Familie in der Küche | Bildquelle: imago/Westend61

Ost und West Familien werden immer ähnlicher

Stand: 07.11.2019 11:19 Uhr

Hochzeiten, erste Geburt, Erziehung: Während das Familienleben in Ost- und Westdeutschland früher noch sehr verschieden war, hat es sich 30 Jahre nach der Wende angeglichen. Einige Unterschiede bestehen aber immer noch.

30 Jahre nach dem Mauerfall gleichen sich die Lebensverhältnisse deutscher Familien in Ost und West in vielen Punkten an, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. So entscheiden sich inzwischen gleich viele Paare in Ost- und Westdeutschland für eine Hochzeit. Bis zum Zeitpunkt des Mauerfalls war das anders. Damals gaben sich in Ostdeutschland noch deutlich mehr Paare das "Ja"-Wort als in Westdeutschland. Das veränderte sich unmittelbar nach der Wende: So gab es 1991 auf 1000 Einwohner nur noch durchschnittlich 3,2 Eheschließungen in Ostdeutschland, während es im Westen knapp doppelt so viele waren.

Ein weiterer Punkt der Annäherung: Mütter sind bei der Geburt des ersten Kindes annähernd gleich alt, wie die Statistiker auf Basis der Zahlen von 2018 aufschlüsselten. Im Osten Deutschlands sind die Frauen bei der ersten Geburt demnach mit durchschnittlich 29 Jahren nur etwa ein Jahr jünger als im Westen. Das war damals anders: Im Jahr des Mauerfalls 1989 lag das Durchschnittsalter in der DDR noch bei etwa 23 Jahren. In der Bundesrepublik waren die Frauen bei der ersten Geburt mit rund 27 Jahren deutlich älter.

Gleich viele alleinerziehende Väter

Und auch der Trend zu Alleinerziehenden ist inzwischen ein gesamtdeutscher. Rund 3,6 Millionen Kinder in Deutschland leben nach den aktuellsten Zahlen mit nur einem Elternteil zusammen. Das ist ein Anstieg um 17 Prozent im Vergleich zum Jahr 1996. In 84 Prozent aller aktuellen Fälle wohnen die Kinder bei ihrer Mutter. Dieser Anteil blieb im Vergleich zu 1996 unverändert.

Leicht vergrößert hat sich in diesem Zeitraum hingegen der Anteil ostdeutscher alleinerziehender Väter: Waren 1996 nur etwa zwölf Prozent der Alleinerziehenden in Ostdeutschland Männer, so waren es bei der letzten Erhebung 15 Prozent. In Westdeutschland ist der Anteil mit 15 Prozent weitgehend gleich geblieben.

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Wie sehen Ost und West die Wiedervereinigung?

Wie sind Ost und West 30 Jahre nach der Wende zusammengewachsen? Wie zufrieden sind die Menschen mit der Demokratie? Kennen die Deutschen die jeweils andere Seite des Landes? Eine Umfrage.

Grafik: Ist die Vereinigung fair abgelaufen? Zustimmung in Prozent

Wie sehen die Menschen die Wiedervereinigung drei Jahrzehnte später? Finden sie, dass der Einheitsprozess fair abgelaufen ist? Mehr als die Hälfte der Westdeutschen (56 Prozent) sagt "ja". Der Unterschied zur Sichtweise der Ostdeutschen ist hier deutlich: Dort sagen nur 40 Prozent, es lief fair oder eher fair ab.

Unterschiede vor allem bei Kinderbetreuung

Neben den Annäherungen bestehen aber nach wie vor auch noch einige Unterschiede zwischen Ost und West fort. Auch hier stehen Eltern und Kinder wieder im Fokus: So sind in Westdeutschland etwa sieben von zehn Eltern verheiratet - in den ostdeutschen Ländern sind das nur gut vier von zehn Eltern.

Am gravierendsten ist der Unterschied bei der Kinderbetreuung: Jedes zweite Kind unter drei Jahren besucht im Osten eine Kita, im Westen nur jedes dritte. Doch auch hier ist eine Annäherung zu erkennen, die nach Ansicht des Statistischen Bundesamtes auch auf den Ausbau der Kindertagesbetreuung zurückzuführen ist. Denn vor zwölf Jahren hatten nur etwa zehn Prozent der Kinder unter drei Jahren in Westdeutschland einen Betreuungsplatz. Im Osten waren es bereits damals 41 Prozent. "Diesmal ist es der Westen Deutschlands, der aufholen konnte", heißt es in der Mitteilung der Statistiker.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. November 2019 um 10:45 Uhr.

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