an der Synagoge in Hagen hat es vier Festnahmen gegeben. NRW-Innenminister Reul sprach von einer ernsten extremistischen Bedrohung. In die Ermittlungen ist auch der Generalbundesanwalt eingeschaltet.

Im Zusammenhang mit einem Großeinsatz der Polizei an einer Synagoge in Hagen hat es insgesamt vier Festnahmen gegeben. Das teilte die Polizei Dortmund mit. Die Beamten durchsuchten in Hagen nach eigenen Angaben mehrere Objekte. In Sicherheitskreisen hieß es, es werde im Zusammenhang mit der Gefährdungslage an der Synagoge auch ein islamistischer Hintergrund untersucht.

Zuvor hatten zahlreiche schwer bewaffnete Polizisten am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur nach "Hinweisen über eine mögliche Gefährdungslage im Zusammenhang mit einer jüdischen Einrichtung" die Synagoge umstellt und gesichert. Eine Hundertschaft war am Mittwochabend im Einsatz, der Bereich um die Synagoge war weiträumig abgesperrt. Laut Polizeiangaben wurden die Maßnahmen in der Nacht abgeschlossen.

Keine Hinweise auf weitere Gefährdungen

Die Polizei befinde sich weiterhin im stetigen Kontakt mit der betroffenen jüdischen Gemeinde. Zusätzlich finde eine enge Abstimmung mit den weiteren jüdischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen statt. Derzeit lägen keine Hinweise auf eine Gefährdung weiterer Einrichtungen vor.

Der "Spiegel" berichtete zuvor, ein 16-Jähriger solle eine Sprengstoffattacke vorbereitet haben. Die Sicherheitsbehörden hätten einen Hinweis eines ausländischen Geheimdienstes erhalten. Der Partnerdienst habe vor einem mutmaßlichen Islamisten in Deutschland gewarnt, der sich im Internet verdächtig verhalten habe. Die Ermittlungen hätten zu dem 16-Jährigen geführt, der in Hagen in einer Wohnung mit seinem Vater lebe.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins durchsuchte die Polizei am Vormittag die Wohnung. Demnach ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf gegen den Jugendlichen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Reul bestätigt Anschlagsgefahr auf Synagoge

NRW-Innenminister Herbert Reul bestätigte, dass ein Jugendlicher festgenommen wurde. In Hagen habe es eine ernste extremistische Bedrohung gegeben, so der CDU-Politiker. "Es bestand die Gefahr eines Anschlags auf die Synagoge in Hagen", sagte Reul bei der Vereidigungsfeier junger Polizisten in Köln. "Ihre Kolleginnen und Kollegen haben das vermutlich verhindert."

Lambrecht: Bedrohung von Synagoge "unerträglich"

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sprach im Zusammenhang mit den Ermittlungen von einer "sehr ernsten Bedrohungslage". Der Vorfall wecke entsetzliche Erinnerungen an den Anschlag von Halle vor zwei Jahren, sagte die SPD-Politikerin laut einer Mitteilung ihres Ministeriums.

"Es ist unerträglich, dass Jüdinnen und Juden erneut einer so schrecklichen Bedrohungslage ausgesetzt sind und den Beginn ihres höchsten Festes Jom Kippur nicht friedlich gemeinsam feiern konnten." Der Kampf gegen Antisemitismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen habe allerhöchste Bedeutung. Es sei die Pflicht des Staates, alles zum Schutz von Jüdinnen und Juden zu tun.

Am 9. Oktober 2019, ebenfalls an Jom Kippur, hatte ein Attentäter versucht, schwer bewaffnet in die Synagoge in Halle einzudringen und dort ein Massaker unter den versammelten 51 Menschen anzurichten. Als die Tür standhielt, erschoss er in der Nähe zwei Menschen und verletzte auf der Flucht zwei weitere.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. September 2021 um 14:00 Uhr.