Rentenbescheid | Bildquelle: picture alliance / dpa

Kabinett beschließt Gesetzesentwurf Was ist so "flexi" an der Rente?

Stand: 25.03.2019 14:56 Uhr

Bis 65 oder noch länger arbeiten? Geht für viele gesundheitlich nicht. Nach 65 in Teilzeit arbeiten? Rechnet sich oft nicht. Zumindest bisher nicht. Mit dem Gesetz zur Flexi-Rente will die Koalition das ändern.

Von Frank Aischmann, ARD-Hauptstadtstudio

In diesem Jahr gehen die 1951-Geborenen in Rente. Allerdings nicht mit 65, denn seit 2012 steigt das sogenannte Renteneintrittsalter Jahr für Jahr an. So endet das Arbeitsleben jetzt offiziell mit 65 Jahren und fünf Monaten. Möglich ist es aber schon heute, gar nicht erst solange, oder aber weit darüber hinaus zu arbeiten. Das wissen Arbeitgeber wegen absehbar fehlender Arbeitskräfte sehr zu schätzen. In beiden Fälle soll die Flexi-Rente den variablen Übergang attraktiver machen.

Da ist zunächst der frühere Rentenbeginn: Möglich schon ab 63, aber für jeden Monat eines früheren Rentenbeginns wird die Altersrente um 0,3 Prozent gekürzt, also 3,6 Prozent im Jahr. Maximal sind das - für drei Jahre - 14,4 Prozent Abzug.

Dazuverdienen ist theoretisch per Teilrente möglich, erklärt SPD-Rentenexpertin Katja Mast: "Teilrente heißt, man nimmt nicht die Vollrente in Anspruch mit den ganzen Abschlägen, die man bekommt, sondern man geht zum Teil in Rente und arbeitet zum Teil weiter." Das sei heute aber ganz starr, unflexibel und intransparent für diejenigen, die es tun und deshalb tun es insgesamt auch nur wenige Hundert Menschen.

Flexi-Rente: Keine Einbahnstraße

Darum der Blick auf die geplante Neuerungen. Nicht mehr die starre Teilrentenregelung und der monatliche Hinzuverdienst entscheiden und können zu ordentlichen Abschlägen führen, erklärt Peter Weiß, Rentenfachmann der Union im Bundestag: "Künftig machen wir eine Jahresbetrachtung. Ich darf im Jahr 6300 Euro hinzuverdienen, das macht überhaupt nichts aus. Darüber hinaus regeln wir, dass ich auch deutlich mehr als die 6300 Euro hinzuverdienen kann." Allerdings werde das, was oberhalb dieser Grenze ist, zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Heißt: 60 Prozent könne man somit behalten, die Rente werde aber um 40 Prozent dieser Summe gekürzt und damit auch eine Teilrente heruntergesetzt.

Die Flexi-Rente geht aber auch in die andere Richtung und ermöglicht ein längeres Arbeiten. Schon heute gibt es für jeden Monat hinausgeschobene Rente 0,5 Prozent Zuschlag, pro Jahr also sechs Prozent Rentenzuschlag. Daran ändert sich nichts. Auch das Hinzuverdienen im Rentenalter bleibt möglich. Nur könnten künftig Rentner aus ihrem Hinzuverdienst weitere Rentenbeiträge zahlen.

Früh sparen - später profitieren

"Daraus steigert sich dann jedes Jahr die Rente entsprechend. Und zwar wird immer dann am 1. Juli, wenn es eine Rentenerhöhung gibt, das, was in einem Jahr durch zusätzliche Beiträge neu auf das Konto gekommen ist, oben drauf gesetzt", erklärt Unionsexperte Weiß.

Das Gesamtpaket Flexi-Rente enthält außerdem berufsbezogene Gesundheitschecks in jüngerem Alter und Möglichkeiten, schon früher im Arbeitsleben zusätzliche Beiträge für den individuellen Altersübergang anzusparen. Das Gesetz soll der Bundestag noch in diesem Monat beraten und noch in diesem Jahr beschließen. Eingeführt wird die Flexi-Rente ab Januar 2017.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. September 2016 um 14:00 Uhr.

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