Gaspumpstation in Belarus | dpa

Energieversorgung Embargo von russischem Öl und Gas?

Stand: 26.03.2022 13:19 Uhr

Deutschland will unabhängig werden von russischem Öl und Gas. Verkehrsminister Wissing meint, das brauche Zeit. Es gibt aber auch Stimmen für ein sofortiges Embargo. Der ukrainische Präsident sieht Öl- und Gasländer in der Pflicht.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die energieproduzierenden Staaten aufgefordert, als Reaktion auf die russische Invasion in seinem Land ihre Fördermengen zu erhöhen. Dann könne Russland seine Öl- und Gasvorkommen nicht "als Waffe einsetzen, um die Welt zu erpressen", sagte Selenskyj in einer Videoansprache auf der Konferenz Doha Forum. Länder wie Konferenzgastgeber Katar könnten einen Beitrag leisten, um die Energieversorgung in Europa zu stabilisieren.

Der seit mehr als vier Wochen andauernde Krieg in der Ukraine und die westlichen Sanktionen gegen Russland haben in Europa Sorgen vor Energieengpässen geschürt.

Wissing gegen Embargo

Vor einem überstürzten Ausstieg aus russischen Energielieferungen nach Deutschland hat Bundesverkehrsminister Volker Wissing gewarnt. "Es ist sinnvoll, sich energiepolitisch unabhängig zu machen von einem Staat wie Russland, der ohne mit der Wimper zu zucken Völkerrecht bricht und Menschenleben vernichtet", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir müssen uns aber die nötige Zeit nehmen, um unsere Energieversorgung neu zu gestalten." 

Wissing warnte, andernfalls "lösen wir Prozesse aus, die uns selbst handlungsunfähig machen". Der gesellschaftliche Zusammenhalt "darf nicht erodieren". Nichts wäre dem russischen Präsidenten Wladimir Putin lieber, "als dass wir unsere Energiepolitik an die Wand fahren und ihm geschwächt gegenüberstehen".  

Röttgen: "Position wird keinen Bestand haben"

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen dagegen sagte der "Augsburger Allgemeinen", "die deutsche Position, weiter Gas und Öl aus Russland zu kaufen, wird keinen Bestand haben". Er erwartet, dass es mehr und mehr Tote und Flüchtende geben wird. "Wie soll Deutschland dann noch erklären, dass nicht alles getan wird, um das zu beenden?" 

Irgendwann werde die Bundesregierung umfallen, sagte Röttgen der Zeitung. "Und dann wird man zu Recht die Frage stellen, warum sie das nicht schon Wochen vorher getan hat, um den Krieg schneller zu beenden."

Schäuble für Stopp russischer Gas-Importe

Für einen Stopp russischer Lieferungen von Gas und Öl an Deutschland hat sich auch der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ausgesprochen. Der CDU-Politiker sagte der "Welt am Sonntag": "Es wird bitter, aber ich denke, wir müssen schnellstmöglich auf russische Gas- und Öllieferungen verzichten. Wir dürfen nicht immer der Bremser im westlichen Bündnis sein."

Die atlantische Solidarität, die Deutschland genießen durfte, sei keine einseitige Sache. "Wir dürfen nicht zurückzucken, wenn es für uns unangenehm wird." Kremlchef Wladimir Putin müsse wissen: "Für unsere Art zu leben, für unsere Freiheit, sind wir bereit, auch substanzielle Opfer zu bringen."

Energieabhängigkeit in hohem Tempo verringern

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte gestern von Fortschritten auf dem Weg zu weniger russischen Gas-, Öl- und Kohleimporten berichtet. Deutschland sei dabei, seine Energieabhängigkeit von Russland in hohem Tempo zu verringern und die Energieversorgung auf eine breitere Basis zu stellen, hieß es in einem "Fortschrittsbericht Energiesicherheit" seines Ministeriums.

Bis zum Sommer werden demnach die russischen Ölimporte nach Deutschland voraussichtlich halbiert sein. Mit dem Ende des Sommers und zum Herbst hin könne Deutschland komplett auf russische Kohle verzichten, sagte Habeck.

Beim Gas ist die Lage komplizierter. Bis zum Sommer 2024 könne es gelingen, bis auf wenige Anteile unabhängig von russischem Gas zu werden, sagte Habeck. Das hänge aber auch vom Tempo des Ausbaus der erneuerbaren Energien ab - sowie von einer konsequenten Senkung des Verbrauchs auf allen Ebenen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. März 2022 um 13:00 Uhr.