Teilnehmer der Demo gegen Rassismus in Berlin recken die Faust in die Höhe. | OMER MESSINGER/EPA-EFE/Shutterst

Nach Tod von George Floyd Bundesweit Großdemos gegen Rassismus

Stand: 06.06.2020 19:38 Uhr

In vielen deutschen Städten sind insgesamt Zehntausende Menschen gegen Rassismus auf die Straße gegangen. Sorgen bereitete den Behörden jedoch der mangelnde Corona-Schutz angesichts der unerwartet hohen Teilnehmerzahlen.

Nach dem Tod des Schwarzen George Floyd in den USA wegen eines gewaltsamen Polizeieinsatzes sind auch in Deutschland Zehntausende Menschen gegen Rassismus auf die Straße gegangen.

Allein in Berlin versammelten sich auf dem Alexanderplatz rund 15.000 Menschen zu einer sogenannten Silent Demo ("Stille Demonstration"). Viele der Demonstranten trugen schwarze Kleidung. Wie der rbb unter Berufung auf die Polizei berichtet, verlief die Protestaktion friedlich. Die Beamten hätten jedoch gemahnt, die Mindestabstände aus Schutz vor dem Coronavirus einzuhalten. Ursprünglich waren rund 1500 Teilnehmer für die Demonstration angemeldet worden.

Black-Lives-Matter-Demonstration auf dem Berlin Alexanderplatz | AFP

In Berlin kamen 15.000 Menschen zusammen,... Bild: AFP

Black-Lives-Matter-Demonstration auf dem Münchner Königsplatz | dpa

...in München waren es sogar 20.000 Menschen. Bild: dpa

Erst friedlich, dann flogen Steine und Flaschen

Bei einer Schweigeminute setzten sich die Protestierenden auf den Boden. Sie dauerte genau 8 Minuten und 46 Sekunden. Die Zeit spielt auf den Polizeieinsatz an, in dessen Folge der 46-jährige George Floyd am 25. Mai in Minneapolis ums Leben kam. Genauso lange hatte einer der beteiligten vier Polizeibeamten sein Knie auf den Hals des Schwarzen gedrückt und auch nicht nachgelassen, obwohl Floyd mehrfach warnte, er bekomme keine Luft mehr. Floyd starb kurz darauf in einer Klinik. Seitdem kommt es auch in den USA zu teilweise gewaltsamen Protesten.

Nach Ende der Versammlung gab es in Berlin laut der Polizei Stein- und Flaschenwürfe gegen Polizisten. Einzelne Beamte sollen verletzt worden sein, es gab demnach auch mehrere Festnahmen. Laut Polizei wurde auch ein Pressefotograf am Kopf verletzt.

Demos in München und Frankfurt wurden aufgeteilt

Auch in München beteiligten sich weit mehr als die offiziell angemeldeten 200 Teilnehmer an der Protestaktion. Die Polizei sprach von bis zu 25.000 Menschen. Wegen der hohen Anzahl an Protestierenden wurden die Kundgebungen schließlich auf den Königsplatz und den benachbarten Karolinenplatz aufgeteilt.

Auch der Römerplatz im Zentrum von Frankfurt am Main hatte sich laut Polizei bereits nach einer Stunde mit Menschen gefüllt. Auch hier musste ein Teil der rund 8000 Demonstranten auf den nahegelegenen Paulsplatz umgeleitet werden.

Kundgebungen gab es u.a. auch in Köln, Hannover und Stuttgart. 

Hamburg: Großes Gedränge

In Hamburg kamen in der Innenstadt laut Polizei etwa 14.000 Demonstranten zusammen. Die Organisatoren des Protests hatten nur knapp 520 Teilnehmer angemeldet. Die Polizei appellierte an die Menschen, einen Mundschutz zu tragen und den Mindestabstand einzuhalten. Das habe sich angesichts der hohen Teilnehmerzahl allerdings als schwierig gestaltet. Trotzdem stellte sich auch die Polizei bereits vor Beginn des Protests hinter die Aktion. "Rassismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben", twitterte die Behörde.

Pyrotechnik und Wasserwerfer

Im Anschluss an die friedlichen Proteste in der Innenstadt gab es Auseinandersetzungen zwischen einer Gruppe Demonstranten und der Polizei. Aus der Gruppe heraus sei Pyrotechnik gezündet worden, drei Beamte seien verletzt worden, sagte eine Sprecherin. Die Polizei fuhr mit Wasserwerfern vor. Nach Angaben eines dpa-Fotografen vor Ort flogen auch Steine.

Auch von politischer Seite gab es Rückhalt für die Protestaktionen. So hieß es von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer: "Ich danke denjenigen, die heute dagegen aufstehen und die jeden Tag leben, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Und zwar jedes Menschen."

Proteste weltweit

Nicht nur in Deutschland hatte es im Laufe des Tages Protestaktionen gegen Rassismus gegeben: So wurde unter anderem auch in London, Frankreich, Australien oder Kanada demonstriert. Auch in Tokio und Seoul gab es Proteste.

In London zogen Tausende Menschen zum Parliament Square in der Nähe des britischen Parlaments und skandierten "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden, keine rassistische Polizei."

In Frankreich gingen Tausende Menschen in mehreren Städten gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße.

Im australischen Brisbane schätzte die Polizei die Zahl der Teilnehmer der größten von mehreren angemeldeten Demonstrationen in der Metropole auf 10.000.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 06. Juni 2020 um 23:35 Uhr.