Hamburg: Aktivisten von Fridays for Future bauen auf dem Hamburger Rathausmarkt eine sogenannte Galerie des Scheiterns auf | dpa

Fridays for Bundestag Heute Aktivist, morgen Abgeordneter?

Stand: 23.07.2021 16:10 Uhr

Einige Aktivisten der Klimabewegung "Fridays for Future" drängen von der Straße ins Parlament. Sie wollen für die Grünen in den Bundestag. Doch wie groß sind ihre Chancen?

Von Björn Dake, ARD-Hauptstadtstudio

Jakob Blasel sitzt an der Spree und schaut auf den Bundestag. Da will er rein. "Wenn das klappt, wäre das schon krass", sagt Blasel. Aber erstmal müsse er ja gewählt werden.

Björn Dake ARD-Hauptstadtstudio

Blasel hat die großen Klimastreiks in Deutschland mitorganisiert. Er marschierte an der Seite von Greta Thunberg. Jetzt steht der 20-Jährige auf Platz acht der Grünen-Landesliste Schleswig-Holstein. Der Einzug in den Bundestag: Nicht sicher, aber möglich. 

Aktivisten ist Klimapolitik nicht radikal genug

Blasel hofft darauf, Politik aus der Perspektive von jungen Menschen machen zu können. Die würden in der ganzen Klima-Diskussion vernachlässigt.

Blasel studiert Jura. Er bezeichnet sich als "1,5 Grad-Ultra". 1,5 Grad - das ist das Pariser Klimaziel. Die bisherige Klimapolitik ist ihm nicht radikal genug. Auch nicht die der Grünen. Beim Parteitag Anfang Juni scheiterte er mit der Forderung nach einem höheren CO2-Preis. Bei "Fridays for Future" hat das viele enttäuscht. Die Rede war von einem verheerenden Signal.

Jakob Blasel bei der Internationalen Klimaschutzkonferenz ICCA2019 | picture alliance/dpa

Jakob Blasel steht auf Platz acht der Grünen-Landesliste Schleswig-Holstein. Bild: picture alliance/dpa

Grünen-Abgeordnete weisen Kritik zurück

Lisa Badum ist dort, wo Jakob Blasel hinwill - im Bundestag. Sie ist klimapolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Die Oberfränkin Badum weist die Kritik von "Fridays for Future" zurück. Die Grünen haben ihrer Meinung nach schon viele Forderungen der Bewegung übernommen: "Wir haben vier Jahre Klimabewegung auf der Straße und in der Gesellschaft in das Programm aufgenommen und übersetzt."

Für die Grünen ist es ein Spagat: Zum einen wollen sie auf die Aktivisten zugehen und eine ambitionierte Klimapolitik machen. Zum anderen sollen potenzielle Wähler der politischen Mitte im Wahlkampf nicht verschreckt werden. Ein höherer CO2-Preis würde Autofahren und Heizen zum Beispiel deutlich teurer machen.

Grüne sehen hohe Erwartungen an ihre Partei

Für diesen Spagat war zuletzt auch Oliver Krischer zuständig. Er hat vor dem Parteitag Anträge sortiert und Kompromisse gesucht. Der Fraktionsvize der Grünen im Bundestag sagt, die Erwartungen an seine Partei seien hoch. Zu hoch? "Es wird natürlich nicht so sein, dass wenn Grüne in der Regierung sind, das Paradies ausbricht. Es wird eine lange, eine schwierige Arbeit werden."

Krischer koordiniert verschiedene Arbeitskreise der Grünen, sitzt als stellvertretendes Mitglied in zwei Bundestagsausschüssen und kümmert sich dort auch um das Klein-Klein der Parlamentsarbeit. Und die hat oft nur wenig mit großen, plakativen Forderungen auf Klimademos zu tun.

Teile der Bewegung lehnen Bundestagskandidaturen ab

Auch Jakob Blasel sieht die Gefahr, nicht allen Ansprüchen der "Fridays for Future"-Bewegung gerecht werden zu können. Er versuche, nicht zu enttäuschen. "Aber ich kann natürlich nicht dafür bürgen, wie der Bundestag oder meine Fraktion später entscheidet." Er sei schließlich nur ein einzelner Abgeordneter. Allerdings gibt es weitere Klimaaktivisten mit aussichtsreichen Listenplätzen.

Solche Kandidaturen für den Bundestag kommen bei "Fridays for Future" unterschiedlich an. Nicht alle dort glauben daran, im Parlament etwas bewegen zu können. Einige der Klimaaktivistinnen und Aktiven halten den Protest auf der Straße für wirkungsvoller.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Juli 2021 um 05:11 Uhr.