Abgebrannte Feuerwerksbatterien stehen in einem Carport. | Bildquelle: dpa

Mögliche Feuerwerksverbote Nicht vernünftig, aber ...

Stand: 27.12.2019 14:08 Uhr

Einfach schön und Tradition? Oder doch gefährlich und Umweltverschmutzung? In der Debatte über Feuerwerk und Böllerei werden Fakten und Emotionen manchmal vermischt.

Von Vera Wolfskämpf, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Es knallt und zischt, der Himmel leuchtet vor lauter Raketen - zumindest bis Rauchschwaden alles vernebeln. Nach Silvester bleiben davon nur Müllhaufen und Plastikteile auf den Straßen. Die Deutsche Umwelthilfe will weniger davon. Sie will Feuerwerk nicht komplett verbieten, aber zumindest aus den Innenstädten verbannen. Barbara Metz von der Umwelthilfe begründet das so: "In einer Nacht werden so viele Feinstaubemissionen in die Luft geblasen, wie sonst in zwei Monaten vom Verkehr kommen. Dadurch sind Menschen, die krank sind, also etwa Lungenbeschwerden oder Asthma haben, besonders gefährdet. Aber auch jede gesunde Lunge leidet unter den starken Belastungen."

Die Städte und Gemeinden können bisher Verbote verhängen, wenn Gefahr droht - zum Beispiel vor Krankenhäusern, Tierheimen oder in der Nähe von Fachwerk. Deshalb ist Böllern in der Quedlinburger Altstadt, in Hamburg an der Binnenalster oder etwa im Münchener Zentrum nicht erlaubt. Oft stoßen Verbote aber auf rechtliche Hürden.

Das Bundesinnenministerium ist gerade dabei, das Sprengstoffrecht zu überarbeiten. Die Novelle soll aber erst in der nächsten Legislatur ab 2021 kommen. Und wie genau, dazu hält sich Ministeriumssprecher Steve Alter bedeckt: "Im Rahmen dieser derzeitigen Überarbeitung des Sprengstoffrechts wird es auch zu prüfen sein, ob und inwieweit die bisherigen Regelungen zur Nutzung von Feuerwerk am Jahreswechsel anzupassen sind."

Raketen zum Jahreswechsel über dem Berliner Tor | Bildquelle: REUTERS
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In der Nacht zum 1. Januar 2019 wurde das neue Jahr in Berlin farbenfroh begrüßt.

"Es geht um einen einzigen Satz"

Die Umwelthilfe ist dafür, dass Verbote auch unabhängig von konkreten Gefahren möglich werden. Dafür müsse sich Bundesinnenminister Horst Seehofer nicht zwei Jahre Zeit lassen, findet Barbara Metz: "Es geht um einen einzigen Satz. Den soll er bitte sofort ändern, dann können Städte und Gemeinden ohne sonderliche Begründung sagen, 'Wir wollen diese Verbote aussprechen'."

Gerd Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund plädiert für Augenmaß: "Unsere Aufgabe ist, die Leute zu überzeugen, vernünftig damit umzugehen. Teilweise machen Städte öffentliche Feuerwerke an Plätzen, wo Gefahren ausgeschlossen sind."

Union pocht auf Traditionen

Zuschauen statt selber böllern, das kann auch dem Umweltschutz helfen. Die echten Sünden sieht selbst das Bundesumweltministerium anderswo. Der Verkehr trage viel mehr zur Feinstaubbelastung bei - nämlich rund 40 Prozent des Gesamtausstoßes. "Das (Silvesterfeuerwerk) verursacht rund zwei Prozent der gesamten Feinstaubemission eines Jahres. Wie viel davon nachher als Immission bei den Menschen ankommt, hängt auch sehr stark vom Wetter und vom Wind an Neujahr ab", macht Ministeriumssprecher Nikolai Fichtner deutlich.

Und zudem sei es ein kurzfristiger Effekt, sagt Marie-Luise Dött, die umweltpolitische Sprecherin von CDU und CSU: "Da ist keine Kontinuität in der Belastung. Deswegen ist es aus meiner Sicht unerheblich. Diese Tradition, dass wir das alte Jahr mit ordentlichen Böllern verabschieden, alle Geister verjagen und uns auf das neue Jahr freuen, das sollten wir doch nicht vermiesen."

Ein komplettes Feuerwerkverbot an Silvester befürwortet keine Partei im Bundestag. Es geht eher um das richtige Maß - wie bei allen Dingen, die nicht vernünftig sind, aber Spaß machen.

Über dieses Thema berichteten am 27. Dezember 2019 tagesschau24 um 11:00 Uhr und Deutschlandfunk um 13:23 Uhr.

Korrespondentin

Vera Wolfskämpf  | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo MDR

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