Straßennamen auf Straßenschildern | MDR
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Namen für neue Straßen Magdeburg wird weiblicher

Stand: 19.02.2021 13:17 Uhr

Etwa 1700 Straßen gibt es in Magdeburg - nicht mal drei Prozent davon sind nach Frauen benannt. Die Ratsfrauen der Stadt wollen das ändern. Gar nicht so leicht, wenn im Stadtrat überwiegend Männer sitzen.

Von Sven Knobloch, MDR

Hier ist die Werner-Heisenberg-Straße, die führt in die Joseph-von-Fraunhofer-Straße, und da hinten ist die Niels-Bohr-Straße. Gegenüber dann die Otto-Hahn-Straße.

Stadträtin Julia Brandt steht im Wissenschaftshafen von Magdeburg. Es ist eines der jüngsten Stadtquartiere, entstanden aus dem ehemaligen Handelshafen. Viele Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen sind hier angesiedelt worden. Die Straßen: alle nach Wissenschaftlern benannt. "Aber bisher keine einzige nach einer Wissenschaftlerin", sagt Julia Brandt.

Das will die SPD-Frau ändern: Sie will hier eine Straße nach Dorothea Erxleben benennen. Erxleben war 1754 die erste promovierte deutsche Ärztin. Und nicht nur hier, in ganz Magdeburg sollen Frauen im Straßenbild sichtbarer werden.

Gemeinsam mit 13 anderen Ratsfrauen aus unterschiedlichen Fraktionen war Brandt auf die Recherche eines Magdeburgers für das Open Knowledge Lab gestoßen. Danach gibt es in der Stadt rund 1700 Straßen. 506 sind nach Personen benannt, aber nur 46 davon nach Frauen.

Julia Brandt | MDR

Die Leistungen, die von Frauen für die Gesellschaft erbracht werden, sollten auch im Straßenbild gewürdigt werden, sagt Julia Brandt. Bild: MDR

Vielen Ratsmännern geht das zu weit

Die Forderung der Ratsfrauen: neue Straßen sollen künftig so lange nach Frauen benannt werden, bis Gleichstand hergestellt ist. "Es geht darum, dass Frauen im Straßenbild mit ihren Leistungen, die sie für die Gesellschaft gebracht haben, genauso vorkommen sollten wie Männer. Und das ist unser Antrieb", sagt Brandt.

Vielen Ratsmännern geht das zu weit. Nach Berechnungen der Magdeburger Stadtverwaltung dürften so mindestens 100 Jahre keine Straßen mehr nach einem Mann benannt werden. Deshalb kommt Widerstand aus CDU, AfD und Gartenpartei. CDU-Stadtrat Tim Rohne sagt: "Das ist für uns unverhältnismäßig, weil eine Ungleichheit mit einer anderen Ungleichheit wieder aufzuwiegen, das hat noch nie wirklich gut funktioniert."

Quote 3:1 als Kompromiss

Donnerstagabend dann die entscheidende Sitzung im Magdeburger Stadtrat. Und die Fraktion von Brandt bringt in das überwiegend von Männern besetzte Stadtparlament einen Kompromissantrag ein. Die Benennung soll nach Quote erfolgen: "Eine wechselnde Benennung von Straßen und Plätzen nach verdienten Frauen und Männern im Verhältnis 3:1 (drei Straßenbenennungen nach weiblichen Personen und eine Straßenbenennung nach einer männlichen Person)."

AfD will "Platz der Trümmerfrauen"

Die CDU will am Ende das Ziel vorgeben Straßen "bevorzugt" nach Frauen zu benennen - ohne feste Quote. Die AfD spricht in einer hitzigen Debatte von "Paritätsfetischismus" und will dann "10.000 Frauen gleichzeitig ehren" - mit einem "Platz der Trümmerfrauen".

Am Ende die Abstimmung stimmt der Stadtrat für die Quote 3:1. "Ein großer Schritt, um Frauen sichtbarer zu machen", sagt Brandt. Warum es am Ende den Kompromiss brauchte? "Frauen stellen nun mal nicht die Mehrheit im Stadtrat", antwortet sie.

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 19. Februar 2021 um 22:00 Uhr.