Ein Hinweis auf dem Boden im Kölner Hauptbahnhof weist Flüchtlingen aus der Ukraine den Weg | AP

Ukraine-Flüchtlinge in Deutschland Weniger Einreisen - mehr Rückkehrer

Stand: 29.04.2022 12:45 Uhr

In Deutschland kommen deutlich weniger Menschen aus der Ukraine an als noch vor einigen Wochen - und immer mehr kehren in ihre Heimat zurück. Die Verbliebenen sollen registriert werden, sagt Innenministerin Faeser.

In Deutschland kommen immer weniger Geflüchtete aus der Ukraine an. Ihre Zahl sei von täglich 15.000 Menschen Mitte März auf nun nur noch rund 2000 gesunken, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser den Sendern RTL und ntv. Die Bundespolizei geht ihr zufolge von knapp 390.000 Menschen in Deutschland aus, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind.

Allerdings dürfte die tatsächliche Zahl höher liegen, weil Ukrainerinnen und Ukrainer visafrei und etwa mit dem eigenen Auto einreisen könnten, sagte Faeser. Derzeit würden Registrierungen der Menschen nachgeholt. Auch weil die Menschen nur so Sozialleistungen erhalten können, die ab Juni ausgezahlt werden können.

Insgesamt haben seit dem russischen Angriff am 24. Februar mehr als fünf Millionen Menschen die Ukraine verlassen.

Viele gehen zurück

Mittlerweile kehren Faeser zufolge aber auch immer mehr Menschen in die Ukraine zurück. Allein über die polnische Grenzen würden jeden Tag rund 20.000 Menschen in das Land zurückgehen, darunter auch Geflüchtete, die zuvor in Deutschland Schutz gesucht hatten.

"Da erschreckt man sich, angesichts der furchtbaren Bilder in der Ukraine", sagte die SPD-Politikerin. Sie könne aber "nachvollziehen, dass sie zum Zwecke der Familienzusammenführung wieder zurückgehen, obwohl einem das wirklich das Herz bricht."

Union: Schutz von Frauen und Kindern nicht ausreichend

Die Union warf der Regierung vor, den Schutz insbesondere der Frauen und Kinder unter den Geflüchteten zu vernachlässigen. So werde etwa nirgends registriert, wer Kriegsflüchtlinge privat bei sich aufnimmt. Kritiker sehen darin potenzielle Gefahren für Frauen, Kinder und unbegleitete Minderjährige, etwa durch Sexualstraftaten.

"Die Bundesregierung kommt ihrer Verantwortung gegenüber den ankommenden Frauen und Kindern aus der Ukraine weiterhin nicht ausreichend nach - sie scheint diese nicht einmal richtig zu begreifen", kritisierte die CDU-Abgeordnete Serap Güler.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm, warf der Regierung "Verantwortungsdiffusion" vor: "Der Schutz von Frauen und Kindern wird innerhalb der Bundesregierung zwischen insgesamt sieben Ressorts hin- und hergeschoben; niemand scheint sich wirklich zuständig zu fühlen."

Bundespolizei: 42 Verdachtsfälle

Seit Kriegsbeginn hat die Bundespolizei nach eigenen Angaben 42 Fälle registriert, in denen es um "verdächtige Wahrnehmungen oder gezielte Ansprachen" ankommender Flüchtlinge gegangen sei. "Im Kontext zu Sexualstraftaten und Menschenhandel lagen alle Sachverhalte unterhalb der Schwelle einer strafbewehrten Handlung", sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. April 2022 um 13:50 Uhr.