Christian Lindner | Bildquelle: ALEXANDER BECHER/EPA-EFE/REX

FDP nach Hamburg-Wahl Lindner übt Selbstkritik

Stand: 25.02.2020 10:42 Uhr

Nach dem Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde in Hamburg zeigt sich Parteichef Lindner selbstkritisch. Der Umgang der FDP mit der Krise in Thüringen sei eine Hypothek gewesen, räumte auch Vizechefin Suding ein.

Nach der Bürgerschaftswahl in Hamburg, bei der die FDP am Ende knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist, hat die Fehleranalyse auch in der Bundes-FDP begonnen. So räumte Parteichef Christian Lindner Fehler im Umgang mit dem Wahldebakel in Thüringen ein. Er hätte "noch unmissverständlicher und weniger diplomatisch" sprechen können, nachdem der FDP-Kandidat Thomas Kemmerich auch mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, sagte Lindner in der RTL-Sendung "Guten Morgen Deutschland".

Lindner: "Nicht klar genug"

Er habe damals bereits deutlich gemacht, als Parteivorsitzender zurückzutreten, wenn es keine klare Abgrenzung zur AfD gebe. "Aber das war möglicherweise nicht klar genug." Lindner verteidigte trotzdem die Kandidatur Kemmerichs: "Die Idee war ja nachvollziehbar, nicht mit der Linkspartei, nicht mit der AfD etwas zu tun haben zu wollen, sondern zu sagen: Okay, wir bieten eine Alternative der Mitte an." Man sei dann allerdings von der AfD ausgetrickst worden. Der Rücktritt Kemmerichs einen Tag nach der Wahl sei laut Lindner bereits der erste Schritt gewesen, um Vertrauen zurückzugewinnen. "Irgendwann geht's auch wieder um Sachfragen, wenn klar ist, wir haben nichts mit der AfD zu tun", erklärte Lindner.

Für die Hamburger FDP-Chefin Katja Suding, die zugleich Vize der Bundespartei ist, ist klar: Die Krise in Thüringen hatte Einfluss auf die Wahlentscheidung der Hamburger. So sei zwar der Wahlkampfbeginn vom Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und Grünen überschattet gewesen, doch die "viel schwierigere Hypothek" sei die Krise in Thüringen gewesen, sagte Suding im gemeinsamen "Morgenmagazin" von ARD und ZDF.

Bei den Wählern sei der Eindruck entstanden, "dass wir da keine klare Grenzziehung haben", sagte Suding mit Blick auf die AfD. Die Hamburger Liberalen hätten zwar "ganz klar gemacht", dass das nicht gehe. Dennoch sei "viel Vertrauen verloren gegangen".

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Mit einem Mandat in der Bürgerschaft

Kritik an Parteichef Christian Lindner äußerte Suding nicht. Er habe "bereits am ersten Tag sehr klar gemacht", dass ein FDP-Ministerpräsident nicht mit Stimmen der AfD gewählt werden könne. "Natürlich ist viel auf den Parteichef zugeschnitten", sagte sie. Es gebe aber "viele Menschen, die für uns Politik machen, die sichtbar sind". 

Die FDP kam bei der Wahl in Hamburg nur auf 4,9 Prozent und scheiterte damit an der Fünf-Prozent-Hürde. Dennoch wird die FDP voraussichtlich mit einem Sitz in der neuen Bürgerschaft vertreten sein: Ihre Spitzenkandidatin Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein gewann laut den vorläufigen Ergebnissen in ihrem Wahlkreis in Blankenese ein Direktmandat. Bei der Wahl vor fünf Jahren holte die FDP 7,4 Prozent.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Februar 2020 um 09:15 Uhr.

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