Eine Frau sitzt während der Isolation nach einem positiven Corona-PCR-Test auf ihrem Bett.  | dpa

Corona-Infektion Isolationszeit soll verkürzt werden

Stand: 29.04.2022 08:55 Uhr

Die vorgeschriebene Isolation für Corona-Infizierte soll einheitlich auf fünf Tage verkürzt werden. Gesundheitsminister Lauterbach plädiert für verpflichtendes Freitesten. Denn auch danach könne man noch ansteckend sein.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wollen die Corona-Isolation für Infizierte einheitlich neu regeln. Im Wesentlichen gehe es dabei um eine Verkürzung der Isolationsdauer für nachweislich positiv Getestete auf fünf Tage, erklärte das Gesundheitsministerium in Sachsen-Anhalt nach einer gemeinsamen Videokonferenz.

Das Bundesgesundheitsministerium habe in der Sitzung angekündigt, dass die Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI) hinsichtlich der Isolations- und Quarantänedauer Anfang kommender Woche angepasst werden solle. Die Länder wollen ihre Isolations- und Quarantäneregelungen entsprechend überarbeiten.

Lauterbach für Freitestung nach verkürzter Isolation

Die Gesundheitsminister begründen den Schritt mit einer zunehmenden Immunität in der Bevölkerung und durch mildere Krankheitsverläufe mit der Omikron-Variante. Es sei erfreulich, "dass sich alle Länder auf ein einheitliches Vorgehen geeinigt haben, das auf wissenschaftlicher Expertise des RKI beruht", erklärte Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD). Sachsen-Anhalt hat derzeit den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz (GMK).

"Wir werden nächste Woche einen guten, gemeinsamen Vorschlag haben", sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach im ARD-Morgenmagazin. "Ich persönlich glaube, dass am Ende von fünf Tagen - das ist ja eine sehr kurze Zeit - zumindest eine Selbsttestung dringend empfohlen sein müsste. Denn man wisse, "dass viele auch nach dem fünften Tag noch positiv sind", so der Gesundheitsminister.

Mehrere Bundesländer verkürzen bereits

Unter anderem Bayern und Sachsen hatten die bisherige verpflichtende Isolation von Infizierten bereits von zehn Tagen auf fünf Tage reduziert, wenn die Betreffenden 48 Stunden keine Symptome haben. Ausnahmen gibt es für Personal in Kliniken oder Pflegeheimen. Auch Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen hatten angekündigt, diesen Weg zu gehen.

In den meisten Ländern gilt aber derzeit weiterhin die Regelung, dass die Isolation für Corona-Infizierte nach sieben Tagen durch Freitesten beendet werden kann. Ansonsten endet die Isolation nach zehn Tagen.

Marburger Bund für einheitliche Regelungen

Über die Quarantäne- und Isolationsregeln wurde bereits seit Längerem immer wieder diskutiert. Lauterbach und die Länder wollten die verpflichtende Isolation ursprünglich zum 1. Mai auslaufen lassen und auf Freiwilligkeit setzen, was auf viel Kritik stieß. Lauterbach rückte in der Folge von dem Vorhaben wieder ab.

Ärzteverbände wie der Marburger Bund plädierten zuletzt für einheitliche Regeln. Eine Aufhebung der Isolation nach fünf Tagen sei nur bei einem negativen Testergebnis und 48-stündiger Symptomfreiheit sinnvoll, erklärte die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Omikron-Subvariante BA.2 bei 97 Prozent

Nach Daten des RKI dürften mittlerweile die allermeisten Corona-Ansteckungen in Deutschland druch die Omikron-Subvariante BA.2 hervorgerufen werden. Ihr Anteil habe nach jüngsten Erkenntnissen - einer Stichprobe von vorvergangener Woche - 97 Prozent betragen, heißt es im RKI-Wochenbericht. Auf knapp drei Prozent kommt demnach BA.1, der zuvor vorherrschende Subtyp. Die relativ neu aufgekommenen Omikron-Sublinien BA.4 und BA.5 spielen nach den Daten bisher keine besondere Rolle: BA.4 wird mit einem Anteil von 0 Prozent gelistet, BA.5 mit 0,1 Prozent.

Insgesamt sprechen die Gesundheitsexperten weiter von einem hohen Infektionsdruck mit mehr als 750.000 gemeldeten Fällen binnen einer Woche.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. April 2022 um 23:00 Uhr.