Geschäftsfrau mit Laptop und Aktenordner

Stand der Gleichberechtigung Deutschland zurück in den Top Ten

Stand: 17.12.2019 09:27 Uhr

In Deutschland hat es 2019 Fortschritte bei der Gleichberechtigung gegeben. Im globalen Vergleich reichte es für den zehnten Platz. Die Spitzenposition verteidigte eine kleine Insel, Spanien machte einen Riesensprung.

Seit 2006 untersucht das Weltwirtschaftsforum (WEF) den Stand der Gleichberechtigung im weltweiten Vergleich. Im "Global Gender Gap Report 2020" bescheinigt die Organisation Deutschland einige Fortschritte, es sei aber noch viel zu tun. Im Vergleich zum Vorjahr verbesserte sich Deutschland um vier Plätze und ist nun Zehnter.

Vor allem wegen einer stärkeren politischen Beteiligung von Frauen ist die Gleichberechtigung in Deutschland nach Einschätzung des WEF vorangekommen. Dazu trage auch bei, dass mit Kanzlerin Angela Merkel weiter eine Frau an der Regierungsspitze steht. Mittlerweile seien 40 Prozent der Ministerposten in Bund und Ländern mit Frauen besetzt. Aber nur 30,9 Prozent der Parlamentarier seien Frauen.

Groß seien die Unterschiede zwischen den Geschlechtern aber in der Wirtschaft: Dafür sei eine schnelle Reduzierung der Gehalts- und Einkommenslücke notwendig, forderte das WEF. Auch eine längere Elternzeit für Väter würde zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen.

Die Mitglieder der Bundesregierung beim Gruppenbild zur Klausurtagung des Bundeskabinetts im Schloss Meseberg. (November 2019) | Bildquelle: dpa
galerie

Gruppenbild mit vielen Frauen - Klausur der Bundesregierung in Schloss Meseberg im November.

Wenige Frauen in "neuen Berufsbildern"

Im Bereich der Wirtschaft gibt es nach Ansicht des WEF auch global große Herausforderungen. Dies sei unter anderem auf die Unterrepräsentation von Frauen in neuen IT-Berufen zurückzuführen. Die WEF-Analysen, die für diesen Bereich in Zusammenarbeit mit LinkedIn durchgeführt wurden, zeigen, dass Frauen in den meisten neuen Berufsbildern im Durchschnitt stark unterrepräsentiert sind.

Am deutlichsten sei dieses Gefälle in der Kategorie "Cloud Computing", wo nur zwölf Prozent aller Fachkräfte Frauen sind. In den Bereichen "Ingenieurwesen" (15 Prozent) und "Daten und KI" (26 Prozent) sei die Situation kaum besser. Dagegen seien Frauen in zwei schnell wachsenden Kategorien - nämlich "Content Production" und "Menschen und Kultur" - stärker als Männer vertreten.

Außerdem stagniere der Anteil der Frauen am Arbeitsmarkt: Lediglich 55 Prozent der erwachsenen Frauen habe einen Job, bei den Männern seien es 78 Prozent. Auch die Gehalts- und Einkommenslücke bleibe groß.

Hoch im Norden, hoch im Ranking

Im weltweiten Vergleich verteidigte Island seine Spitzenposition bei der Gleichberechtigung. Der Inselstaat habe die Lücke zwischen Männern und Frauen mittlerweile zu fast 88 Prozent geschlossen, urteilte das WEF. In Deutschland sind es demnach 78,7 Prozent. Auf Platz zwei und drei im Ranking landeten Norwegen und Finnland.

Zu den Staaten, die sich in diesem Jahr am meisten verbessert haben, zählen das achtplatzierte Spanien, Äthiopien, Mexiko und Georgien. Sie verbesserten sich jeweils um mehr als 20 Plätze, was vor allem auf Verbesserungen im Bereich der politischen Beteiligung zurückzuführen ist.

Die Region Naher Osten und Nordafrika weist in der WEF-Untersuchung mit 61,1 Prozent die niedrigste Punktzahl auf, wobei es auch dort Fortschritte gab (0,5 Punkte). Die beiden bestplatzierten Länder der Region sind Israel (64. Platz), das seine Geschlechterkluft zu 71,8 Prozent geschlossen hat, und die Vereinigten Arabischen Emirate (120. Platz) mit 65,5 Prozent. 15 der 19 Länder dieser Region rangieren auf Platz 130 oder niedriger.

Das Weltwirtschaftsforum untersuchte für den jährlichen Bericht in 153 Staaten vier Bereiche: Wirtschaft (etwa Gehälter und Chancen auf Führungspositionen), Zugang zu Bildung, politische Mitwirkungsmöglichkeiten sowie Gesundheit (etwa Lebenserwartung).

"Das können wir nicht akzeptieren"

Insgesamt werde es beim aktuellen Tempo noch etwa ein Jahrhundert dauern, bis die Gleichberechtigung weltweit abgeschlossen ist, so das WEF. "Das ist ein Zeitrahmen, den wir in der globalisierten Welt einfach nicht akzeptieren können", urteilt WEF-Gründer Klaus Schwab. "Am Vorabend der 2020er-Jahre muss es das Ziel globaler und nationaler Anführer sowie von Top-Managern sein, eine fairere und inklusivere Wirtschaft aufzubauen."

Ohne die gleichberechtigte Einbeziehung der Frauen - "der Hälfte des weltweiten Talents" - könnten weder die Volkswirtschaften zum Wohle Aller wachsen noch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erreicht werden, betonte Schwab.

Darstellung: