Bündnis Fridays for Future· - Anhänger demonstrieren unter dem Motto "Wieder zusammen fürs Klima!· In der Hamburger Innenstadt. | dpa

Fridays for Future Sie streiken wieder

Stand: 18.06.2021 16:37 Uhr

Lange Zeit waren die Proteste von Fridays für Future pandemiebedingt kaum möglich. Heute sind die Klimaaktivisten wieder auf die Straße gegangen - bei sengender Hitze und exakt hundert Tage vor der Bundestagswahl.

Nach mehrwöchiger Corona-Pause streiken die Klimaaktivisten von Fridays for Future wieder. In mehr als 30 Städten, darunter Berlin, Köln und Hamburg wurde für eine ambitioniertere und sozial gerechte Klimapolitik demonstriert. Auch Vertreter von Sozialverbänden, Gewerkschaften und Kirchen beteiligten sich an den Protestaktionen. Von nun an sollen sie wieder wöchentlich stattfinden.

In Berlin, München und Düsseldorf gab es erstmals seit Langem wieder Fußmärsche. Mancherorts waren die Demonstranten auch mit Fahrrädern unterwegs. In Rostock protestierten Aktivisten in Kanus auf der Ostsee gegen den Bau der Erdgas-Pipeline Nord Stream 2. Für Fridays for Future steht das Projekt sinnbildlich für das Festhalten an fossilen Brennstoffen, die dem Klima schaden, weil sie mit einem hohen Treibhausgasausstoß verbunden sind. Teilnehmerzahlen nannte Fridays for Future zunächst nicht, gab aber an, dass es beispielsweise in Hamburg etwa 3000 Demonstranten gewesen seien.

Neubauer kritisiert "verlogene Klimadebatte" der Parteien

Exakt hundert Tage vor der Bundestagswahl warf Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer den politischen Parteien "eine verlogene Klimadebatte" vor. Ärmere Menschen würden "als Ausrede genutzt", um weniger Klimaschutz zu betreiben, sagte Neubauer der dpa. Dabei hätten die politisch Verantwortlichen "jahrzehntelang soziale Ungerechtigkeit befürwortet und eine Politik für die Wirtschaft und nicht für die Menschen gemacht".

In der Debatte um Billigflüge und höhere Benzinpreise sei der Eindruck entstanden, als ob mehr Klimaschutz wegen sozialer Fragen nicht möglich wäre, sagte Neubauer. Dabei sei es Aufgabe der Politik, einen angemessenen sozialen Ausgleich zu schaffen. "Die Regierung muss anfangen, mit den Leuten Klartext darüber zu sprechen, vor welchen Herausforderungen wir stehen."

Klimaschutzgesetz nächste Woche im Bundestag

In der kommenden Woche wollen sich Bundestag und Bundesrat abschließend mit dem neuen Klimaschutzgesetz der Bundesregierung befassen. Demnach soll Deutschland bis zum Jahr 2045 treibhausgasneutral werden, also nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen, wie wieder gebunden werden können.

Bis 2030 will die Bundesregierung die klimaschädlichen Gase um 65 Prozent gegenüber 1990 reduziert haben. Auch ein Maßnahmenpaket, das aufzeigen soll, wie genau Deutschland die Ziele erreichen will, soll noch nächste Woche durchs Kabinett. Die Aktivisten von Fridays for Future und Umweltverbände halten die Pläne für nicht ambitioniert genug und fordern etwa, das Ziel der Klimaneutralität um zehn Jahre auf 2035 vorzuziehen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Juni 2021 um 14:00 Uhr.