Ortsschild zwischen Petite Rosselle und Großrosseln | SR

Kontrollen im Saarland Die Angst vor der Rückkehr der Grenze

Stand: 12.08.2021 17:11 Uhr

Mit den steigenden Corona-Zahlen kontrolliert die Bundespolizei wieder stichprobenartig die Grenzen. Im Saarland haben sie aus den vergangenen Monaten gelernt - denn diesmal wollen sie Grenzschließungen verhindern.

Von Marco Karp, SR

Die Kontrollen an der deutsch-französischen und deutsch-luxemburgischen Grenze sind wieder zurück. Nur stichprobenartig und für Reiserückkehrer. Doch sie haben schon für Unmut gesorgt. Vergangene Woche wiesen Bundespolizisten am Übergang zwischen dem saarländischen Großrosseln und dem lothringischen Petite-Rosselle Grenzpendler irrtümlich ab, obwohl diese keine negativen Testergebnisses vorlegen müssen.

"So etwas darf nicht mehr passieren", sagt der Bevollmächtigte für Europaangelegenheiten des Saarlandes, Roland Theis. Die Bundespolizei will den Vorfall intern aufarbeiten. Das verspricht die Sprecherin der Polizeiinspektion Saarbrücken Maxie Imgenberg.

Nicht zum ersten Mal kommt es an diesem Grenzübergang zu Problemen. Bereits vergangenes Jahr wurden Pendler dort an der Einreise gehindert. Damals wie heute beschwerten sich verärgerte Menschen beim Abgeordneten der französischen Nationalversammlung, Christophe Arend, dessen Wahlkreis ans Saarland grenzt. "Rund 20 Leute haben sich bei mir gemeldet - Grenzpendler, die umdrehen mussten."

Arend wandte sich an Theis, der an die Bundespolizei - und bald waren die Unstimmigkeiten ausgeräumt. Die Beteiligten vor Ort haben aus den vergangenen Monaten gelernt.

"Alte Wunden reißen wieder auf"

Und doch war die Angst urplötzlich zurück - vor möglichen Grenzschließungen, vor auseinander gerissenen Familien, vor Problemen auf der Arbeit wie Anfang des Jahres 2021 oder 2020. Französische Pendler mussten einen Test machen, bevor sie zur Arbeit ins Saarland fuhren. Die Grenze war zurück in den Köpfen der Menschen.

Grenzschließungen sind Sache des Bundes. Damit diese Zustände aber nie wieder auftreten, haben sich Arend und Kollegen der deutsch-französischen Parlamentarischen Versammlung das Zugeständnis von Bundesinnenminister Horst Seehofer und dem damaligen französischen Innenminister Christophe Castaner eingeholt.

Mehr Tests in Frankreich und Luxemburg

Bei einer Anhörung in diesem Jahr haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Premier Jean Castex diese Zusage noch einmal bestätigt. Somit stellen sich auch Berlin und Paris hinter die Forderungen aus der Region. Immer wieder richten sich die Blicke in der Pandemie auf die Fallzahlen. Dass die gerade länderübergreifend trügen können, wenn die Teststrategien der Länder unterschiedlich sind, zeigte sich im Dreiländereck.

In Frankreich und Luxemburg wird deutlich mehr getestet - die Fallzahlen können dementsprechend höher ausfallen als im Saarland. Auch diese Variablen fließen in die Berechnung und Bewertung des RKI zu möglichen Hochrisikogebieten mit ein. Um das Infektionsgeschehen im Dreiländereck besser beurteilen zu können, finden regelmäßig virtuelle, länderübergreifende Austausche zwischen den regionalen Gesundheitsbehörden im Grenzgebiet statt, bei denen auch Vertreter der Bundesebenen teilnehmen. Das bestätigt das Robert Koch-Institut (RKI) auf Nachfrage.

Bisher keine Vorfälle an deutsch-luxemburgischen Grenze

Während es an den deutsch-französischen Übergängen langsam beginnt zu rumoren, sind die Bürgermeister in der luxemburgischen Grenzregion entspannt. Michel Gloden, Bürgermeister der Gemeinde Schengen, kennt keine Vorfälle von abgewiesenen Pendlern. "Ich habe das Gefühl, dass hier wieder alles normal ist."

Auch der Bürgermeister der Gemeinde Perl, Ralf Uhlenbruch, teilt diese Ansicht. Statt in die Vergangenheit zu schauen, blicken sie hier nach vorne und planen schon ein großes, grenzüberschreitendes Weinfest für den Mai kommenden Jahres. Denn eines wollen sie überall im Dreiländereck vermeiden: dass die Grenzen zurückkehren in die Köpfe der Menschen. Im vergangenen Jahr lautet ein Slogan der Grenzgemeinden "Schengen is alive" - "Schengen ist am Leben". Das soll nun mehr als je zuvor gelten.