Textilsiegel "Grüner Knopf" | dpa

"Grüner Knopf" vorgestellt Neues Siegel soll Kleidung fairer machen

Stand: 09.09.2019 13:23 Uhr

Es wird am Kleidungsstück angebracht, eingenäht oder angehängt: Entwicklungsminister Müller setzt auf den "Grünen Knopf" - ein neues Siegel für nachhaltige Kleidung. Doch von mehreren Seiten gibt es Kritik.

Verbraucher können ab sofort sozial- und umweltverträglich produzierte Kleidung am staatlichen Gütesiegel "Grüner Knopf" erkennen. "Es geht um Menschlichkeit in einer globalen Welt", sagte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei der Vorstellung in Berlin. Denn im Textilbereich gebe es eine der vielen Lieferketten, die in Entwicklungsländern anfingen und in deutschen Kaufhäusern endeten. Die Menschen arbeiteten dabei zum Teil wie Sklaven auf Plantagen und in Fabriken.

Müller verwies auf den Einsturz des Fabrikhochhauses Rana Plaza im April 2013 in Bangladesch, bei dem mehr als 1100 Beschäftigte von Textilfirmen getötet wurden. Der Wille, diese Bedingungen zu ändern, habe ihn angetrieben, den "Grünen Knopf" voranzubringen.

27 Unternehmen können "Grünen Knopf" ab sofort benutzen

70 Unternehmen haben laut Müller bislang ihr Interesse an dem Siegel bekundet. 27 von ihnen können ab sofort Produkte verkaufen, die damit ausgezeichnet sind. Dazu gehören die Discounter Aldi und Lidl, die Firmen Hess Natur und Vaude sowie Rewe und Tchibo. Im Prüfprozess seien unter anderem Hugo Boss und die Otto-Group.

Wer den "Grünen Knopf" für sein Textilprodukt haben will, muss 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhalten. Die ökologischen Standards umfassen etwa das Verbot von Weichmachern und anderen Chemikalien sowie Grenzwerte für Abwässer, die bei der Produktion anfallen. Die Herstellerfirmen müssen nachweisen, dass sie menschenrechtliche, soziale und ökologische Verantwortung übernehmen.

Minister Gerd Müller bei der Präsentation des "Grünen Knopfes" | dpa

Minister Müller bei der Vorstellung des "Grünen Knopfes": "Es geht um Menschlichkeit in einer globalen Welt." Bild: dpa

Müller forderte, dass der "Grüne Knopf" auch bei der öffentlichen Beschaffung zum Maßstab werden müsse, indem die Bundeswehr, die Polizei und Krankenhäuser künftig Textilien verwenden, die staatlich ausgezeichnet sind. Noch sei man aber weit davon entfernt, räumte er ein.

Der Starttermin für das Siegel hatte sich immer wieder verzögert. Das Ministerium begründete das damit, dass immer mehr Unternehmen Interesse bekundet hatten. Bei denen muss zunächst noch überprüft werden, ob sie die Kriterien erfüllen. Die Einführungsphase ist daher bis Ende Juni 2021 vorgesehen.

"Initiative ist gut, die Umsetzung aber nicht"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, lobte das Siegel in Berlin als "sehr konkreten Schritt in die richtige Richtung".

Kritik gibt es vom internationalen Netzwerk "Kampagne für Saubere Kleidung": "Die Initiative ist gut, die Umsetzung aber nicht", sagte der Sprecher des Netzwerks, Uwe Wötzel. "Textilien, die künftig den das Siegel tragen, dürfen keinesfalls als fair oder sozial nachhaltig bezeichnet werden".

Wötzel sagte dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland", die Kriterien seien deutlich zu schwach, die Überwachung unzureichend und die Ausnahmen zu umfangreich. Wötzel erklärte, eines der Hauptprobleme sei, dass in den Kriterien nur die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohnes verankert sei. "Doch der ist in der Regel so niedrig, dass niemand davon leben kann." Nur wenn existenzsichernde Löhne gezahlt würden, sei ein Kleidungsstück tatsächlich fair produziert.

Auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, sprach sich im Deutschlandfunk für eine Ausweitung der Kriterien auf existenzsichernde Löhne aus. Darüber hinaus müsse man über gesetzliche Rahmenbedingungen für Wertschöpfung entlang der Lieferkette sprechen.

Mehr Licht im Siegeldschungel?

Zurückhaltend äußerte sich der Verbraucherzentrale Bundesverband: Ob das Siegel erfolgreich ist, könne erst nach ersten Erfahrungen damit beurteilt werden. Der "Grüne Knopf" habe das Potenzial, mehr Licht in den Siegeldschungel zu bringen. Doch ob er seinen hohen Erwartungen gerecht wird, lasse sich erst in zwei Jahren nach Ende der Pilotphase bewerten. Allerdings hätte ein Lieferkettengesetz, das alle Unternehmen bindet, mehr Durchschlagskraft, sagt Bundesverband-Vorstand Klaus Müller.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. September 2019 um 11:00 Uhr.