Fracking-Anlage im US-Bundesstaat Colorado | AP

Energiekrise FDP stellt Frackingverbot infrage

Stand: 19.06.2022 09:40 Uhr

Die Energiepreise steigen - und die FDP will das Frackingverbot in Deutschland auf den Prüfstand stellen. Die Methode sei unter modernen Standards gar nicht so schädlich. Und auch aus den USA werde ja Frackinggas importiert.

Die FDP will angesichts der Energiekrise das Verbot der Erdgasförderung in Deutschland durch Fracking auf den Prüfstand stellen. Wissenschaftliche Studien zeigten, dass Fracking unter modernen Sicherheitsstandards keine relevanten Umweltschäden verursache, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Liberalen, Torsten Herbst, der "Welt am Sonntag".

Wer Frackinggas aus den USA importiere, könne nicht gegen eine sichere Frackingförderung in Deutschland sein. Es sollte daher ernsthaft geprüft werden, ob eine größere Schiefergasförderung unter wirtschaftlichen und technischen Gesichtspunkten in Deutschland machbar ist, sagte Herbst.

Der energiepolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Michael Kruse, sagte der "Welt am Sonntag", seine Partei unterstütze "die deutliche Ausweitung der heimischen Erdgasförderung". Alle Optionen müssten geprüft werden.

Zuletzt hatten CSU-Chef Markus Söder und NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sowie der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, eine ergebnisoffene Prüfung des Frackings gefordert. Der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) spricht sich laut "Welt am Sonntag" angesichts der Energiekrise dafür aus, auch Fracking in Betracht zu ziehen.

Habeck lehnt Fracking ab

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) lehnt Fracking in Deutschland ab. Er verweist auf mögliche negative Folgen für die Umwelt sowie rechtliche Hürden.

Beim Fracking wird Gas oder Öl mit Hilfe von Druck und Chemikalien aus Gesteinsschichten herausgeholt, was Gefahren für die Umwelt birgt. Kritik wird auch an der Verflüssigung durch starkes Abkühlen geübt, weil dies nach Angaben von Umweltschützern bis zu 25 Prozent des Energiegehalts des Gases kostet. In Deutschland ist die Ausbeutung von Gasvorkommen in Schiefer- und Kohleflözschichten seit 2017 verboten, weil dies als Gefährdung unter anderem für das Grundwasser gilt. Auch vor Erdbeben wegen Frackings wird immer wieder gewarnt.

Insbesondere in den USA wird die Methode seit einigen Jahren aber intensiv eingesetzt, was zu einem massiven Anstieg der dortigen Gasförderung geführt hat. Besonders im Zuge des Ukraine-Kriegs wollen viele europäische Länder nun Gas aus den USA in Form von verschifftem Flüssiggas anstelle von russischem Gas aus der Pipeline importieren. Doch auch in den USA wird das Fracking wegen der Umweltrisiken zunehmend kontrovers diskutiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juni 2022 um 16:00 Uhr.