Nach dem Absturz zweier Eurofighter in Mecklenburg-Vorpommern suchen Bundeswehrangehörige nach Wrackteilen. | Bildquelle: dpa

Nach Kollision Flugschreiber der Eurofighter gefunden

Stand: 25.06.2019 17:27 Uhr

Einen Tag nach dem Absturz zweier Eurofighter über der Mecklenburgischen Seenplatte sind beide Flugschreiber gefunden worden. Während weiter nach der Absturzursache gesucht wird, gibt es Kritik an der Luftwaffe.

Nach dem gestrigen Absturz von zwei Eurofightern sind beide Flugdatenschreiber gefunden und geborgen worden. Das teilte die Luftwaffe mit. Hunderte Bundeswehrsoldaten durchkämmen die Absturzgegend rund um die Ortschaften Nossentiner Hütte, Silz und Jabel nahe der Kleinstadt Malchow weiter nach Wrackteilen.

Das mehrere Quadratkilometer große Gebiet, in dem Teile der zwei abgestürzten Maschinen vermutet werden, sei zum Teil unwegsam. Zum Suchgebiet gehören auch Seen.

Auswertung der Flugschreiber soll Grund des Zusammenstoßes aufklären
tagesschau 20:00 Uhr, 25.06.2019, Martin Schmidt, ARD Berlin

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Flugbetrieb in Laage ausgesetzt

Beide verunglückten Maschinen gehörten zum Luftwaffengeschwader 73, das in Laage bei Rostock stationiert ist. Seine Hauptaufgabe ist die Ausbildung der Eurofighter-Piloten. In dieser Woche starten von dort voraussichtlich keine Jets mehr, sagte ein Sprecher. Da die Unglücksursache noch unklar sei, werde der Flugbetrieb ausgesetzt. Auch die Crews müssten den Vorfall erst verarbeiten.

Normalerweise starten die Eurofighter aus Laage etwa 20 Mal pro Tag, hieß es. Das Gebiet, in dem sie fliegen, könne dabei jeden Tag wechseln, weil es von der Deutschen Flugsicherung zugewiesen werde. Manchmal werde wie am Montag über der Seenplatte geflogen, manchmal auch über Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Brandenburg, sagte der Sprecher. Der Geschwader-Kommodore Oberst Gero von Fritschen will den Angaben zufolge einen Auslandseinsatz vorzeitig beenden und auf den Stützpunkt zurückkehren. Die Flagge weht dort auf Halbmast.

Kritik an Flugübungen über Touristenregion

Dass die Übungsflüge über bewohnten Gebieten durchgeführt werden, wird von unterschiedlichen Seiten kritisiert. So sprach sich der Bürgermeister von Waren an der Müritz, Norbert Möller (SPD), für einen Verzicht auf militärische Übungstiefflüge in Urlauberregionen aus. "Viele Touristen haben kein Verständnis dafür, dass ausgerechnet rings um die Müritz solche Tiefflüge geübt werden", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Auch Landespolitiker von Linken und Grünen forderten ein Verbot oder zumindest eine kritische Prüfung der Tiefflüge.

"Simulator allein reicht nicht"

Die Luftwaffe will allerdings weiter an Übungen über besiedelten Gebieten festhalten. Dies sei für die Einsatzbereitschaft der Besatzungen nötig, sagte der Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, der dpa. Der Flugbetrieb werde zwar zum Großteil mittlerweile in den Simulator und auch ins Ausland verlegt, sagte der Generalleutnant und nannte die USA und das europäische Ausland. Viele Flüge würden zudem über See absolviert, doch ein gewisser Anteil müsse über Land geflogen werden. "Das sind wir alleine schon unserem Auftrag der Landesverteidigung schuldig", so Gerhartz. Auch der Simulator könne dies nicht ersetzen. "Es ist noch mal etwas anderes, in dem Flugzeug zu sitzen. Die Geschwindigkeit ist anders zu spüren in einem Realflugzeug - das kann sich jeder vorstellen -, als es jetzt im Simulator ist."

Auch der CDU-Politiker Henning Otte verteidigte die Luftkampfübungen. "Die Bundeswehr muss dort üben, wo sie im Bedarfsfall auch verteidigt", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsbundestagsfraktion im Deutschlandfunk.

Am Morgen war ein Wrackteil in unmittelbarer Nähe eines Kindergartens gefunden worden. Ein Mitarbeiter der Gemeinde Nossentiner Hütte entdeckte das etwa einen halben Meter lange Bauteil auf einem benachbarten Sportplatz, nach Angaben der Kindergartenleiterin etwa 40 Meter entfernt von den Spielgeräten. "Wir können von Glück reden, dass wir so davongekommen sind", sagte sie. Einige der Kinder hätten den Absturz eines der beiden Kampfjets vom Fenster aus beobachtet.

Überlebender Pilot verlässt heute Krankenhaus

Bei dem Absturz der beiden Eurofighter-Maschinen war am Montagnachmittag ein Pilot ums Leben gekommen. Der 27-Jährige ausgebildete Kampfpilot habe rund 400 Stunden Flugerfahrung gehabt, twitterte die Luftwaffe. Der zweite war verletzt geborgen und in ein Krankenhaus in Rostock gebracht worden. Er ist den Angaben zufolge ein erfahrener Fluglehrer mit mehr als 3700 Flugstunden Erfahrung.

Der überlebende Pilot des Eurofighter-Unglücks werde schnell aus einer Universitätsklinik entlassen. Er habe lediglich ein paar Kratzer und werde noch heute aus dem Krankenhaus entlassen, sagte Gerhartz.

Die Unfallursache ermittle der General Flugsicherheit. "Das tut er ja letztlich auch im Auftrag der Staatsanwaltschaft", sagte der Inspekteur. Nach der Bergung der Flugdatenschreiber gelte es, die Vielzahl der Daten auszuwerten. Wann Ergebnisse vorlägen, sei unklar.

Hintergrund: Der Eurofighter

Der Eurofighter ist ein von Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien entwickelter Kampfjet. Die deutsche Luftwaffe unterhält nach eigenen Angaben 140 Maschinen. Der typischerweise einsitzige Jet ist 15,9 Meter lang und fliegt mit bis zu zweifacher Schallgeschwindigkeit. Er kann sowohl für Luft-Luft- als auch für Luft-Boden-Einsätze bewaffnet werden.

Um das einstige europäische Prestigeprojekt gab es unter anderem in Deutschland lange politische Diskussionen. So wurden neben den Anschaffungskosten von mehr als 100 Millionen Euro pro Jet mehrmals technische Mängel an dem Flugzeug kritisiert. Deutschland hatte 2015 auch deshalb die Abnahme weiterer Flugzeuge kurzfristig ausgesetzt.

Für den Export wird der Eurofighter als "Typhoon" vermarktet. Nach Hersteller-Angaben wurden bisher mehr als 500 Maschinen an sieben Länder ausgeliefert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Juni 2019 um 17:00 Uhr.

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