Ein Kind wird nach einer Impfung mit einem Kinderpflaster versorgt. | picture alliance/dpa
Hintergrund

Coronavirus Wann kommt der Impfstoff für Kleinkinder?

Stand: 10.02.2022 08:30 Uhr

Für Kinder unter fünf Jahren gibt es noch keine zugelassenen Corona-Impfstoffe. Deren Wirksamkeit in dieser Altersgruppe wird gerade geprüft. Manche Ärzte impfen aber schon jetzt, andere raten davon ab.

Von Jan Hanika, BR

Etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland sind noch nicht gegen das Coronavirus geimpft. Gut vier Millionen davon sind Kinder unter fünf Jahren, denn kein Impfstoff hat bisher in der EU eine Zulassung für diese Altersgruppe erhalten.

Gleiches gilt auch in den USA. Angesichts hoher Infektionszahlen dort hat die zuständige Zulassungsbehörde FDA Anfang Februar die Pharmaunternehmen BioNTech und Pfizer aufgefordert, eine Notfallzulassung für ihren Corona-Impfstoff für Kinder von sechs Monaten bis einschließlich vier Jahren zu beantragen. Inzwischen peilt die US-Regierung den Start der Impfungen von Kleinkindern für den 21. Februar an. Das geht aus einem Dokument der US-Seuchenbehörde CDC hervor.

Schon für die Notfallzulassung legten die Hersteller Daten aus einer Studie zur Wirksamkeit ihres Impfstoffs bei Kindern im entsprechenden Alter vor. Die Studienteilnehmer erhielten je zwei Impfdosen mit je drei Mikrogramm mRNA-Wirkstoff. Zum Vergleich: Erwachsene und Jugendliche ab zwölf bekommen pro Impfdosis 30 Mikrogramm Wirkstoff, Kinder zwischen fünf und elf Jahren zehn Mikrogramm.

BioNTech und Moderna prüfen Impfstoffe

Mitte Dezember 2021 meldete BioNTech jedoch ein eher enttäuschendes Zwischenergebnis aus dieser Studie. Die Impfung mit drei Mikrogramm mRNA-Wirkstoff rief nur bei Kindern von sechs bis 24 Monaten eine ausreichend starke Immunreaktion hervor. Bei den Zwei- bis Vierjährigen reichte nach zwei Dosen hingegen die Zahl der Antikörper nicht aus, um eine sehr gute Wirksamkeit zu bescheinigen. Im Rahmen der Studie erhalten die Kinder nun zwei Monate nach der zweiten Impfdosis eine dritte. Danach wird die Reaktion des Immunsystems erneut kontrolliert.

Auch der US-Impfstoff-Hersteller Moderna prüft die Wirksamkeit seines Corona-Impfstoffs bei jüngeren Kindern. Im Rahmen der Studie erhalten Zwei- bis Fünfjährige zwei Dosen mit jeweils 50 Mikrogramm mRNA-Wirkstoff. Das entspricht der Menge, die Erwachsene bei einer Booster-Impfung erhalten. Erste Ergebnisse sollen im März vorliegen. In der EU ist der Impfstoff von Moderna ab zwölf Jahren zugelassen, die STIKO empfiehlt den Einsatz allerdings erst ab 30 Jahren. Seit November 2021 prüft die Europäische Arzneimittelbehörde EMA die Zulassung des Impfstoffs für Sechs- bis Elfjährige.

Das bedeutet: BioNTech und Moderna können ihre Daten frühestens im März bei der EMA einreichen. Sollten sie dies tun, kann die Prüfung der Daten einige Zeit in Anspruch nehmen. Bis zur Entscheidung, ob einer der beiden Impfstoffe tatsächlich auch für Unter-Fünfjährige zugelassen wird, kann es also noch dauern.

Off-Label-Impfungen umstritten

Umstritten ist jedoch, ob Kinder dieser Altersgruppe tatsächlich eine Corona-Impfung benötigen. Sie haben generell ein geringeres Risiko als Erwachsene, schwer an Covid-19 zu erkranken. Manche Eltern möchten ihre Kinder unter fünf Jahren aber dennoch impfen lassen. Grund kann die Befürchtung sein, die Kinder könnten Menschen in ihrer Umgebung anstecken, die ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Andere Eltern treibt die Sorge um, eine Coronavirus-Infektion könnte das Entzündungssyndrom PIMS verursachen oder anhaltende Beeinträchtigungen der Gesundheit, die als Long-Covid oder Post-Covid bezeichnet werden.

Manche Ärzte impfen daher auch Kinder unter fünf Jahren, obwohl der Impfstoff für sie noch nicht zugelassen ist. Bei diesen sogenannten Off-Label-Impfungen ist allerdings rechtlich nicht geklärt, ob der Staat haftet, sollte es zu einem Impfschaden kommen. Diese sind zwar sehr selten, aber möglich.

Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte rät von Impfungen ohne Zulassung bei Kindern unter fünf Jahren ab. Bei Kindern ohne Vorerkrankungen seien PIMS und Long-Covid eher geringe Gefahren und schwere Verläufe und Todesfälle sehr selten. Man sollte daher solche Impfungen vermeiden, wenn diese nicht unbedingt notwendig seien. Das könnte etwa der Fall sein bei einem sehr kranken Kind mit vielen Risikofaktoren. Um sicher beurteilen zu können, ob die Impfung in dieser Altersgruppe tatsächlich weniger riskant ist als eine Infektion mit dem Coronavirus, fehlten derzeit aber noch die Daten.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 "KiRaKa. Radio für Kinder" am 15. November 2021 um 19:04 Uhr.