E-Roller in Santa Monica | Bildquelle: AP

E-Tretroller in Städten Chaos oder Chance?

Stand: 17.05.2019 12:49 Uhr

Der Bundesrat hat der Zulassung von E-Tretrollern zugestimmt. Für Anbieter beginnt jetzt der Kampf um die Straße. Könnten E-Tretroller bald die Städte überrollen?

Von Melanie Katharina Marks für tagesschau.de

Sie kamen wie über Nacht: Ein paar E-Tretroller der Firma Lime. Die Firma wollte in San Francisco testen, ob es einen Markt für die Fahrzeuge gibt. Doch was sie damit lostreten würde, hätte wohl niemand gedacht.

Innerhalb von wenigen Wochen stellten weitere Anbieter ihre Roller dazu. Schnell überfluteten sie Parks, Gehwege, Hauseingänge. Nur einen Monat später sah sich die Stadt dazu gezwungen, an Zulassungen und Parkgenehmigungen zu arbeiten. Rund drei Monate - und mehr als 2000 Beschwerden später - verbannte San Francisco die elektrischen Tretroller vorläufig von der Straße. Das war im Sommer 2018.

Bundesrat gibt grünes Licht für E-Tretroller
tagesthemen 21:45 Uhr, 17.05.2019, Kilian Pfeffer, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Dutzende Anbieter stehen in den Startlöchern

Jetzt, etwa ein Jahr später, sollen sie auch in Deutschland eingeführt werden. Dutzende Anbieter stehen schon bereit, ihre Leihflotten in den Städten zu verteilen. In Hamburg sind es etwa die MyTaxi-Tochter Hive, das österreichische Startup Tier, Modelle der Deutschen Bahn oder amerikanische Anbieter wie Uber, Lime, Bird oder Spin. Auch die Nahverkehrsunternehmen wollen E-Tretroller vermieten. Die Fahrzeuge könnten schon wenige Wochen nach der Zulassung in den Städten ankommen.

Das Ziel: nachhaltige Mobilität in Städten fördern. Wo öffentliche Verkehrsnetze nicht dicht genug sind, sollen die Tretroller die Lücke schließen und es attraktiver machen, das Auto stehen zu lassen.

Doch bei der hohen Konkurrenz gilt auch: Je schneller die Anbieter möglichst viele Räder in einer Stadt platzieren, desto höher ihre Wahrscheinlichkeit, sich gegen die anderen Anbieter durchzusetzen. Es gilt: Mindestens 200 Räder sollten in einer Stadt platziert werden, um einen Netzwerkeffekt zu erreichen - also an verschiedenen Orten wiedererkannt zu werden und verfügbar zu sein. Bedeutet das, dass Deutschland ab dem Sommer von E-Tretrollern überschwemmt werden könnte? Und: Welche Auswirkungen hätte das auf unser Leben in Städten?

Während einer Präsentation auf dem Hamburger Testgelände Desy steht eine Reihe von E-Scootern bereit. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Dutzende Anbieter stehen in den Startlöchern, ab Sommer auch in Deutschland ihre Services anzubieten.

Unsichere Städte?

Wohl am heftigsten diskutiert wurde in den vergangenen Wochen, ob der Straßenverkehr in den Städten durch E-Tretroller gefährlicher wird. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer wollte die Fahrzeuge bis zu einer Geschwindigkeit von 12 km/h auf Gehwegen zulassen. Das sorgte für heftigen Gegenwind, vor allem von Versicherungswirtschaft, Verbänden und Landesparlamenten.

Nun hat Scheuer zwar eingelenkt und die elektrischen Tretroller vom Gehweg verbannt. Aber die Debatte um die Sicherheit bleibt. In Tel Aviv etwa, wo die E-Tretroller bereits erlaubt sind, gab es in diesem Jahr bereits fünf Tote. Im vergangenen Jahr waren es 18. Ähnliche Szenarien werden aus Madrid berichtet. 300 Unfälle mit Personenschaden meldete die Polizei für 2018. In zwei Dritteln der Fälle sollen E-Tretroller-Fahrer die Schuldigen gewesen sein.

Kaum belastbare Daten

Belastbare Daten gibt es noch nicht zur Sicherheit der Fahrzeuge. Eine Studie des US-Gesundheitsministeriums hat für die Stadt Austin in Texas Unfalldaten mit den elektrischen Tretrollern ausgewertet. Demnach haben sich pro eine Million gefahrene Kilometer 135 Menschen verletzt. Zum Vergleich: Nach Angaben des ADAC verletzen sich auf der gleichen Strecke nur durchschnittlich 2,13 Radfahrer. Allerdings wurden die Daten der US-Studie nur über drei Monate gesammelt und auf ein Gebiet eingegrenzt. Wie repräsentativ sie sind, ist fraglich.

Kersten Heineke, Leiter des McKinsey Centers for Future Mobility, warnt vor unnötiger Aufregung: "Wir haben noch keine belastbare Untersuchung gesehen, die zeigt, dass E-Scooter Städte gefährlicher machen könnten." Pilotprojekte wie etwa in Bamberg hätten keine Hinweise darauf gegeben. Er empfehle, erst einmal ein bis zwei Sommer abzuwarten.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, betont, dass es klare Regeln für die Verkehrssicherheit geben müsse. Dazu gehöre, dass die E-Tretroller auf dem Radweg fahren, aber auch: "Die Verordnung muss Schilder vorsehen, um den Verkehrsfluss mit E-Kleinstfahrzeugen auch im Einzelfall zu regeln."

Erleichterung oder Belastung für den Verkehr?

Auswirkungen könnten die elektrischen Tretroller auch auf die Verkehrsdichte haben. San Francisco hat das eindrücklich gezeigt, als plötzlich Hunderte Gefährte in den Straßen aufpoppten. Die neuen Fahrzeuge müssen irgendwo stehen und fahren. Der ADFC wirbt bereits für mehr Radwege. Die doppelte Fläche sei nötig, ansonsten werde es zu eng.

"Grundsätzlich ist der Flächenverbrauch der E-Tretroller positiv", sagt Heineke vom McKinsey Center for Future Mobility. "Sie benötigen weniger Platz als etwa ein Auto." Doch eine Studie der Unternehmensberatung zeigt auch: Die Verkehrsdichte nimmt durch sogenanntes E-Hailing - also Verkehrsmittel, die digital gebucht werden - zunächst zu. 12 Prozent der Fahrten sind demnach Fahrten, die ohne diesen Service nicht stattgefunden hätten.

E-Tretroller, so Heineke, seien vor allem für die erste und letzte Meile zur Bahn- oder Busstation attraktiv. Damit könnten sie den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen - und insgesamt Platz sparen. Auf den Radwegen hingegen könne sich der Verkehr tatsächlich verdichten. Sollten in der Anfangsphase Probleme aufkommen, müssten die Städte überlegen, ob und wie sie die Infrastruktur ausbauen.

Das täten sie bereits, so Dedy. Grundsätzlich müssten aber auch Bund und Länder in die Finanzierung von Verkehrswegen investieren. "Es braucht eine Investitionsoffensive, damit die Verkehrswende realisiert werden kann", so der Geschäftsführer des Deutschen Städtetags.

Niedersachsen, Hannover: E-Roller stehen bei der "micromobility expo" auf der Messe Hannover. Bei der neuen Messe f·ür Fachbesucher und Endverbraucher geht es um Mikromobile mit Elektroantrieb wie E-Scooter, E-Tretroller, E-Bikes und Elektro-Kleinstfahrzeuge. | Bildquelle: dpa
galerie

Kritiker befürchten, dass E-Scooter die Städte verstopfen könnten - sei das, weil sie irgendwo parken oder im Verkehr mit unterwegs sind.

Elektroschrott trübt die Ökobilanz

Zuletzt wäre da noch die Frage, wie nachhaltig die elektrischen Tretroller tatsächlich sind? Kritiker warnen bereits vor Elektroschrott. Denn die Halbwertszeit eines Leih-Tretrollers ist derzeit noch gering. Sharing-Anbieter kaufen die Fahrzeuge meist von chinesischen Herstellern - und die hatten ursprünglich keinen Massenbetrieb vorgesehen, sondern für einzelne Nutzer produziert. Anstatt in einer Garage parken die Tretroller nun also im Regen. Und statt zwei Fahrten pro Tag müssen sie ein permanentes Hin und Her aushalten.

Deutsche Medien berichten aktuell, dass ein Leih-Tretroller etwa drei Monate überlebt. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Quartz hat allerdings Daten ausgewertet, die zeigen: Ein E-Tretroller in Louisville hielt im Schnitt nur 29 Tage - weniger als einen Monat.

Der Anbieter Hive gibt an, an einem neuen Modell zu arbeiten, das je nach Nutzung ungefähr ein Jahr überleben soll. Gleiches bestätigt auch der österreichische Anbieter Tier.

Heineke hält E-Tretroller dennoch für ökologisch. "Das ist eine Frage der Substitution. Grundsätzlich ist aber jeder Kilometer, den Sie mit einem E-Tretroller zurücklegen, emmissionsfrei." Und auch Dedy resümiert: "Neue Mobilitätsangebote wie elektrisch angetriebene Tretroller können in Städten auf Kurzstrecken eine gute Ergänzung sein."

E-Tretroller: Bundesrat wird wohl Startsignal geben
Dirk Rodenkirch, ARD Berlin
17.05.2019 07:31 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete das ARD Morgenmagazin am 17. Mai 2019 um 06:10 Uhr.

Darstellung: