Heinrich Bedford-Strohm | Bildquelle: dpa

EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm kandidiert nicht mehr

Stand: 29.10.2020 06:00 Uhr

Seit sechs Jahren steht Bedford-Strohm an der Spitze der Evangelischen Kirche. Bei der Wahl im kommenden Herbst will er nicht mehr kandidieren. Die Kritik an seinem Flüchtlingsengagement sei aber nicht der Grund, versichert er

Von Tilmann Kleinjung, BR

Im Herbst kommenden Jahres wählt die Synode der Evangelischen Kirche einen neuen Rat und einen neuen Ratsvorsitzenden oder eine neue Ratsvorsitzende. Heinrich Bedford-Strohm kündigt schon ein Jahr vorher im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk an, dass er für dieses Amt nicht mehr zur Verfügung steht. Seit 2014 steht der bayerische Landesbischof an der Spitze der deutschen Protestanten.

Er will gar nicht erst den Eindruck entstehen lassen, er sei amtsmüde. "Ich werde dieses Amt auch im kommenden Jahr mit großer Lust und ganzer Kraft ausüben", sagt er. Aber: "Es ist gut, wenn dann jemand Neues rankommt, neue Akzente setzt, neue Impulse gibt. Ich freue mich vor allem drauf, dass ich dann noch zwei Jahre habe, in denen ich meine ganze Kraft für die Bayerische Landeskirche einsetzen kann."

Bedford-Strohm am Hafen | Bildquelle: dpa
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Heinrich Bedford-Strohm vor dem Schiff der Flüchtlingshelfer "Sea-Watch 3": Morddrohungen für sein Engagement

Folgen für den EKD-Ratsvorsitz

Im Jahr 2023 endet Bedford-Strohms Amtszeit als bayerischer Landesbischof. Und das hätte damit auch Konsequenzen für den EKD-Ratsvorsitz, der in der Regel an einen amtierenden Bischof oder einen amtierende Bischöfin vergeben wird. Leitungsämter werden auf Zeit vergeben. Das unterscheidet die evangelische von der katholischen Kirche.

Damit stellt Bedford-Strohm auch klar: Es ist nicht die Kritik, teilweise auch der Hass, den ihm das Engagement für die Seenotrettung von Flüchtlingen eingebracht hat. Es gab sogar Morddrohungen. Nein, das sei nicht der Grund für den Verzicht auf eine erneute Kandidatur.

"Man muss wissen, worauf man sich einlässt", sagt er. "Ich habe das gewusst. Und ich habe das gerne gemacht und werde das auch in diesem letzten Jahr noch gerne machen." Er sei darauf eingestellt, dass es Kritik geben werde. "Da habe ich schon meine inneren Ressourcen, um damit umzugehen."

Bewältigung der Corona-Krise

Im noch verbleibenden Jahr als Ratsvorsitzender wird Bedford-Strohm vor allem die Bewältigung der Corona-Krise beschäftigen, die auch die Kirchen fest im Griff hat. Die Tagung des evangelischen Kirchenparlaments, der EKD Synode in einer Woche kann nur virtuell stattfinden.

Trotz steigender Infektionszahlen spricht sich Bedford-Strohm gegen erneute Gottesdienst- und Versammlungsverbote aus. "Ich glaube, dass die Kirchen gezeigt haben, dass sie mit der Situation sehr verantwortungsvoll umzugehen wissen", sagt er. "Und deswegen freue ich mich auch darüber, dass wir in den letzten Monaten keinen einzigen Fall in unserer Kirche hatten, bei dem ein Superspreader-Event eingetreten ist." Er glaube, dass Gottesdienste mit diesen Schutzregeln verantwortbar seien.

Gottesdienste im Freien

Insbesondere an Weihnachten müssten die Gemeinden wegen des größeren Andrangs dazu übergehen, auch Gottesdienste im Freien zu feiern. Bedford-Strohm will aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns im Frühjahr lernen und lehnt deshalb pauschale Teilnehmerbegrenzungen bei Beerdigungen ab. Trauerfeiern seien ja nicht beliebig wiederholbar.

"Dieses pauschale Begrenzen auf fünf oder zehn Leute ist aus meiner Sicht nicht mehr gerechtfertigt", sagt er. "Ähnliches ist in den Pflegeheimen zu beachten. Es darf nicht sein, dass es überhaupt Fälle gibt, wo Menschen ohne Begleitung sterben. Das darf nicht wieder passieren." 

Reformen voranbringen

In seinem letzten Jahr als Ratsvorsitzender will Bedford-Strohm den Reformprozess in der Evangelischen Kirche voranbringen. Dazu berät die EKD Synode bei ihrer anstehenden Tagung "zwölf Leitsätze zur Zukunft einer aufgeschlossenen Kirche". Die Ausgangslage ist bekannt:  Immer mehr Menschen treten aus den Kirchen aus. Die Christen werden zur Minderheit.

"Wir wollen daraus eine Chance machen, anstatt den Niedergang zu beklagen", sagt er. "Wir müssen etwas Anderes ausstrahlen als die historisch gewachsenen Strukturen einer preußischen Behörde."

Persönliche Zukunftspläne hat Bedford-Strohm bereits: Nach seiner Amtszeit als bayerischer Landesbischof will er vor allem wieder als Theologieprofessor in Lehre und Forschung arbeiten. 

Bedford-Strohm kandidiert 2021 nicht mehr als EKD Ratsvorsitzender
Tilmann Kleinjung, BR
29.10.2020 06:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell im Hörfunk am 29. Oktober 2020 um 06:50 Uhr.

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