Christine Lambrecht (rechts), Bundesfamilienministerin, und Aysel Yollu-Tok, Vorsitzende der Sachverständigenkommission, bei der Vorstellung des Gleichstellungsberichts. | dpa

Gleichstellungsbericht Frauen mehr an digitalem Wandel beteiligen

Stand: 09.06.2021 19:22 Uhr

Frauen seien in der Digitalwirtschaft unterrepräsentiert, so die Bilanz des dritten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung. Zudem wies Familienministerin Lambrecht auch auf die Belastung von Frauen im Homeoffice hin.

Bundesfamilien und -justizministerin Christine Lambrecht (SPD) sieht in der Digitalisierung eine Chance für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Sie rief dazu auf, den digitalen Wandel für die Gleichstellung zu nutzen. Das Bundeskabinett verabschiedete zuvor den dritten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, der sich explizit mit dem Thema Digitalisierung befasste.

Gefahr der Doppelbelastung

Zudem kritisierte Lambrecht die Doppelbelastung vieler Frauen im Homeoffice. Mobiles Arbeiten bringe mehr Flexibilität, "aber auch die Gefahr einer Doppelbelastung, besonders für Mütter". Erst wenn Männer den gleichen Anteil an familiärer Sorgearbeit übernehmen würden, könnten Frauen gleichermaßen die Homeoffice-Chancen nutzen. 

"Wir wollen die Gleichstellung von Frauen und Männern mit der Digitalisierung weiter voranbringen", erklärte dazu Lambrecht. Einiges sei auch schon auf den Weg gebracht, etwa Verbesserungen beim Schutz vor digitaler Gewalt oder im Rahmen der Gleichstellungsstrategie der Bundesregierung.

Gleiche Verwirklichungschancen

Ein Forscherteam unter der Leitung der Berliner Volkswirtschaftlerin Aysel Yollu-Tok hat untersucht, wie die Entwicklungen in der digitalen Wirtschaft gestaltet werden müssten, damit Frauen und Männer die gleichen Verwirklichungschancen haben.

Die Forscher kommen für den Bericht zu dem Schluss, dass der Einfluss von Frauen gesteigert werden muss. Mit einem Anteil von 16 Prozent sind sie in der Digitalwirtschaft unterrepräsentiert. Nur 30 Prozent der Firmengründer sind weiblich.

KI darf nicht Nachteil für Frauen werden

Wo computergestützte, lernende KI-Systeme eingesetzt werden, dürften sie nicht die Chancen von Frauen etwa bei der Bewerbung auf eine Stelle oder bei einer Kreditvergabe schmälern. Für neue Arbeitsformen wie die Plattformarbeit müsse die soziale Absicherung geregelt werden, mahnt das Gutachten.

Die Bundesregierung stellt einmal pro Legislaturperiode ihren Gleichstellungsbericht vor. Es geht darum, inwieweit die im Grundgesetz geforderte Gleichstellung der Geschlechter in Bildung und Erwerbsleben durchgesetzt ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juni 2021 um 19:00 Uhr.