ungültiger Führerschein

Autofahrer in Deutschland Millionen sollen Führerschein früher umtauschen

Stand: 04.07.2016 17:24 Uhr

Autofahrer in Deutschland müssen ihre unbefristeten Führerscheine voraussichtlich früher gegen neue befristete Dokumente eintauschen als bislang geplant. Mit dem Schritt solle eine Überlastung der Behörden verhindert werden.

Die ältere Generation der Autofahrer ist noch in dem Glauben aufgewachsen, dass ihr Führerschein unbegrenzt gültig ist. Doch das ist seit 2013 anders. Seitdem sind alle neu ausgestellten Führerscheine nur noch 15 Jahre gültig. Der Trost damals für die älteren Semester: Sie sollten ihren "Lappen" noch bis zum Jahr 2033 behalten dürfen. Erst dann sollte es eine Pflicht zum Umtausch geben.

Doch an dieser Schonfrist wird nun offenbar gerüttelt, um eine Überlastung der Behörden im Jahr 2033 zu verhindern. Der Verkehrsausschuss des Bundesrats schlug dem Plenum der Länderkammer vor, bei einigen Jahrgängen schon in den kommenden Jahren mit dem Austausch der Führerscheine zu beginnen. Über das Konzept soll das Plenum am Freitag abstimmen.

Umtausch in zwei Stufen: Alte "Lappen" zuerst

Der Umtausch soll dem Vorschlag des Plenums der Länderkammer nach in zwei Stufen stattfinden. "Es geht um eine Entzerrung", sagte eine Sprecherin des Bundesrates der "Saarbrücker Zeitung". Alle auf einmal austauschen könne keine Behörde der Welt stemmen, meldet sich auch der ADAC zu Wort. Mit der Neuregelung würde sichergestellt, dass die Behörden die Vielzahl der künftigen Anträge bewältigen könnten.

Umtausch der Papierführerscheine

Zuerst sollen die 15 Millionen Papierführerscheine umgetauscht werden, die vor 1999 ausgestellt wurden.

Bei ihnen soll die erste Umtausch-Etappe bereits bis 19. Januar 2021 laufen, und zwar für Fahrer mit Geburtsjahren 1953 bis 1958.

Die Geburtsjahre 1959 bis 1964 sollen bis 2022 dran sein, die Jahrgänge 1965 bis 1970 bis 2023, alle Jüngeren bis 2024.

Wer vor 1953 geboren wurde, kann seinen alten Führerschein bis 2033 behalten.

Umtausch der Führerscheine im Kartenformat

In der zweiten Stufe sollen die 30 Millionen Führerscheine im Kartenformat umgetauscht werden, die ab 1999 ausgestellt wurden.

Die erste Umtauschstufe für die Ausstellungsjahre 1999 bis 2000 soll bis 2025 laufen.

Danach geht der Umtausch Jahr für Jahr weiter - bis zum 19. Januar 2033 für Dokumente mit Ausstellungsdaten bis 18. Januar 2013.

Autofahrer, die ihren Führerschein umtauschen oder verlängern wollen, müssen keine erneute Fahrprüfung und auch keinen Gesundheitstest ablegen.

Mehr Schutz gegen Fälschungen

Die neuen Führerscheine mit Verfallsdatum gehen auf die EU zurück. Die EU-Kommission hofft, mit dem einheitlichen Führerschein mehr Sicherheit auf Europas Straßen zu schaffen: Die Verkehrspolizisten in Europa müssten in der Lage sein, über hundert unterschiedliche Modelle von Papier- und Plastik-Führerscheinen zu erkennen, hatte 2013 der damalige Verkehrskommissar Siim Kallas die Neuerungen begründet. Außerdem seien die Führerscheine oft mit veralteten Fotos versehen und könnten leicht gefälscht werden.

Deshalb verfügen die neuen EU-Führerscheine über eine Reihe von Sicherheitsmerkmalen. So können die Mitgliedsstaaten Hologramme und Mikrochips einfügen. Und dem weit verbreiteten Führerschein-Tourismus soll ein Riegel vorgeschoben werden. Experten schätzen, dass sich allein in Deutschland Tausende Autofahrer ihren Führerschein illegal erschlichen haben.

Was muss passieren, damit der Führerschein-Tausch kommt?

Wenn der Bundesrat dem Vorschlag zustimmt, ist die Bundesregierung am Zuge. Denn das Konzept soll an eine Bundes-Verordnung "angehängt" werden. Die Regierung könnte dies 1:1 akzeptieren - oder aber die ganze Verordnung vorerst stoppen.

Vom Bundesverkehrsministerium wurde aber zumindest kein Protest laut: Die Länder müssten den Umtausch bewältigen, da könnten sie auch Vorschläge machen. Eine neue Prüfung beschert der Umtausch Autofahrern übrigens nicht. Nötig sind aber ein Foto - und gut 20 Euro Gebühr für den neuen EU-Führerschein.

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