Pater Piotr Piatek hält in der leeren Pfarrkirche Christi Geburt in Köln eine Andacht. | Bildquelle: dpa

Seelsorge in der Corona-Krise Gottesdienste rücken wieder näher

Stand: 17.04.2020 15:32 Uhr

Religiöse Zusammenkünfte sind näher gerückt: Die Religionsgemeinschaften sollen Konzepte vorlegen, wie in Kirchen, Synagogen und Moscheen sicher Gottesdienste gestaltet werden können. Derweil geht Sachsen einen Sonderweg.

Gottesdienste sollen schrittweise wieder möglich werden. Darauf haben sich Vertreter von Religionsgemeinschaften und Kirchen sowie des Staates verständigt. Die beiden christlichen Kirchen begrüßten die angestrebte Aufhebung des Verbots religiöser Zusammenkünfte. "Wir sind froh, dass sich heute Vertreter von Bund und Ländern, der Kirchen und Religionsgemeinschaften in großer Einmütigkeit darauf verständigt haben, dass man im Laufe der nächsten Woche konkrete Wege für eine schrittweise Lockerung der Beschränkungen religiöser Zusammenkünfte und damit auch von Gottesdiensten prüfen will", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing.

Klar ist: Gottesdienste wird es vor Anfang Mai auf Bundesebene nicht geben. Allerdings sollen die christlichen Kirchen, der Zentralrat der Juden und die islamischen Moscheeverbände in der kommenden Woche Konzepte vorlegen, wie Gottesdienste mit den nötigen Hygieneregeln abgehalten werden können. Entscheiden müssen dann die einzelnen Bundesländer.

Bund und Länder würden am 30. April auf Basis der Konzepte über eine Lockerung der geltenden Kontaktbeschränkungen infolge der Corona-Pandemie für Gottesdienste beraten, teilte das Bundesinnenministerium mit. Einen konkreten Zeitplan gebe es aber noch nicht.

"Denkbar wäre, die Anzahl der Gottesdienstbesucher zu begrenzen, Gottesdienste im Freien, das Angebot von Gottesdiensten zu erhöhen und in den Kirchen, Moscheen und Synagogen einen Mindestabstand zu gewährleisten", machte Markus Grübel, der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, deutlich.

Baldige Konzepte angekündigt

Evangelische und katholische Kirche kündigten an, in der kommenden Woche Konzepte mit Abstands- und Hygieneregelungen vorzulegen. Ziel sei, "möglichst bald" wieder Gottesdienste abhalten zu können. Ob das schon am ersten Mai-Wochenende der Fall sein könnte, sei offen und gegebenenfalls je nach den Bedingungen der einzelnen Gemeinden regional unterschiedlich, sagte der Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Dutzmann, dem Evangelischen Pressedienst.

Auch der Zentralrat der Juden will nach eigenen Angaben ein Hygienekonzept vorlegen.

Der Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime, Burhan Kesici, sagte, die muslimischen Glaubensgemeinschaften würden sich an die Beschränkungen halten. Für die Muslime beginnt Ende der kommenden Woche der heilige Fastenmonat Ramadan.

Sächsischer Sonderweg

Bereits einige Stunden nach dem Gespräch von Vertretern des Bundes mit den Religionsgemeinschaften preschte die sächsische Landesregierung vor. In Sachsen können bereits ab Montag wieder öffentliche Gottesdienste stattfinden. Sie seien aber nur in geringem Umfang mit bis zu 15 Besuchern möglich, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer. "Gläubigen Menschen ist es wichtig, dass auch religiöses Leben wieder möglich zu machen."

Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln, hält eine Predigt. | Bildquelle: dpa
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Erzbischof Woelki erinnerte an die Religionsfreiheit.

"Nicht nur der Einzelhandel"

Vor dem Gespräch hatte die katholische Kirche an ihre grundgesetzlich garantierten Rechte erinnert. "Es ist notwendig, dass nicht nur der Einzelhandel öffnet, sondern dass auch die Kirchen wieder öffentliche Gottesdienste abhalten können und auch die anderen Religionsgemeinschaften - und zwar ist das notwendig, um das Verfassungsrecht der freien Religionsausübung zu schützen und auch einzufordern", sagte der Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, der ARD.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. April 2020 um 16:00 Uhr.

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