Embryo

Stellungnahme des Ethikrats Eingriff ins Erbgut noch "unverantwortlich"

Stand: 09.05.2019 13:24 Uhr

Das Erbgut von Embryonen mit neu entdeckten Eingriffen verändern? Das hält der Deutsche Ethikrat für unhaltbar - auch, wenn die Heilung von Erbkrankheiten möglich wäre. Die Risiken seien noch viel zu groß.

Wenn ein kleiner Mensch im Bauch der Mutter mit dem Wachsen beginnt, entwickelt sich bei ihm gleich am Anfang die sogenannte Keimbahn. Sie beinhaltet alle Erbinformationen des werdenden Kindes und ist in seinem Körper zuständig für den Aufbau entscheidender, individueller Zellen. Inzwischen sehen Wissenschaftler die Möglichkeit, Einfluss auf diese menschliche Keimbahn zu nehmen - und damit auch auf die Gene und Entwicklung des Embryos.

Das sogenannte Genome-Editing erlaubt gezielte und sehr präzise Eingriffe in das Erbgut - und damit auch theoretisch die Möglichkeit zur Bekämpfung von Erbkrankheiten. Bei diesen neuen molekularbiologischen Verfahren, von denen vor allem die Genschere Crispr/Cas9 an Bedeutung gewann, geht es im Grunde um das Ausschneiden und Ersetzen bestimmter Genabschnitte. Wird zum Beispiel die DNA in Keimzellen verändert, vererben sich die neuen Sequenzen an die nachfolgenden Generationen. Doch darf so ein Eingriff in die menschliche Keimbahn gemacht werden? Und wenn ja, wann und wie?

Ethikrat rät von Eingriffen in menschliche Keimbahn ab
tagesschau 17:00 Uhr, 09.05.2019, Hanni Hüsch, ARD Berlin

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Forderung nach internationalem Stopp

Nun hat sich der Deutsche Ethikrat zu der neuen Methode der DNA-Veränderung positioniert: Wegen ihrer unabsehbaren Risiken seien solche Eingriffe derzeit ethisch unverantwortlich, heißt es in der Stellungnahme des unabhängigen Beratungsgremiums. Voraussetzung für die Anwendung neuer Technologien seien Sicherheit und Wirksamkeit der Verfahren. Und die gebe es aber noch nicht. Entsprechend sollten sich Bundesregierung und Bundestag für einen verbindlichen internationalen Stopp klinischer Anwendungen beim Menschen einsetzen. Einen solchen gibt es - trotz internationalem großem Konsens - bislang nicht.

Im vergangenen Jahr hatten Berichte über die Geburt genmanipulierter Zwillinge weltweit einen Aufschrei in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft ausgelöst. Der chinesische Forscher He Jiankui hatte nach eigenen Angaben das Erbgut von zwei Mädchen mithilfe einer sogenannten Gen-Schere verändert. Das Ziel des bislang nicht verifizierten Eingriffs: die Kinder resistent gegen HIV zu machen.

Genforscher He Jiankui | Bildquelle: ALEX HOFFORD/EPA-EFE/REX/Shutter
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Genforscher He Jiankui: Inzwischen wurde seine Arbeit gestoppt.

Änderung der Haltung denkbar

Neben seiner Forderung nach dem Moratorium bekräftigte der Ethikrat seine Forderung nach einem breiten, weltweiten Diskurs zum Thema. Das würde aus Sicht der Experten Zeit für eine sorgfältige Forschung und die Schaffung internationaler Regeln ermöglichen. In der Diskussion müssten Grundwerte wie die Menschenwürde, Lebensschutz, Wohltätigkeit und Solidarität berücksichtigt werden. Auch müsse unterschieden werden, ob Eingriffe schweres Leid vermeiden sollen oder darauf ausgerichtet sind, menschliche Fähigkeiten zu verbessern.

Sollten in Zukunft die geforderte Sicherheit und Wirksamkeit bei den Keimbahn-Eingriffen vorliegen, könnte der Ethikrat eine andere Haltung in der Sache einnehmen. Die menschliche Keimbahn sei "nicht unantastbar", heißt es in der Stellungnahme. Allerdings sind sich die Experten nicht einig: Eine große Mehrheit bewertet demnach den Einsatz der Technologie zumindest zur Vermeidung oder Verringerung genetisch bedingter Krankheitsrisiken "als ethisch legitimes Ziel".

Andere Mitglieder sehen in Keimbahneingriffen "keinen ausreichend hochrangigen Nutzen", der die potenziellen Nachteile rechtfertigen könne. So könnten durch Fehler beim Genome-Editing der Erfolg ausbleiben oder neue gesundheitsschädliche Mutationen entstehen, was sich erst später bei dem betreffenden Menschen zeigen würde.

Ethikrat erklärt Eingriffe in die menschliche Keimbahn für zu risikoreich
Claudia Plaß, ARD Berlin
09.05.2019 13:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Mai 2019 um 14:00 Uhr.

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