Ein Nahverkehrszug fährt durch ein Rapsfeld bei Hannover. | Bildquelle: dpa

Erntebilanz 2019 Rapsernte bricht ein

Stand: 29.08.2019 18:28 Uhr

Die Erntebilanz fällt nach dem Dürrejahr 2018 besser aus, wegen der Trockenheit haben aber viele auf den Rapsanbau verzichtet. Die Bauern müssten sich auf den Klimawandel einstellen, heißt es aus dem Ministerium.

Die Erntebilanz ist in diesem Jahr besser ausgefallen als im Dürrejahr 2018. Das geht aus dem offiziellen Erntebericht von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hervor.

Beim Getreide werde die Erntemenge bei rund 44,7 Millionen Tonnen liegen, erklärte das Ministerium. Das seien zwar 18 Prozent mehr als im Krisenjahr 2018, aber 3,3 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2018, heißt es weiter.

Bauern verzichten auf Rapsanbau

Besonders negativ habe sich die Trockenheit auf den Raps ausgewirkt, heißt es im Erntebericht. Viele Landwirte hätten deshalb ganz oder teilweise auf die Rapssaat verzichtet, weitere Bestände hätten umgebrochen werden müssen. Mit rund 857.500 Hektar sei deshalb 2019 die kleinste deutsche Rapsanbaufläche seit 1996 registriert worden.

Erwartet werde dieses Jahr nur eine Rapsernte von knapp 2,9 Millionen Tonnen - fast 42 Prozent weniger als im sechsjährigen Durchschnitt.

Weinlese | Bildquelle: AP
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Das Landwirtschaftsministerium hat "optimistische Erwartungen" an die Weinernte.

Regional große Unterschiede

Die Einschätzung aus dem Landwirtschaftsministerium deckt sich weitestgehend mit den Zahlen, die der Deutsche Bauernverband (DBV) vorgelegt hatte. Wie der DBV verwies auch das Ministerium auf große regionale Unterschiede bei der Ernte - je nach Niederschlagsverteilung.

"In manchen Regionen müssen Betriebe erneut eine miserable Ernte verkraften", sagte der Präsident des Bauernverbandes, Joachim Rukwied. Erschwerend komme dort für die tierhaltenden Betriebe das geringe Grundfutteraufkommen hinzu. Vor allem in Brandenburg und Sachsen-Anhalt drücke sich die Wasserknappheit in sehr niedrigen Hektarerträgen aus.

"Optimistische Erwartungen" hat das Landwirtschaftsministerium an den Weinjahrgang 2019. Auch bei Obst werde es ein "gutes Ergebnis geben", prognostizierte das Ministerium. Bei Äpfeln werde mit einem Aufkommen von 946.000 Tonnen im Marktobstanbau und von rund 350.000 Tonnen von Streuobstwiesen gerechnet.

Klimawandel und Dürrehilfen

Es werde deutlich, dass sich die Landwirte verstärkt auf den Klimawandel einstellen müssen, erklärte die Landwirtschaftsministerin. Weil die Erträge aber erfreulicher ausfallen als im vergangenen Jahr, werde es in diesem Jahr keine Dürrehilfen geben können.

Der Grünen-Agrarexperte Friedrich Ostendorff erklärte mit Blick auf die Folgen der Klimakrise, der Ausnahmezustand werde mittlerweile für die Bauern "zum Alltag". Neben Steuerungsmaßnahmen zur Emissionsreduktion seien daher dringend innovative Konzepte nötig, "um die Extremwetter besser abzufedern".

Die FDP forderte von der Bundesregierung die nötigen Mittel für Bauern, um auf schlechtere Bedingungen besser reagieren zu können. Dazu gehörten "neue Züchtungsmethoden für resistentere Pflanzen" und eine auf Wissenschaft basierende Pflanzenschutzmittel-Zulassung, sagte die Agrar-Expertin Carina Konrad.

Kommentar zur Erntebilanz 2019: Nötig ist eine klimaangepasste Landwirtschaft
Claudia Plaß, ARD Berlin
29.08.2019 18:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 23. August 2019 um 08:21 Uhr.

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