Fridays For Future-Protest vor dem Reichstagsgebäude im April 2020 | Bildquelle: dpa

Protestbewegung Bremst Corona "Fridays for Future" aus?

Stand: 20.08.2020 17:25 Uhr

Die Zahl der Teilnehmer an den Protesten von "Fridays for Future" ist seit Beginn der Corona-Krise gesunken. Die Aktivisten zogen um ins Internet. Und doch sieht der Jenaer Protestforscher Fielitz die Bewegung nicht am Ende.

Von Bernd Großheim, tagesschau.de

2019 war das Jahr, in dem die Bewegung "Fridays for Future" (FFF) weltweit bekannt wurde. Ausgehend vom Schulstreik der Schwedin Greta Thunberg fanden sich immer mehr junge Leute zusammen, um für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu demonstrieren - und das regelmäßig jeden Freitag.

Zehntausende gingen auch in Deutschland immer wieder auf die Straßen. Sie wurden zu einem wichtigen Einflussfaktor, auch auf die Politik. Die Graswurzelbewegung "Fridays for Future" hatte das Thema Klimawandel und den Umgang mit ihm mit Schwung auf die Tagesordnungen zurückgebracht.

Fridays For Future-Protest im September 2019 in Hamburg | Bildquelle: dpa
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Vor der Corona-Krise beteiligten sich Zehntausende an den Protesten wie hier in Hamburg im September 2019.

"Im Internet fehlt das Gemeinschaftserlebnis"

Doch dann kam das Coronavirus und mit ihm veränderte sich das Leben aller. Körperliche Nähe wurde zur Gefahr, gemeinsames Erleben von Kino, Konzerten und von Protesten von einem auf den anderen Tag unmöglich. Die "Fridays for Future"-Bewegung reagierte und konzentrierte ihre Aktivitäten aufs Internet. Und es wurde deutlich ruhiger um FFF. Das stellt auch die Postbank-Jugend-Digitalstudie fest. Beteiligten sich an den Demonstrationen noch fast ein Drittel der jungen Menschen, nahmen seit Beginn der Corona-Krise nur sechs Prozent an einem Online-Protest teil.

Fielitz
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Protestforscher Fielitz ist wissenschaftlicher Referent am Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Jena.

Protestforscher Maik Fielitz vom Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft sagt tagesschau.de, im Internet fehle das Gemeinschaftserlebnis, die Interaktion auf der Straße. Diese seien aber Ausgangspunkt für die digitale Diskussion über die Events und damit zentraler Bestandteil von Protest. "Das ist für jede Protestbewegung ein Problem, gerade wenn sie langfristig angelegt ist."

"Das aktivierbare Potenzial ist weiter vorhanden"

Dennoch sehe er verschiedene Beispiele, wie Protestbewegungen auch im digitalen Raum bestehen können, so Fielitz. Es formierten sich im Kontext von Corona gerade Bewegungen, nicht nur gegen die Hygienemaßnahmen, sondern auch solche, die sich für Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern mit migrantischem Hintergrund in landwirtschaftlichen Betrieben und Schlachthöfen einsetzen. So schaffe Corona auch neue Protestanlässe, so der Jenaer Wissenschaftler.

Was "Fridays for Future" angehe, habe Corona gezeigt, dass die internen Strukturen auf jeden Fall erhalten blieben, sagt Fielitz. Er sieht die Bewegung nicht am Ende. "Das aktivierbare Potenzial ist weiter vorhanden, weil auch das Problem, der Klimawandel, durch Corona nicht verschwunden ist." Und auch wenn die Präsenz geringer geworden sei: Fridays for Future sei mehr als eine kurzfristige Massenbegeisterung.

An ein Ende der Bewegung glaube er nicht, so Fielitz. "Fridays for Future" werde es weiter geben, "vielleicht nicht in der ursprünglichen Form, aber jede Protestbewegung passt sich auch den Rahmenbedingungen an". Das Wichtigste seien die Inhalte. Selbst wenn die Bewegung auf der Straße nicht mehr so präsent ist, werde es "Fridays for Future" im Geiste weiter geben.

Luisa Neubauer vor dem Reichtagsgebäude beim Digitalprotest 2020 | Bildquelle: dpa
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Luisa Neubauer sieht die Coronakrise als Herausforderung für die "Fridays For Future"-Bewegung

"Klimakrise ist nicht weg"

Eine der Hauptakteurinnen für "Fridays for Future" in Deutschland, Luisa Neubauer, sagte heute nach ihrem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel: "Wir sind eine Bewegung, die darauf fußt, dass sich viele in Straßen zusammenfinden. Das ist derzeit nicht möglich und eine große Herausforderung, aber die Klimakrise ist ja nicht weggegangen, sie wird immer schneller und größer."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk "Informationen am Morgen" am 08. April 2020 ab 05:05 Uhr.

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