Frauenschuhe und Männerschuhe | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bericht der Bundesregierung Der lange Weg zur Gleichstellung

Stand: 21.06.2017 14:57 Uhr

Familienministerin Barley fasst es so zusammen: "Es hat sich viel verändert, aber nicht genug." Trotz der Anstrengungen der Bundesregierung bei der Gleichstellung von Männern und Frauen, fällt die Bilanz ihres Zweiten Gleichstellungsberichts ernüchternd aus.

Von Julia Barth, ARD-Hauptstadtstudio

Männer und Frauen sind gleichberechtigt - so steht es im Grundgesetz. Dass auch in diesem Fall Papier geduldig ist, zeigt der Alltag vieler Frauen in Deutschland. Und das trotz zahlreicher Bemühungen der Bundesregierung, sie auf dem Weg zur Gleichberechtigung zu unterstützen. Für Familienministerin Katharina Barley belegt der zweite Gleichstellungsbericht, dass in dieser Legislaturperiode viel passiert ist und "in der Gleichstellung von Männern und Frauen große Fortschritte gemacht worden sind".

Laut Barley bleibt aber auch noch viel zu tun - zum Beispiel, um die Bezahlung gerechter zu gestalten. Denn nach wie vor verdienen Frauen im Schnitt rund 20 Prozent weniger als Männer.

Das Gesetz für mehr Lohntransparenz und die Reform der Ausbildung in Pflegeberufen, in denen überwiegend Frauen tätig sind, sind für die Familienministerin nur zwei von mehreren Maßnahmen, um die Lohnlücke zu verkleinern. Für Barley ist das nicht nur in puncto Gleichberechtigung ein wichtiger Schritt: "Inzwischen wird jede dritte Ehe geschieden. Die Grundidee, dass man sich darauf verlässt, vom Ehemann mitversorgt zu werden, trägt nicht mehr. Und sie trägt vor allen Dingen auch nicht auf die lange Sicht." Denn der Unterschied im Einkommen mache sich am Ende auch im Rentenanspruch bemerkbar.

Frauen arbeiten mehr, verdienen aber weniger

Ein Problem, das der Gleichstellungsbericht aufzeigt: Ob Kindererziehung, Haushalt, die Pflege von Angehörigen oder ehrenamtliches Engagement - Frauen leisten täglich gut 50 Prozent mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Experten fordern deshalb, einerseits einen finanziellen Ausgleich für diese Arbeit zu schaffen. Andererseits sollte es Männern stärker als bisher ermöglicht werden, mehr private Sorgearbeit zu leisten.

Für Barley bleibt deshalb die SPD-Idee einer Familienarbeitszeit ein wichtiges Projekt auf der Agenda: "Viele junge Väter wollen ihre Kinder nicht erst sehen, wenn sie schon im Bett sind. Viele junge Mütter wollen gerne mehr berufstätig sein, als nur einen halben Tag. Und daraus folgt, dass wir junge Paare unterstützen müssen, wenn sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich leben wollen."

Grüne kritisieren "Teilzeitfalle"

Ein entsprechendes Gesetz ist am Widerstand der Union gescheitert. Auch auf ein Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit konnte sich die große Koalition nicht einigen. Franziska Brantner von den Grünen findet das fatal. Denn so stecken etliche Frauen, die für die Kindererziehung oder die Pflege der Eltern im Job kürzer treten, in der Teilzeitfalle fest.    

"Wir brauchen dringen ein Rückkehrrecht auf Vollzeit, damit Frauen auch wieder aus dieser Teilzeitfalle rauskommen", fordert Brantner. "Wir brauchen mehr Zeit für Eltern, aber partnerschaftlich aufgeteilt. Und zwar nicht im Klein-Klein von einzelnen Stunden, wie das die SPD will, sondern groß - durch partnerschaftliche Aufteilung."

Aufgaben, denen sich wohl erst die nächste Bundesregierung stellen wird. In der Hoffnung, dass der dritte Gleichstellungsbericht etwas weniger ernüchternd ausfällt als der aktuelle.

Längst nicht am Ziel: Gleichstellungsbericht der Bundesregierung
J. Barth, ARD Berlin
21.06.2017 12:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Juni 2017 um 12:00 Uhr.

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