Bundesfamilienministerin Franziska Giffey malt gemeinsam mit Kindern in einer Mainzer Kita. | Bildquelle: dpa

SPD-Hoffnungsträgerin Weg frei für Dr. Giffey

Stand: 31.10.2019 18:22 Uhr

Für das Rennen um den SPD-Vorsitz kommt die Entlastung vom Plagiatsverdacht zu spät. Für die politische Karriere von Franziska Giffey bietet sie aber neue Möglichkeiten.

Von Sabine Müller, ARD Berlin

Einen Blitzaufstieg wie Franziska Giffey hat in der SPD selten jemand hingelegt. Im Frühjahr 2018 war sie eine der großen Überraschungen im neuen GroKo-Kabinett. Die SPD zauberte die damals 39-Jährige aus dem Hut, weil noch eine Ost-Frau gebraucht wurde.

Giffey hatte sich als taffe Bürgermeisterin im Berliner Multikulti-Bezirk Neukölln einen Namen gemacht. Die ersten Auftritte der neuen Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend waren noch ziemlich nervös, aber das gab sich schnell. Giffey schaffte den Sprung von der Kommunal- in die Bundespolitik erstaunlich reibungslos.

Neukölln als perfekte Vorbereitung. Sie selbst drückt es so aus: "Das Familienministerium ist ein Lebensministerium und es hat Themen zum Schwerpunkt, mit denen ich mich seit 16 Jahren in Neukölln befasst habe, in den ärmsten und schwierigsten Gebieten Deutschlands."

Klar und zupackend

Optisch kommt die Ministerin sehr brav daher: Immer adrett im Kleid oder Kostüm, die blonden Haare hochgesteckt und die Stimme sanft. Ihre Ansagen sind aber klar und zupackend:

"Mich regt das auf. Jeder sagt, 'Wir haben kein Erkenntnisdefizit, wir haben ein Handlungsdefizit.' Und wenn dann einer mal was macht und sagt, wir haben hier wirklich eine gute Sache, kommen die ersten, die sagen 'Flickenteppicherei' und 'Ist zu wenig' und 'Seien sie mal schüchtern'. Ganz ehrlich, ich bin nicht schüchtern!"

Kein "Kitaqualitätsentwicklungsfinanzierungsgesetz"

Mit "echten Menschen" kann sie super. Wenn ihr jemand sagt: "Das geht nicht", dann sagt Giffey: "Das werden doch mal sehen."

Die Ministerin ist extrem fleißig, schnell hat sie fast 200 kleinere und größere Vorhaben in der Pipeline. Die Sozialdemokratin kämpft leidenschaftliche für ihre Projekte.

Und sie versteht etwas von perfekter Vermarktung ihrer Arbeit: Zum Beispiel tragen ihre Gesetzentwürfe keine monsterlangen Bürokratienamen wie "Kitaqualitätsentwicklungsfinanzierungsgesetz", sondern heißen "Gute Kita"- oder "Starke-Familien-Gesetz". Die Genossen sind begeistert, Giffey gilt als Anwärterin für noch höhere Ämter.

Familienministerin Giffey vor Schild mit "Starke-Familien-Gesetz" | Bildquelle: dpa
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Giffey setzt auf klare Namen und klare Botschaften.

Plagiatsverdacht und lange Prüfung

Aber dann wurden im Februar dieses Jahres Plagiatsvorwürfe laut. Die Ministerin beteuert, sie habe ihre Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst und bittet ihre Uni, die FU Berlin, um Prüfung. Die zieht sich, was im Sommer zum großen Thema wird, als die SPD nach dem Rücktritt von Andrea Nahles eine neue Spitze braucht und sich viele Genossen wünschen, Giffey würde sich bewerben. Aber da ist eben dieser Plagiatsverdacht.

Die 41-Jährige kandidiert nicht für den Vorsitz und kündigt an, als Familienministerin zurückzutreten, falls ihr der Doktorgrad aberkannt wird. Das muss sie nun nicht. "Mit dieser Klarheit kann ich meine Arbeit als Bundesfamilienministerin fortsetzen und das werde ich mit großer Freude und mit Engagement weiter gerne machen", machte sie deutlich.

Die nächste Kanzlerkandidatin?

Dem weiteren Aufstieg der Franziska Giffey scheint also nichts mehr im Weg zu stehen. Für das Rennen um den SPD-Vorsitz kommt die Doktorgrad-Entscheidung zwar zu spät, und einzelnen Forderungen, sie solle jetzt noch einsteigen, erteilt Giffey eine Absage. Aber es wird schon fleißig spekuliert über eine eventuelle Bewerbung als Berliner Bürgermeisterin oder SPD-Kanzlerkandidatin. Mit Franziska Giffey wird wohl noch zu rechnen sein.

Doktortitel gerettet - der Aufstieg von Franziska Giffey kann beginnen
Sabine Müller, ARD Berlin
31.10.2019 16:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. Oktober 2019 um 12:51 Uhr.

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