Zahlreichen lagernde Koffer und zusammengeklappte Kinderwagen im Gepäckausgabe-Bereich des Hamburger Flughafens.  | dpa

Personalmangel an Airports Regierung will gegen Flugchaos vorgehen

Stand: 29.06.2022 11:15 Uhr

Die Bundesregierung will angesichts der akuten Personalengpässe an Flughäfen den kurzfristigen Einsatz ausländischer Beschäftigter möglich machen. Dazu sollen etwa das Arbeits- und Aufenthaltsrecht gelockert werden.

Die Bundesregierung will der Luftfahrt helfen, den Personalengpass an deutschen Airports und damit das Flugchaos abzumildern. Befristet angestellte Hilfskräfte aus dem Ausland sollten kurzfristig an den Flughäfen einspringen können und etwa bei der Gepäckabfertigung und bei Sicherheitskontrollen aushelfen, sagten Bundesverkehrsminister Volker Wissing, Arbeitsminister Hubertus Heil und Innenministerin Nancy Faeser bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin.

Keine Abstriche bei Sicherheit

Es sei dazu eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe eingerichtet worden. Man wolle nun schnell Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse erteilen, sagte Faeser. Damit sollten Fachkräfte beispielsweise aus der Türkei möglichst bald hierzulande eingesetzt werden können, vor allem bei Bodendienstleistern und privaten Sicherheitsfirmen. Die Ministerin bekräftigte, dass es keine Abstriche bei der Sicherheit geben dürfe und dass die Hilfskräfte die gleichen Zuverlässigkeitsprüfungen durchlaufen müssten.

Faeser betonte, dass ganz akut aber auch die Firmen Maßnahmen ergreifen könnten, um die Schlangen beim Check-In und Sicherheitsschleusen abzubauen. So könnten etwa Fast- oder Priority-Lanes für alle Reisenden geöffnet werden. Diese stehen meist nur Business- oder Erste-Klasse-Reisenden offen.

Kein Lohn- und Sozialdumping

Heil ergänzte, die Regierung werde dabei vor allem auf drei Punkte achten: Es solle Lohn- und Sozialdumping ausgeschlossen werden. Das heißt, es werde keine Leiharbeit geben, sondern "die Unternehmen müssen die Leute direkt anstellen". Zum zweiten sollten die neuen Kräfte nach Tarif bezahlt werden. Und schließlich müssten die Menschen vernünftig untergebracht werden "und nicht in irgendwelchen Hütten". Dies soll insgesamt dazu beitragen, die zum Teil chaotische Situation an den Airports zu entschärfen.

Der SPD-Politiker nahm aber auch die Firmen in die Pflicht: Es handele sich um eine befristete Maßnahme und sei keine Dauerlösung. Die Unternehmen hätten eine Pflicht und ein ureigenes Interesse, attraktive Arbeitgeber zu sein. Schließlich seien es auch ihre Kunden, die die Leidtragenden des aktuellen Chaos sind. Der Staat habe in der Corona-Pandemie den Airlines und Flughafenbetriebern massiv unter die Arme gegriffen.

Zu spät für aktuelle Feriensaison?

Allerdings dürften viele Hilfskräfte wohl frühestens im August zum Einsatz kommen - und damit für das Feriengeschäft an vielen Flughäfen schon zu spät, sagte Thomas Richter, der Chef des Arbeitgeberverbands der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL), jüngst im Reuters-Interview. "Es löst nicht das Problem, aber es hilft mit Sicherheit."

Der Personalmangel bei Airlines und vor allem Bodendienstleistern sorgt aktuell für Warteschlangen, Verspätungen und Flugstreichungen. Europaweit streichen Airlines Tausende Flüge, um das überforderte System zu entlasten. Allein die Lufthansa nimmt für den Sommer rund 3000 Verbindungen an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München aus dem Flugplan. Airline-Chef Carsten Spohr entschuldigte sich bei den Passagieren und räumte ein, dass man nach der Pandemie-Krise beim Sparen "an der ein oder anderen Stelle übertrieben" habe.

Auch Heil kritisierte, dass viele Firmen trotz staatlicher Unterstützung Bodenpersonal entlassen oder Kurzarbeitergeld nicht aufgestockt hätten. Diese Entscheidungen hätten dazu geführt, dass viele Arbeitnehmer gekündigt oder sich andere, attraktivere Jobs gesucht hätten. Dies sei ein Grund für die aktuellen Probleme.

Software-Probleme bei Flugsicherung

Am Morgen war es zudem kurzzeitig zu weiteren Ausfällen bei der Deutschen Flugsicherung gekommen. Probleme beim Aufspielen einer neuen Flugsicherungsoftware haben am Morgen weite Teile des Luftverkehrs über Deutschland beeinträchtigt. In der Zentrale in Langen bei Frankfurt musste über mehrere Stunden die mögliche Verkehrsmenge um die Hälfte verringert werden, wie eine Sprecherin der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung (DFS) berichtete. Ab 9.00 Uhr sei wieder der normale Betrieb möglich gewesen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Juni 2022 um 10:05 Uhr.